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Interview

21.10.2017

„Ein perfektes Leben wäre zu steril“

Anselm Grün wird die Bad Wörishofer Gesundheitstage eröffnen.
Bild: epd

Pater Anselm Grün gilt als einer der meist gelesenen christlichen Autoren. Im Rahmen der Gesundheitstage besucht er am kommenden Donnerstag wieder einmal die Kneippstadt

Die vierten Bad Wörishofer Gesundheitstage werfen ihre Schatten voraus. Für einen vielversprechenden Auftakt der Veranstaltungsreihe sorgt am Donnerstag, 26. Oktober, um 20 Uhr im Kursaal der bekannte Benediktiner Anselm Grün mit seinem neuen Vortrag „Wie wir leben – wie wir leben könnten“. Im Gespräch mit MZ-Mitarbeiter Franz Issing zeigt der Ordensmann aus dem Kloster Münsterschwarzach schon mal Hilfen für ein „Leben in Balance“ auf.

Herr Pater Anselm, Sie waren schon wiederholt in Bad Wörishofen. Was verbindet Sie mit der Wirkungsstätte von Pfarrer Sebastian Kneipp?

Ich bin gerne im Allgäu, weil ich die Menschen in diesem Landstrich sehr schätze. Sie sind so bodenständig wie der Wasserdoktor.

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„Wie wir leben – wie wir leben könnten“ ist Thema Ihres Vortrages zur Eröffnung der vierten Wörishofer Gesundheitstage. Leben Sie selbst so, wie Sie leben könnten?

Ich versuche, immer so zu leben, wie ich es in meinen Büchern empfehle. Aber natürlich bleibe ich immer hinter dem eigenen Anspruch zurück. Aber es ist mir wichtig, dass wir immer auf dem Weg sind, dass wir versuchen, Haltungen zu leben, die uns Halt geben. Es geht nicht immer darum, dies perfekt zu tun. Das wäre zu steril.

Sie gelten als meistgelesener christlicher Autor. Welche Stellung hat für Sie Erfolg?

Vom Erfolg darf man sich nicht definieren. Ich bin dankbar für ihn, aber ich denke nicht immer an Erfolg. Wichtig ist mir, die Menschen zu ermutigen, dass sie ihren Weg mit Vertrauen gehen.

Welchen Rat geben Sie Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind?

Dass sie erst mal schauen sollen wer sie selber sind. Der erste Sinn des Lebens besteht darin, das einmalige Bild zu leben, das Gott sich von mir gemacht hat, also ganz ich selbst zu werden. Hinzu kommt die Sendung mit Überlegungen, wie „Was traut Gott mir zu? Was ist meine Sendung in dieser Welt? Welche Lebensspur möchte ich eingraben in diese Welt?

Wie wird man Ihrer Meinung nach zum Lebenskünstler?

Lebenskünstler wird man, wenn man sich so annimmt, wie man ist. Zu anderen braucht es auch ein Werkzeug für den Künstler. Da sind Rituale für mich wichtig und auch das, was wir früher Askese genannt haben. Askese steht ja für Übung und Training. Will heißen: Wir sollen uns eintrainieren in die innere Freiheit und die Kunst des gesunden Lebens. Das geistliche Leben, wie es die frühe Kirche verstanden hat, war die Kunst des gesunden Lebens.

Wie lassen sich Enttäuschungen im Leben besser verkraften?

Enttäuschungen sind die Herausforderung, sich von Illusionen zu verabschieden und ja zu sagen zu mir und meinem Leben – so wie es nun einmal ist. Es gehört dazu, dass ich meine eigene Durchschnittlichkeit betrauere, weil ich dann auch das Gute und Kraftvolle in mir entdecke. Und ich stelle mir dabei vor, dass Gott durch Enttäuschungen meine Vorstellung vom Leben zerbricht, um mich aufzubrechen für neue Möglichkeiten des Lebens, um aber auch aufzubrechen zu ihm und meinem wahren Selbst.

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