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Erkheim

21.01.2020

Ein unzertrennbares Schwesternpaar - auch mit 90 Jahren

Anna Holzheu (links) und Gertraud Abröll sind eineiige Zwillinge und leben seit 20 Jahren gemeinsam im selben Haus. Aus ihrem Heimatort Erkheim sind sie nicht wegzudenken. Die Unterallgäuerinnen halten ein Foto in Händen, auf dem die beiden als Kinder zu sehen sind.
Foto: Martina Diemand

Die beiden Zwillingsschwestern Anna Holzheu und Gertraud Abröll aus Erkheim leben seit Jahrzehnten unter einem Dach. Auch mit 90 sind sie unzertrennbar.

Ein paar Meter Luftlinie – meist waren „Ninni“ und „Traudl“ in ihrem Leben nicht weiter voneinander getrennt. Nach ihrer Kindheit schlugen die Schwestern unterschiedliche Wege ein: Doch sie blieben immer in der Nähe zueinander – und in ihrer Unterallgäuer Heimat Erkheim. Dass sie dort trotzdem ab und an verwechselt werden, ist den Bewohnern der Gemeinde nicht zu verdenken. Denn Anna Holzheu und Gertraud Abröll sind eineiige Zwillinge und wohnen obendrein seit 20 Jahren im selben Haus. Und wenn sie – wie kürzlich an ihrem 90.Geburtstag – alte Bilder zeigen und sagen sollen, wer da eigentlich wer ist, müssen sie selbst schon genau hinschauen.

Umso kniffliger wird es, wenn sie auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen die gleichen Sachen tragen: „Die hat unsere Mutter selbst für uns genäht“, erzählt Traudl Abröll. Heute setzen sie und ihre Schwester nicht mehr auf Zwillingslook – zumindest nicht bewusst. „Manchmal stehen wir morgens auf und sehen dann, dass wir zufällig ganz ähnliche Sachen angezogen haben.“

Schwestern Anna Holzheu und Gertraud Abröll streiten sich nur selten

Bei derartig ähnlichem Geschmack kommt es vor, dass eine die Sachen der anderen anhat – und kleine Meinungsverschiedenheiten nicht ausbleiben. Diese seien aber selten, sagt Anna Holzheu. Schließlich haben die Schwestern gemeinsam viel erlebt: Am 5.Januar 1930 kamen sie zur Welt: zuerst Gertraud, ein paar Minuten später dann Anna. Beide erinnern sich an schwierige, arbeitsreiche Kindheitsjahre. „Uns hat man überall brauchen können“, sagt Anna. So halfen die beiden auf umliegenden Bauernhöfen mit und gingen der Großmutter zur Hand, die im Schuldienst war. Ebenso dem Großvater, einem Mesner. „Er hat uns zum Beispiel losgeschickt, um die Kirchenglocke zu läuten, wenn es 12 Uhr war.“ Einmal wurden die Mädchen auf Initiative des Bürgermeisters zur Erholung nach Bad Salzelmen in Sachsen-Anhalt und später nach Bad Wörishofen geschickt. Dieser Aufenthalt bekam ihnen nicht gut: „Wir haben uns gleich beide mit Diphtherie angesteckt.“

"Ninni" und "Traudl" sind aus Erkheim nicht mehr wegzudenken

Ansonsten waren „Ninni“ und „Traudl“ auch später aus Erkheim nicht wegzudenken. Bei Festen, Heiraten und allem, „was im Dorfleben sonst so angefallen ist“: Anna war dabei, denn sie packte bis zu ihrer eigenen Hochzeit 1966 im elterlichen Fotogeschäft mit an und war oft mit der Kamera unterwegs. Gertrauds Herz hing seit jeher am Kindergarten: „Sie ist auch als Schulkind noch zu Besuch dorthin gegangen“, erzählt Anna. Ab 1946 wurde diese Leidenschaft für die folgenden 43 Jahre zum Beruf – und Gertraud für Generationen von Kindern zu „Tante Traudl“. Unter ihnen sei „als kleiner Bub“ der heutige Bürgermeister Christian Seeberger gewesen, erzählt Gertraud, die ab 1952 die Leitung hatte.

Nach dem Tod von Annas Mann vor 20 Jahren zog Gertraud zu ihr. Schon zuvor hatte sie immer ganz in der Nähe gewohnt – in derselben Straße, nur einige Hausnummern entfernt. Mit dem Gehör haben beide Schwestern so ihre Probleme, doch den Haushalt meistern sie noch gemeinsam: „Traudl“ übernimmt beispielsweise das Einkaufen und Bügeln, Anna das Kochen und den Garten. Regelmäßig kommt zudem Annas Tochter mit ihrer Familie zu Besuch. Einen Schockmoment im vergangenen Jahr – Anna fand ihre Schwester nach einem Sturz bewusstlos auf der Treppe – haben beide gut überstanden. Umso dankbarer sind sie, „dass wir hier so beieinander sein können“.

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