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Mindelheim

05.06.2018

Eine Geburtstagsfeier für den guten Zweck

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Die Post hat Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem „Helfer der Menschheit“, sogar eine Briefmarke gewidmet.
Bild: Post

Weil Friedrich Wilhelm Raiffeisen heuer 200 Jahre alt geworden wäre, veranstalten sechs Banken zusammen ein Fest in Mindelheim – auch für Menschen in Not.

Ausgelassen feiern und dabei Gutes tun, das können die Unterallgäuer bei der Feier des Genossenschaftskreisverbandes Unterallgäu am Sonntag, 10. Juni, im Mindelheimer Stadtgraben. Die Genossenschaftsbank Unterallgäu, die Volks- und Raiffeisenbank Memmingen sowie die Raiffeisenbanken Pfaffenhausen, Türkheim, Allgäuer Land und Schwaben Mitte feiern an diesem Tag den 200. Geburtstag des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen – und haben dabei wie er auch die Menschen im Blick, die unverschuldet in Not geraten sind: Neben einer Spende in Höhe von 5000 Euro an die „Kartei der Not“ kommt auch der Erlös des Festes dem Leserhilfswerk unserer Zeitung zugute.

Eine Idee, die Friedrich Wilhelm Raiffeisen sicher gefallen hätte. Schließlich war es auch ihm zeitlebens ein Anliegen, Menschen in Not so zu unterstützen, dass sie sich selbst helfen können. Als er 1845 gerade Bürgermeister der Gemeinde Weyerbusch im Westerwald geworden war, drohte dort eine Hungersnot. Zwar schickte die Regierung Korn, das Raiffeisen an die Armen verkaufen sollte. Doch womit sollten es die Leute bezahlen?

Wohlhabende Bürger stellten den Bauern Schuldscheine aus

Raiffeisen gründete deshalb den „Brodverein“: Er überzeugte wohlhabende Bürger, das Korn zu bezahlen und konnte so das Getreide gegen Schuldscheine an die Bauern abgeben. Zudem kaufte er von dem Geld Kartoffeln und Saatgut und baute ein Backhaus, in dem die Bürger günstig Brot backen konnten. Als die Ernte im nächsten Jahr wieder besser war, konnten die Bauern ihre Schulden begleichen.

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Damit war der Grundstein des Genossenschaftswesens gelegt, das er an seiner nächsten Wirkungsstätte, dem benachbarten Flammersfeld, weiter ausbaute: Mit dem „Hülfsverein für die unbemittelten Landwirthe“ gelang es ihm, den Geldverleihern mit ihren Wucherzinsen das Handwerk zu legen. Nächster Schritt war der Darlehenskassen-Verein, in dem nun nicht nur die Geldgeber, sondern auch die Kreditnehmer Mitglied sein mussten – eine Idee, die sich schnell zum Erfolgskonzept entwickelte. Bereits 1888, in Friedrich Wilhelm Raiffeisens Todesjahr, erreichte sie das Unterallgäu: In Kirchheim wurde die erste Raiffeisenbank gegründet, die Vorläuferin der heutigen Genossenschaftsbank Unterallgäu.

Am 10. Juni ist in Mindelheim einiges geboten

Raiffeisens Motivation war es, der überwiegend armen Landbevölkerung Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Sie sollten unabhängiger werden von Großgrundbesitzern und skrupellosen Geldverleihern. „Er hat die Leute dazu gebracht, selbst die Initiative zu ergreifen“, sagt Anton Jall. Der Vorsitzende des Genossenschaftskreisverbandes Unterallgäu ist überzeugt, dass der Genossenschaftsgedanke gerade heute wieder aktuell ist. Denn: „Es herrscht nicht das Kapital, sondern jedes Mitglied hat eine Stimme und kann mitreden.“ Und am 10. Juni kann auch jeder mitfeiern – egal, ob Mitglied oder nicht.

Los geht es am Sonntag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Stephan, den die Heubodenmusikanten der Musikkapelle Eutenhausen-Mussenhausen musikalisch gestalten. Ab 11.30 Uhr sorgen dann die Stadtkapelle Mindelheim und anschließend die Flossachtaler Musikanten vor der Genossenschaftsbank in der an diesem Tag verkehrsfreien Teckstraße für Stimmung. Kinder können sich von Mitgliedern des Dirlewanger Faschingsvereins Narrwangia schminken lassen und sich in einer Hüpfburg austoben. Außerdem gibt es ein Lebend-Kicker-Turnier im Stadtgraben, ein Glücksrad, ein Gewinnspiel und eine Fotobox für Erinnerungsfotos. Neben ProNah werden außerdem auch die Mindelheimer Zeitung und die „Kartei der Not“ mit einem Stand vertreten sein.

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