Newsticker

Zahl der Neuinfektionen in Italien stabilisiert sich - mehr als 100.000 bestätigte Fälle in New York
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Einbruch: Ein Zeuge wird zum Angeklagten

Mindelheim

27.02.2020

Einbruch: Ein Zeuge wird zum Angeklagten

Vor Gericht musste sich ein Mann aus dem Landkreis verantworten.
Bild: Arne Dedert, dpa

Plus Ein Nachbar hat einen Einbruch gemeldet und geriet dann selbst ins Visier der Ermittler. Wie es dazu kam und ob er letztlich verurteilt wurde.

Ein Wohnungseinbruch in Mindelheim im April 2018: Zunächst sieht es danach aus, dass ein Nachbar ein wichtiger Zeuge der Tat ist. Nun, knapp zwei Jahre später, muss sich eben jener Mann vor dem Memminger Amtsgericht verantworten: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Tat begangen zu haben.

Der Angeklagte bleibt vor Gericht weiterhin von seiner Unschuld überzeugt. Er habe an dem besagten Tag um 8.40 Uhr einen Termin bei der Physiotherapie gehabt. Laut Handydaten hatte er um 8.34 Uhr die Wohnung verlassen. Als er kurz nach 9 Uhr zurückgekehrt sei, sei ihm ein Mann aufgefallen, der vom Balkon seiner Nachbarin im Hochparterre geklettert sei. Weil ihm das verdächtig vorkam, habe er mit seinem Roller die Verfolgung des Mannes aufgenommen. Der Mann habe das Haus in der Bürgermeister-Krach-Straße in Mindelheim zu Fuß verlassen und er sei ihm auf der Straße gefolgt. Doch irgendwann habe er ihn aus den Augen verloren.

In der Krumbacher Straße habe er dann noch drei Bauarbeiter gefragt, ob sie den Mann gesehen hätten und dabei wohl auch von einem Einbruch gesprochen. Als er zur Wohnung zurückkam, habe er bemerkt, dass die Balkontür der Nachbarin offen stand. Sofort sei er mit dem Roller zum Arbeitsplatz der Frau gefahren und habe ihr vom Einbruch erzählt.

Einbruch: Ein Zeuge wird zum Angeklagten

Als sie gemeinsam an den Tatort zurückkehrten, stellte die Frau fest, dass ihre Wohnung durchsucht worden war und ein Umschlag mit Geld fehlte. Sie hatte gleich einen Verdacht – allerdings konnte ihr Nachbar den Verdächtigen nicht identifizieren. Daraufhin verständigte die Frau die Polizei. Diese nahm die Ermittlungen auf, die Ungereimtheiten wurden mehr und führten letztlich zur Anklage gegen den Nachbarn.

Ein Handballenabdruck sollte als Beweis gegen den Angeklagten dienen

Wichtigstes Indiz war ein Finger- beziehungsweise Handballenabdruck des Angeklagten am Balkongeländer der Nachbarswohnung. Außerdem gab es Widersprüche in der Aussage der Bauarbeiter. Sie gaben an, keinen Mann gesehen haben. Und weiter soll der Angeklagte ihnen gegenüber von einem Schaden von 800 Euro gesprochen haben. Täterwissen – vermutete die Polizei.

Vor Gericht allerdings zerbröselte das Indiziengebilde der Anklage. Die Geschädigte bestätigte nämlich, dass sie öfters mit ihrem Nachbarn geplaudert hatte und dieser sich am Geländer hochgezogen habe, um auf Augenhöhe zu sein. Wie alt sein Handballenabdruck war, ließ sich nicht feststellen; weitere DNA-Spuren wurden am Balkon nicht gefunden. Die Geschädigte selbst wusste erst später, wie viel Geld gestohlen worden war. Im Gespräch waren verschiedene Summen. Wie die Bauarbeiter auf die 800 Euro gekommen waren, war nicht herauszufinden.

Kratzspuren an der Tür der Mindelheimer Wohnung

Die Ermittlungen der Polizei ergaben weiter, dass der Einbrecher zunächst versucht hatte, über die Wohnungstür hineinzugelangen. Jedenfalls gab es dort Kratzspuren. Er hatte dann am Balkon allerdings leichtes Spiel, denn die Frau gab an, dass die Balkontür seit ihrem Einzug nicht richtig schloss. Sie sagte weiter aus, dass sie mit ihrem Nachbarn, also dem Angeklagten, ein gutes Verhältnis gehabt habe.

Diese Aussagen führten vor Gericht zu einem ungewohnten Bild: Beide Seiten – sowohl die Staatsanwältin wie auch der Rechtsanwalt des Angeklagten – plädierten auf Freispruch.

Dieser Auffassung schloss sich auch das Schöffengericht an. Richter Nicolai Braun erklärte in der Urteilsbegründung, dass man dem Angeklagten die Tat nicht eindeutig nachweisen könne. Zwar habe sich der Angeklagte im Laufe der Ermittlungen in Widersprüche verstrickt, die Tat sei ihm jedoch nicht nachzuweisen. Der Angeklagte nahm den Freispruch erleichtert auf, wies aber darauf hin, dass er durch die Aktion seine Wohnung, seinen Arbeitsplatz und sein Umfeld verloren habe. Er habe schließlich aus Mindelheim wegziehen müssen, habe aber immerhin in Baden-Württemberg gleich wieder eine Arbeit gefunden.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren