1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Ein großer Autor und Künstler

Kultur in Mindelheim

11.11.2017

Ein großer Autor und Künstler

Im Buch „Mein altes Mindelheim“ sind Zeichnungen von Miller enthalten. Diese fertigte der Autor wohl Ende der 70er Jahre an, um festzuhalten wie es früher in der Stadt aussah. Ihm war bewusst, dass sich alles verändert. In dieser Ecke bei der Stadtmühle haben sich die Häuser jedoch weitgehend erhalten.

Der Mindelheimer Arthur Maximilian Miller ist vor 25 Jahren gestorben. Seine Heimatstadt hat er nie vergessen. Daran erinnert eine kleine Ausstellung.

„Mein altes Mindelheim“ heißt das rund 180 Seiten starke Buch, das Arthur Maximilian Miller Anfang der 80er Jahre veröffentlichte. Darin Schilderungen der Stadt, wie er sie als Bub durchstreift hat und wie sie sich über die Jahre verändert hat. Über die Frundsberg-Statue am Rathaus schreibt er: „Diesem Recken gegenüber steht mein Vaterhaus auf der südlichen Seite der Straße, und ich sah von meinen frühesten Tagen an die vom Wetter geschwärzte Gestalt des Ritters durch die dünnen Fenstervorhänge hereindämmern.“

An seinem Elternhaus erinnert seit 2001 auch eine Steintafel an den Ehrenbürger und Heimatdichter. Seit vielen Jahrzehnten gehört das Haus im Herzen der Mindelheimer Altstadt nun schon der Familie Haid, die es Millers Mutter Katharina abgekauft hat und dort einen Haushaltswarenladen betreibt. Seniorchef Michael Haid hat sich gemeinsam mit Herbert Müller die Arbeit gemacht und zum 25. Todestag des Heimatdichters eine kleine Ausstellung zusammengestellt, die noch bis Anfang Dezember in der Passage zwischen den Schaufenstern besichtigt werden kann.

„Ich habe Miller noch ein paar Mal getroffen als er in der Stadt war“, erinnert sich der 75-Jährige. Aber eine private Bindung habe er zu ihm nicht gehabt. Mit den rund 50 Exponaten wollten er und Herbert Müller einfach ein kleines Andenken an den früher äußerst berühmten Mindelheimer Schriftsteller bewahren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Besonders faszinierend sind die Scherenschnitte

Alte Familienfotos, die Arthur Maximilian mit seinen beiden Brüdern Robert und Maximilian zeigen, ein Porträt des Autors und seiner Frau oder Zeichnungen aus der Feder des Heimatdichters: Müller und Haid haben alles ehrenamtlich zusammengetragen.

Faszinierend sind dabei vor allem die äußerst detaillierten und filigranen Scherenschnitte Millers, von denen Haid einige als Postkarten besitzt, oder eine japanische Ausgabe der Erzählung „Die Poggermühle“, für die der Autor im Jahr 1956 den deutschen Jugendbuchpreis bekam. „Die Stadtbücherei hat uns ein paar von Millers Büchern geliehen. Und die großen Bilder von ihm und seiner Frau sind vom Heimatmuseum“, erläutert Haid, der selbst Miller-Bücher besitzt. Vor allem Millers autobiografischen Roman „Das Haus meiner Kindheit“ habe er immer mal wieder in der Hand, denn darin beschreibt der schwäbische Dichter eben jenes Haus, in dem Haids Familie seit 1934 wohnt.

Die anderen an die 100 Bücher, Erzählungen und Schriften habe er aber nicht alle gelesen, wiegelt Haid ab. Denn der Autor war sehr produktiv, er hat zum Beispiel auch Theaterstücke wie „Die schwäbische Weihnacht“ verfasst oder über 300 Texte zu Chören und Liedern befreundeter Musiker geschrieben. Seine bekanntesten Werke sind dabei „Der Herr mit den drei Ringen“ über den Ottobeurer Abt Rupert Ness. Auch Frundsberg, mit dessen Statue und Leben er sich seit seiner Kindheit beständig auseinandergesetzt hat, bekam ein literarisches Denkmal mit „Herr Jörg von Frundsberg der deutschen Landsknechte lieber Vater“.

Er wurde mit Adalbert Stifter verglichen

Jüngeren Mindelheimern ist Arthur Maximilian Miller meist kein Begriff mehr, auch wenn er zu seinen Lebzeiten sehr viele literarische Auszeichnungen und sonstige Ehrungen bekommen hat, neben der Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt (1971) auch den Sieben-Schwaben-Preis (1991), den Bayerischen Verdienstorden (1983) und das Bundesverdienstkreuz erster Klasse (1960). In einem Artikel der Augsburger Allgemeinen anlässlich Millers 50. Geburtstag vergleicht Kulturredakteur Karl Sauer ihn sogar mit Adalbert Stifter und nennt ihn „einen Erzähler dichterischen Rangs“. Erwin Holzbaur ehrt ihn in einem Artikel aus dem Jahr 1980 außerdem als einen wichtigen Sprachbewahrer, der mit seinen Werken die schwäbische Mundartliteratur ungewöhnlich bereichert habe. Das ist ein Aspekt, den Michael Haid ebenfalls an Miller schätzt: „Da werden Begriffe verwendet, die man in meiner Kindheit noch benutzte, die ich aber auch schon lange nicht mehr gehört habe.“

Während in Mindelheim und Ottobeuren noch die Arthur-Maximilian-Miller-Straßen an den Künstler und Literaten erinnern, hat sich Miller in Kornau bei Oberstdorf selbst einen Gedächtnisort erschaffen. In seinem Haus – das er seine „Dichterei“ nannte – sitzt seit seinem Tod die nach ihm benannte Stiftung, deren Aufgabe es ist, literarischen Nachwuchs zu fördern. Ebenso wird dort der künstlerische Nachlass des Autors gepflegt. Wer sich also weiter mit dem Mindelheimer Literaten beschäftigen und noch mehr Bilder und Zeichnungen sehen will, kann nach den ersten Eindrücken bei Haids nach Kornau fahren.

Die kleine Ausstellung in der Maximilianstraße 29 ist jederzeit frei zugänglich und noch bis Sonntag, 3. Dezember, zu sehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren