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Unterallgäu

07.02.2018

Ein historischer Blick hinter die Faschingsmaske

Wer spielt hier wohl den wilden Gesellen? Nicht nur einzelne Masken, sondern das gesamte Faschingstreiben hat eine lang zurück reichende Geschichte.
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Wer spielt hier wohl den wilden Gesellen? Nicht nur einzelne Masken, sondern das gesamte Faschingstreiben hat eine lang zurück reichende Geschichte.
Bild: Sammlung Hölzle

Warum wir uns dieser Tage so gerne verkleiden und was man früher gemacht hat.

Wenn derzeit der Fasching in Stadt und Land für Stimmung sorgt und sich viele Menschen plötzlich verkleiden und in andere Rollen schlüpfen, dann wirft dies durchaus eine Menge ernster Fragen auf. Warum tun sie das? War das immer schon so? Warum ist der Fasching heuer so kurz? Warum verstecken sich stolze Männlein und schöne Weiblein hinter entstellenden Larven? Was hat eigentlich die Kirche mit all dem zu tun?

Fragen über Fragen also, die sich in die allgemeine Gaudi-Stimmung mischen. Weil es so viele Antworten dazu gibt, erschienen über den Fasching oder die Fasenacht auch etliche Schriften, wie zum Beispiel von zwei Mindelheimer Autoren das Buch „Fasching und Fasnacht - Geschichte und Gschichtla“.

Jedenfalls besteht in diesen tollen Wochen des Jahres Gelegenheit, aus dem grauen Alltag auszubrechen. Wann kann man schon als Teufel rumlaufen oder als stolzer Donald Trump imponieren? Der Fasching macht es möglich.

Doch wie kam es dazu, wer hat dies alles erfunden? Karneval, Fasching oder Fasenacht haben ihren Ursprung darin, dass die Menschen in einer einst streng religiös geprägten und christlich ausgerichteten Zeit für eine kurze Zeitspanne eine Gegenwelt zu all dem aufbauten, was als normal galt. So wurde die Fasnacht auch in den christlichen Kalender eingepasst: Ihr Termin richtet sich nach der kirchlichen Fastenzeit, und die wiederum folgt dem beweglichen Ostertermin. Daraus kann man ersehen, dass zwischen Fastnacht und Ostern auch ein innerer Zusammenhang besteht. Es ist eine Art Verabschiedung von der Fleischkost hin zum 40-tägigen Fasten ab dem Aschermittwoch, an dem mit dem Aschenkreuz von der Kirche dem Menschen deutlich gemacht wird, wie klein und vergänglich er doch ist.

Fasching soll die Bereitschaft zum Fasten und zur Umkehr fördern

So heißt „Karneval“ nichts anderes als „dem Fleisch ade zu sagen“. Auch in den Worten „Fasching“ und „Fastnacht“ steckt dieser Sinn. Die alten Fastnachtsbräuche sollten demnach beim gläubigen Menschen vor dem Eintritt in die Fastenzeit die Bereitschaft zur Umkehr fördern. So entstanden in frühester Zeit als erste Fastnachtsfiguren immer die „Verführer der Welt“, wie Teufel, Hexen oder Riesen, dann die „Beherrscher der Welt“, wie Narrenkönige oder -prinzen und schließlich „die Bürger der Welt“, das waren Narren, Sünder oder Heiden.

In der Fastnachtszeit anders zu sein und zu scheinen – was bietet sich da besser an, als das Verkleiden und Maskieren. Dabei hatte das Tragen von Masken bei vielen Völkern ursprünglich ganz andere Hintergründe. Man setzte Masken auf, um böse Geister und Dämonen zu erschrecken oder sich gegen solche unkenntlich zu machen. Man glaubte aber auch, mit solchen Masken selbst die Kraft der Dämonen zu erlangen, wie zum Beispiel bei Zauberern oder Medizinmännern.

Die Faschingsbräuche haben eine lange Geschichte

Fastnachtsbräuche und bestimmte Masken stammen also meist aus uralten Riten, mit denen man den Winter vertrieben oder sich bösen Geistern entgegengestellt hat. Doch wie auch immer, in unserer Zeit ist das Maskieren im Fasching sehr beliebt geworden. Die Motive dafür reichen von „unerkannt bleiben“ über „schön oder hässlich aussehen“ bis hin zum Wunsch, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Immer weiter verbreiten sich auch in unserer Region die Gesichtsmasken, wie sie im alemannischen oder alpenländischen Raum daheim sind. Sie heißen eigentlich Larven. Der Begriff kommt aus dem lateinischen „larva“ und bedeutet so viel wie böser Geist oder Gespenst. Der Sinn einer Larve ist neben der Darstellung einer bestimmten Figur vor allem das Verhüllen des eigentlichen Ichs. Diese Bedeutung kommt auch in dem Wort „entlarven“ zum Ausdruck.

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