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Heimatpflege

16.05.2015

Ein letztes Bußgebet auf dem Weg zum Galgen

27 Jahre lang haben Alfons und Ingrid Wiedemann (rechts) die Marienkapelle gepflegt und geschmückt. Nun haben Anita und Sepp Ziegenaus (Mitte) diese Aufgabe übernommen. Bei der „Schlüsselweitergabe“ dankte Bürgermeister Roland Krieger (links) allen für ihren Einsatz
Bild: hlz

Freiwillige kümmern sich in Pfaffenhausen um die kleine Kapelle am Ortsrand. Der Bau hat eine besondere Geschichte

Der kleinen Wegkapelle am südlichen Ortsrand von Pfaffenhausen an der Straße nach Heinzenhof, sieht man ihre bedrückende Geschichte nicht an. Dabei geht das „Käppala“ laut Heimatforscher Julius Sesar auf das 17. Jahrhundert zurück. Als Marienkapelle lag sie als letzte Büßer- und Gebetsstätte für die Verurteilten am Weg zum Galgen. Dieser stand etwa 200 Meter weiter südlich. Der Flurteil heißt heute noch „Galgenmahd“. Im hochstiftischen Pfaffenhausen mit seiner höheren Gerichtsbarkeit wurden seinerzeit immer wieder Todesurteile vollstreckt. Die Kapelle wurde im Lauf der Zeit mehrmals verändert und auch restauriert. Im Inneren befindet sich ein kleiner hölzerner Altar mit einer stattlichen Muttergottesfigur. Davor steht ein Betstuhl. Als der 1986 gegründete Verein „Freunde Pfaffenhausens“ sich der Wegkapellen in Pfaffenhausen annahm, war dies für die Marienkapelle ein Glücksfall. Die Heimatfreunde ließen aus Sicherheitsgründen eine Gips-Kopie der wertvollen „Muttergottes mit dem Kinde“ fertigen. Mit Hilfe von Mitgliedern, Helfern und Spendern folgte auch eine dringend nötige Rundumerneuerung. Diesem Spendergeist blieb zuletzt auch die benachbarte Steinmetzfirma Manfred Schlögel treu, die dem Patronat der Freunde Pfaffenhausens zuliebe eine steinerne Sitzgarnitur im Außenbereich der Kapelle gestiftet hat.

Aus der Übernahme der Pflegschaft von insgesamt drei Wegkapellen durch die Freunde Pfaffenhausens ergaben sich zwei nachhaltige Folgerungen. Zum einen gab der Verein schon 1988 anlässlich der aufwendigen Wiedererrichtung der neuen „Lindenkapelle“ an der Krumbacher Straße eine kleine Broschüre heraus. Sie bekam den Titel „Weg-Kapellen in Pfaffenhausen“ und beschreibt die verschiedenen „Denkmäler der Volksfrömmigkeit“. Als weiterer Impuls erklärten sich damals benachbarte Mitbürger bereit, ehrenamtlich die Kapellen und deren Umfeld zu pflegen und zu schmücken. Bei der „Eichbergkapelle“ war dies die Familie Erich Gebauer, bei der Lindenkapelle Uli und Renate Pfleghaar und bei der o.g. historischen Büßer-Marienkapelle Alfons und Ingrid Wiedemann. Nach 27 Jahren zuverlässiger Pflegschaft hat das Ehepaar Wiedemann nun quasi die Schlüssel zu diesem Käppala weitergereicht. Als Nachfolger kümmern sich künftig die Nachbarn Anita und Sepp Ziegenaus um die kleine Kapelle mit ihrer bepflanzten Außenanlage und vor allem auch um die Sauberhaltung der gerne genutzten Sitzecke. Den „Amtswechsel“ nahm Bürgermeister Roland Krieger zum Anlass, dem langjährigen Kapellen-Pfleger- Ehepaar Wiedemann mit einem Geschenk und lobenden Worten zu danken. Den Nachfolgern Anita und Sepp Ziegenaus sagte Krieger Dank und Respekt dafür, dass sie diese Pflegeaufgabe für den Verein ehrenamtlich übernehmen und damit auch in aller Stille der Ortsgemeinschaft dienen. Auch sie werden künftig für regelmäßige Öffnungszeiten der Kapelle an Sonn- und Feiertagen sorgen.

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