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Kirchheim-Könghausen

15.04.2020

Ein schwieriges Jahr für Landwirte

Ein schwieriges Jahr für die Landwirte, verzeichnet die Viehzuchtgenossenschaft.
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Ein schwieriges Jahr für die Landwirte, verzeichnet die Viehzuchtgenossenschaft.
Bild: Ralf Lienert

Plus Die Viehzucht-Genossenschaft Kirchheim-Könghausen hat sechs Betriebe verloren. Bei der Vermarktung steht ein Umbruch bevor.

„2019 war in vielerlei Hinsicht ein schwieriges Jahr. Die Landwirtschaft in Bayern und besonders bei uns stand unter Druck“, sagte Obmann Josef Kleiber bei der Jahresversammlung der Viehzucht-Genossenschaft Kirchheim-Könghausen (VZG). Sie fand noch vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen in Salgen statt.

Kleiber nannte die Blauzungen-Krankheit im nahen Württemberg, die auch im Unterallgäu zu Sperrzonen führte. Dadurch sei der Zuchtvieh- und Kälberhandel fast vollständig zum Stillstand gekommen. Die Untersagung von Kälbertransport über lange Strecken habe die schwierige Situation nochmals verschärft. Der Obmann weiter: „Es ist kein Wunder, dass Bauern reihenweise aufgeben. Allein in Bayern löste jeder vierte Rinderhalter seinen Stall zwischen zehn und 49 Kühen auf.“ Zugenommen hätten nur Großbetriebe zwischen 200 und mehr als 500 Kühen, erklärte er.

In der VZG für Kirchheim, Eppishausen und Salgengibt es 46 Mitglieder

Die heimische VZG, zu der die Gemeinden Eppishausen, Kirchheim und Salgen mit ihren Ortsteilen gehören, zähle weiter 46 Mitglieder. Die Lehrfahrt führte 2019 zur Landmaschinen-Fabrik Kerner in Aislingen und zum Obst-Hof Zott in Ustersbach. Mit dem Dank für 200 Euro Zuschuss der Ware GmbH Kirchheim, beschloss Kleiber seinen Rückblick. Kassier Franz Keppeler trug eine Bilanz mit einem Minus von 185 Euro vor, da die Mitgliedsbeiträge von 2019 und 2020 noch nicht abgebucht seien.

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Nun referierte Johannes Immler von der Allgäuer Herdebuch-Gesellschaft (AHG) über Milchleistungen, Zucht und Vermarktung: Die heimische VZG zählt in Eppishausen noch 18 (-1), in Kirchheim 24 (-3) und in Salgen 21 (-2) Betriebe. 790 (-94) Milchkühe standen in Eppishausen, die im Schnitt 7309 (+10) Kilogramm Milch bei einem durchschnittlichen Fettgehalt von 4,22 Prozent und 3,58 Prozent Eiweiß erzeugt hatten.

Hier die Zahlen der Kühe der Viehzuchtgenossenschaft

Im Bereich Kirchheim nahm die Milchleistung pro Kuh um 327 Liter ab und betrug im Schnitt 7585 Kilo. Hier gab es noch 1258 (-27) Kühe mit 4,23 Prozent Fett- und 3,51 Prozent Eiweißgehalt. 368 Liter Milch mehr erzeugten die 1988 Kühe im Bereich Salgen. Hier war der Betriebsdurchschnitt 10.506 Liter Milch. Das erzeugte Fett lag im Mittel bei 4,08 Prozent und das Eiweiß bei 3,44 Prozent.

Die leistungsstärksten Kühe stehen im Stall von „Mindelmilch“ (Kerler, Salgen). Im Schnitt erzeugten diese 13.360 Kilo Milch mit 4,11 Prozent Fett (F) und 3,98 Prozent Eiweiß (E). 11.403 Kilo Milch gaben die Tiere von Johann Schneider (Bronnen) bei 3,35 F/3,57 E. Der Hausener Erzeuger Alexander Schaule brachte es auf 11.383 Liter bei 3,77 F/3,52 E. Bei der Mayer GbR in Bronnerlehe betrug der Stalldurchschnitt 11.003 Kilo 3,94 F/3,72 E. Mit 3,92 Prozent Fett und 3,37 Prozent Eiweiß produzierte das Melkvieh von Reinhard und Manuela Rampp aus Bronnen im Schnitt 10.509 Liter „Weißes Gold“.

Über 9000 Kilo Milch Stalldurchschnitt hatten Martin Lochbrunner (Hasberg), Johann Ellenrieder jun. (Kirchheim), Karl Seitz (Lutzenberg), Albert Lutzenberger (Hasberg), Wilhelm Biehler (Hausen), Robert Sirch (Bronnen) und Johann Keppeler (Spöck).

Am meisten Milch gaben mit 112.981 und 107.059 Litern zwei Kühe von Alexander Schaule (Hausen). Ebenfalls eine Lebensleistung von mehr als 100.000 Kilo Milch erbrachten drei Tiere von „Mindelmilch“ (Kerler, Salgen), Kuh „Anne“ von R. und M. Rampp (Bronnen) und „Jubelnd“ von Martin Lochbrunner (Hasberg).

2019 wurden in Buchloe laut Immler 635 Zuchtkälber aufgetrieben. 252 Euro war der Durchschnittspreis für 499 verkaufte Tiere. Von den 278 Deckbullen gingen 235 für 1528 Euro an den Mann. 1573 Euro wurde für 2187 Jungkühe bezahlt, 2255 Tiere waren angeboten. Der Export brach wegen der Transport-Beschränkungen stark ein. 2018 gingen noch 1650 Tiere ins Ausland, 2019 waren es noch 1174.

Keine Auktionen mehr in Buchloe

Daneben kündigte Johannes Immler einen einschneidenden Umbruch in der künftigen Vermarktung von Nutzvieh an: Die Allgäuer-Herdebuch-Gesellschaft (AHG) gibt ihre Auktionsorte Buchloe und Kempten auf und baut in Unterthingau eine neue Halle mit Nebengebäude. Dort entsteht dann der größte Braunvieh-Vermarkter in Deutschland mit dem Namen „Rinderallianz Süd“. Angestrebt wird eine Verkaufszahl von knapp 44.500 Tieren. Der Neubau auf der grünen Wiese, dessen Realisierung von Mai 2020 bis September 2021 dauern soll, werde zwischen zwölf und 15 Millionen Euro kosten.

Finanziert wird das Projekt größtenteils mit sechs Millionen Euro Eigenkapital der AHG. Hinzu kommen die Verkäufe der Tierzucht-Häuser Kempten und Kaufbeuren (je 1,9 Millionen Euro), die Ablösung des restlichen Erbbau-Pachtvertrages in Buchloe (1,25 Millionen Euro), die staatliche Marktstruktur-Förderung (1,5 Millionen Euro) sowie – falls nötig – der Verkauf des AHG-eigenen Leinauer-Hofes (1,4 Millionen Euro). Die erste Auktion ist für den 29. November 2021 vorgesehen. Die Landwirte der heimischen VZG begrüßten zwar das Projekt, bemängeln aber den Nachteil, dass sie nun rund sechzig Kilometer weiter zu Auktionen mit ihren Tieren fahren müssen.

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