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Hospizverein Mindelheim

10.10.2015

Ein heiterer Abend mit ernstem Thema

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Ein Gespräch über den Tod muss keine traurige Angelegenheit sein. Beim Jubiläum des St. Elisabeth Hospizvereins ging es durchaus auch heiter zu. Dafür sorgte auch die Münchner Band The Incs.

Seit 20 Jahren begleiten Ehrenamtliche in und um Mindelheim Sterbende. Warum das nicht nur traurig ist

Geht das zusammen? Humor und Sterben? Darf man lachen, während der eigene Vater mit dem Tod ringt? Die in München lebende Journalistin Dorothea Seitz hat im Mindelheimer Forum eine Szene wenige Stunden vor dem Ableben ihres Vaters beschrieben. Alle paar Minuten hatte dieser auf die Uhr gesehen. Als sie ihn fragte, was ihn umtreibe, meinte er, die Zeit vergehe so langsam. Auf was er denn warte? „Auf den Klapperstorch net“, platzte es aus ihm heraus, und beide mussten herzhaft lachen.

Der St. Elisabeth Hospizverein Memmingen-Unterallgäu feierte am Donnerstagabend sein 20-jähriges Bestehen. Auf Festreden hatte die Vorstandschaft bewusst verzichtet. Statt dessen gab es zunächst Rockmusik der Münchner Gruppe The Incs mit ihren einfühlsamen Texten. „Wenn ich gehen muss“, hieß es an einer Stelle, „haltet meine Hand, denn ich will nicht allein sein.“

Diese Zuwendung für Sterbende leisten 75 Ehrenamtliche des Hospizvereins. Antje Müller-Diestel, die durch den Abend führte, sprach von einem Liebesdienst an den Menschen. All diese Ehrenamtlichen durften sich über tosenden Beifall der Besucher im gut gefüllten Stadttheater freuen.

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Das Sterben werde von vielen Menschen nicht als normal begriffen

Der Vorsitzende Thomas Roth nannte die ehrenamtliche Arbeit das Herzstück des Hospizvereins, auch wenn diese inzwischen durch sechs hauptamtliche Kräfte unterstützt werden. Nach wie vor werde das Sterben von vielen Menschen nicht als normal begriffen, sagte Roth. Er wünsche sich Normalität im Umgang mit dem Tod.

Die kurzweilige Diskussionsrunde übers Sterben und Loslassenkönnen wurde denn auch zu einer Lehrstunde für Jedermann. Auf dem Podium saßen mit Dorothea Seitz und Barbara Stäcker zwei Münchner Frauen, die vor fast zwei Jahren schon einmal in Mindelheim beeindruckt hatten. Nana Stäcker war im Alter von 21 Jahren an Krebs gestorben. Darüber haben die Mutter und die befreundete Journalistin ein anrührendes Buch geschrieben. Jetzt war mit Berend Feddersen auch der Palliativmediziner mitgekommen, der Nana betreut hatte. Die drei haben jetzt ein weiteres Buch rund ums Sterben verfasst. Titel: Der Reisebegleiter für den letzten Weg.

Barbara Stäcker sagte, wie sehr ihr die Hilfe des SAPV-Teams geholfen habe, das rund um die Uhr erreichbar war. Viel der Anspannung sei abgefallen, die Familie habe Zeit füreinander gewonnen. Was aber macht einen guten Hospizbegleiter aus? Die Sozialpädagogin Kathrin Grabenbauer vom Hospizverein nannte Zurückhaltung. Er sollte spüren, was die Familie belastet. Oft helfe schon, Ruhe auszustrahlen. Ihre Kollegin Heidi Heiland, eine gelernte Krankenschwester, meinte, nicht alle Konflikte müssten am Sterbebett gelöst werden.

Viele wissen selbst gut, wann es zu Ende geht

Barbara Stäcker warb für offenes Reden, für Ehrlichkeit im Umgang mit Sterbenden. Es sei nicht schlimm, sich der eigenen Endlichkeit zu stellen. Wann aber ist der richtige Zeitpunkt, reinen Wein einzuschenken? Feddersen hält nichts davon, Betroffenen falsche Hoffnungen zu machen. Wenn ihn ein Patient frage, wie viel Zeit ihm noch bleibe, frage er oft zurück. „Was glauben Sie, wie lange es noch geht?“ Die Patienten hätten meist das beste Gefühl, wann es zu Ende gehe.

Dorothea Seitz hat im Vorjahr ihre Eltern kurz hintereinander verloren. Ans Sterbebett hatte sie auch ihre Kinder mitgenommen. Dafür warb sie nachdrücklich. Die Enkel konnten sich richtig von ihren Großeltern verabschieden. Das war Kinder wie Großeltern gleichermaßen wichtig. Kinder würden mit dem Tod viel unverkrampfter umgehen als Erwachsene. Der Schluss des Abends gehörte wieder der Gruppe Incs.

Im Frühsommer spielten die vier Musiker auf einer Trauerfeier für eine junge Frau, die den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Der Text war Wunsch der Verstorbenen: „Ich will keine Trauerreden hören. Ich will, dass Ihr feiert!“

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