Newsticker

Macron verkündet zweiten Lockdown für Frankreich
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Ein klingendes Jahrhundertwerk

Kirchenmusik

19.05.2015

Ein klingendes Jahrhundertwerk

Das meiste Geld für die Orgel stammt aus einer Erbschaft

Die neue Orgel in der Stephanskirche ist fertig und wird am Pfingstmontag eingeweiht

„Wer diese Orgel richtig zu spielen weiß, beherrscht ein ganzes Orchester mit mehr als 3000 Stimmen“, schwärmt Dekan Andreas Straub von der neuen und im Unterallgäu wohl zweitmächtigsten Königin der Instrumente in der Pfarrkirche St. Stephan. Die neue Orgel wird am Pfingsmontag offiziell eingeweiht.

Für den Mindelheimer Seelsorger und Kirchenpflger Hubert Säuberlich setzte sich Orgelbaumeister Siegfried Schmied aus Knottenried schon mal bei einer Generalprobe an den Spieltisch und zog alle Register.

Die Gläubigen kommen erst am Pfingstmontag in diesen musikalischen Hochgenuss. Wenn der in Mindelheim geborene und in Dorschhausen aufgewachsene Abtpräses Jeremias Schröder aus St. Ottilien während eines festlichen Gottesdienstes die neue Orgel weiht. Zur Feier des Tages wird dann die große Orgelsolomesse „Missa in honorem Beatissimae Viginis Mariae“ in Es-Dur von Joseph Haydn erklingen und „ihre Majestät“ in den höchsten Tönen singt.

„Zur größeren Ehre Gottes“ singen und musizieren während des Pontifikalamtes auf der Empore auch Kirchenchor und Orchester sowie Kirchenmusiker Rudolf Drexl am Spieltisch und Dirigentenpult. Wenn die neue Stephansorgel zum erstenmal zeigt, was alles in ihr steckt, atmet auch Kirchenpfleger Säuberlich auf.

„Keine Finanzierungslücke mehr, die neue Orgel ist bezahlt“, freut er sich dann. Die Kosten in Höhe von 850 000 Euro teilten sich die Kurt-und-Felicitas-Viermetz-Stiftung, die Stadt Mindelheim, der Landkreis Unterallgäu sowie die Bayerische Landesstiftung. Sie beteiligten sich mit insgesamt 52 000 Euro an dem Projekt. 160 000 Euro steuerten Spender bei und 638 000 Euro stammen aus einer Erbschaft.

St. Stephans frisch zu krönende Orgel wartet mit einer Vielzahl an Klangfarben auf. Vom ätherischen ganz zart bis hin zu gewaltigem Brausen. Pater Stefan Kling, Leiter des Amtes für Kirchenmusik und Orgelsachverständiger der Diözese Augsburg weiß: „Seit 50 Jahren wurde im Landkreis kein Instrument dieser Größenordnung mehr gebaut. Mit ihrem kunstvollen und hellen Prospekt setzt die neue Stephans-Orgel auch gestalterische Akzente im Kirchenraum. Sie ist mit 10,5 Tonnen ein echtes Schwergewicht und verfügt über 52 Register, drei Manuale und Pedal.

Für Orgelbauer Schmid war es eine Herausforderung, ein Werk aus massivem Eichen- und Fichtenholz zu schaffen, das architektonisch wie klanglich mit dem Gotteshaus zu einer Einheit verschmilzt. Das Design des dreiteiligen Orgelprospektes wirkt zeitgenössisch und kommuniziert mit der Innenraumgestaltung von 1952. Erfüllt wurde auch eine weitere Vorgabe. Die wertvollen Register der Steinmeyer-Orgel von 1867 und noch brauchbare Pfeifen des Zeilhuber-Instruments von 1952/58 wurden wiederverwendet. Auch die Disposition herzustellen, war für die Orgelbauer keine leichte Aufgabe. Sie hatten ein Klangkonzept zu entwickeln, das an die Tradition der deutsch-romantischen Orgel anknüpft, aber auch einem Instrument des 21. Jahrhunderts gerecht werden sollte.

Das Jahrhundertwerk „Stephanuns-Orgel“ in Mindelheim wurde in rund 11000 Arbeitsstunden aufgebaut. Sie verfügt über 3064 Pfeifen aus Holz (273) und Metall (2791), von denen die größte 5,1 Meter und die kleinste gerade mal neun Millimeter misst.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren