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Jahresakonzert in Kirchheim

07.06.2017

Ein märchenhafter Abend

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2 Bilder
Zur Begrüßung der Gäste spielte der musikalische Nachwuchs im Kirchheimer Schlosspark.
Bild: Maria Schmid

Unter dem Motto „Schaurig schön“ entführte das Blasorchester ins Reich der Sagen

Was wäre ein Pfingstsonntag in Kirchheim ohne Blasorchester? Erst durch das traditionelle Jahreskonzert wird es alljährlich zu einem musikalischen Fest. Der Zedernsaal im Fuggerschloss wird erfüllt von großartigen Blasmusikklängen. Kein Wunder, denn das Blasorchester unter der Leitung von Michael Werner hat sehr viel zu bieten.

Und was passt besser zu einem Schloss als musikalisch dargestellte Märchen? Unter dem Motto „Schaurig schön“ bekamen die Gäste tatsächlich Märchen und Legenden zu hören, die große Komponisten dazu anregten, sie in Töne umzuwandeln. Da wäre zum Beispiel das „Largo“, die Legende aus der Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvorák. Darin beschreibt er in wunderbaren Tönen  Henry Wadsworth Longfellows Erzählung „Hiawatha“. Michael Werner wählte andere Märchen aus dem slawischen Märchenschatz.

Die lyrische Oper „Rusalka“ und das darin enthaltene „Lied an den Mond“ arrangierte er wunderbar für das Orchester.

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Die tiefe Sehnsucht der Meerjungfrau nach der großen Liebe brachte sie dazu, ihre Stimme zu opfern, um wie ein Mensch auf zwei Beinen gehen zu können. Dramatisch die Szenerie, die hochdramatisch endete. Moderatorin und Flötistin Marion Schroll war der Ansicht, dass eine Ehe halt nicht gut gehen könne, wenn die Frau nicht sprechen kann. Hans-Christian Andersen hatte diese Geschichte von der kleinen Meerjungfrau ebenfalls aufgeschrieben.

Dvorák ließ auch die schaurige Geschichte der „Mittagshexe“ lebendig werden, in der am Ende die Mutter zwar überlebte, jedoch das Kind von der Hexe eingefordert wurde. Hier war es Annette Ortler, die das Schreien des Kindes an ihrer Oboe deutlich machte.

Eine Marionette stirbt im Duell

Über die Dissonanzen beim Erscheinen der Hexe schrieb der Komponist Leos Janácek: „Man vermöchte den grauenhaften Schatten zu ertasten in diesen seltsam humpelnden, ungewohnten und ungeahnten harmonischen Fortschreitungen.“

Der amerikanische Komponist Alfred Reed nahm das Gedicht „Atalanta“ von Algernon Charles Swinburn als Grundlage für seine Komposition „The Hounds of Spring“ (Des Frühlings Hunde), in dem Alexander Fock als Solist am Horn die Dramatik schilderte. Eine Sage aus Liechtenstein, in der ein Riese einen Drachen besiegte, nahm Otto M. Schwarz mit „Dragon Fight“ für seine Komposition als Grundlage. Das Schaurige dieses Konzertabends steigerte sich weiter. Da starb eine Marionette im Duell, für Charles Gounod Grund genug, ihr den Begräbnismarsch „Funeral March of Marionet“ auf den Leib zu schreiben.

Mit Robert W. Smith viersätzigem Werk nach „Die Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri hatte Michael Werner die hochemotionalen Sätze 1 und 4, das „Inferno“, die Hölle, und schließlich das seligmachende „Paradiso“ ausgewählt.

Die Lichter im Zedernsaal erloschen, nur die Lämpchen an den Notenständern der Musiker leuchteten und ein flammend rotes Licht erstrahlte im Hintergrund, halt wirklich „Schaurig schön“.

Als Zugabe hörten die Gäste das „Benedictus“ aus der Friedensmesse „The Armed Man“ von Karl Jenkins, in dem Robert Schmid am Flügelhorn und Jürgen Zips am Tenorhorn in einen wunderbaren Dialog miteinander traten. Dieser Konzertabend wird unvergesslich bleiben. Ist da für das nächste Jahr noch eine Steigerung möglich? Auf jeden Fall wird auch das Vororchester, die vielversprechenden Jugendlichen des Blasorchesters, wieder dabei sein, und wie in diesem Jahr vor dem Schloss ihr Können unter Beweis stellen.

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