Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für die Türkei teilweise auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Eine Prinzessin startet durch

Unterallgäu

24.01.2019

Eine Prinzessin startet durch

Annika Schmid macht als Prinzessin der Haselonia mit Prinz Adrian eine gute Figur.
2 Bilder
Annika Schmid macht als Prinzessin der Haselonia mit Prinz Adrian eine gute Figur.
Bild: Melanie Springer

Annika Schmid, Regentin der Haselonia, ist längst nicht nur im Fasching aktiv

Kaum zu glauben: Wer die neue Prinzessin der Haselonia in ihrem königlichen Outfit und all ihrer Weiblichkeit beim Krönungsball in Eppishausen gesehen hat, kann sich schwer vorstellen, dass sie einen derart flotten Reifen fährt. Die 23-Jährige verbringt ihre Freizeit nämlich auf diversen Motocrossrädern im Offroader Oberrieden – und das seit ihrem dritten Lebensjahr. Im Alter von 16 Jahren hat Annika Schmid sogar an der deutschen Meisterschaft teilgenommen. Bei Wettbewerben wie dem Ladies-Cup macht sie seit geraumer Zeit allerdings wegen der hohen Verletzungsgefahr nicht mehr mit, nur noch beim Training. „Ich würde mich ärgern, wenn ich wegen einem Unfall nicht in die Schule gehen könnte“, sagt sie vernünftig.

Die Faschingsprinzessin ist in der Meisterschule eine von zwei Frauen unter 150 Burschen

Die Immelstettenerin besucht derzeit die Meisterschule für Elektrotechnik in München und nimmt ihre Sache sehr ernst. Gelernt hat sie bei der Firma Grob, wo sie zuletzt in der Instandsetzung tätig war. Dort will sie auch nach der Meisterschule unbedingt wieder hin, denn „so einen guten Arbeitgeber gibt es sonst nirgends in der Region“. Die Schulbank zu drücken bereitet ihr große Freude, allerdings bekommt sie dort nichts geschenkt. Sie ist nicht nur eine von nur zwei Frauen unter 150 Kerlen, sondern bekommt auch zu spüren, dass sie ihre Ausbildung nicht im klassischen Handwerk absolviert hat. „Die Leute aus der Industrie haben es da einfach schwerer“, musste sie sich eingestehen. „Die werden in der Meisterschule ins kalte Wasser geschmissen.“

Zwischen ihrer Ausbildung und ihrem letzten Beschäftigungsverhältnis bei den Grob-Werken hat sie mal „gschwind noch eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten“ absolviert. „Das hat mich einfach interessiert“, sagt sie pragmatisch. Das Gelernte wendet sie im elterlichen Elektrobetrieb in Immelstetten an, wo sie unter anderem auch die Buchhaltung macht – ganz nebenbei, versteht sich.

Eine Prinzessin startet durch

Das sympathische Energiebündel ist auch bei der Feuerwehr aktiv

Jetzt möchte man meinen, die Prinzessin sei mit ihrem Amt bei der Haselonia und der Meisterschule einigermaßen ausgelastet. Pustekuchen! Das sympathische Energiebündel ist seit Oktober vergangenen Jahres auch noch bei der Freiwilligen Feuerwehr, wo sie nach gerade mal drei Wochen die Bronzeabzeichen gemacht hat. Doch das ist immer noch nicht alles. In der verbleibenden Zeit geht Annika in den Gymnastikverein, widmet sich ihrem Schäferhund oder kriecht im Garten herum. Ihre Mutter ist gelernte Gärtnerin und hat den grünen Daumen offenbar an die Tochter vererbt. Die Frau Mama hat übrigens auch schon festgestellt, dass die Prinzessin ein straffes Programm hat, und schlägt ihr regelmäßig vor, „einfach mal zu chillen“.

Annika findet diesen Vorschlag fast absurd und meint: „Nee, da geh ich lieber ne Runde schwimmen.“ Auf die Frage, ob sie denn nie einfach mal nur ein Buch lese oder fernsehe, entgegnete sie: „Das ist mir viel zu langweilig, da fehlt mir die Action.“ Aber ab und zu lässt sie es dann doch etwas ruhiger angehen und geht mit ihrem Freund Chinesisch essen.

Letzterer steht ihr auch im Fasching zur Seite, nämlich als Prinz Adrian I. Er war bereits acht Jahre im Elferrat der Haselonia, als er als Prinz vorgeschlagen wurde. Und da seine Annika schon seit ihrem 18. Lebensjahr bei der Neufnarria als Gardemädchen zugange war, verstand es sich von selbst, dass keine andere als sie die Rolle der Prinzessin einnehmen würde.

Ihre Zeit in der Garde des Mittelneufnacher Faschingsvereins hat Annika bewusst beendet, „als es am schönsten war“. Ihr letzter Gardemarsch dort war sehr magisch, sagt sie. Besonders gefreut habe sie, dass sie das Lied ihres letzten Auftrittes bei der Neufnarria in den Krönungstanz mit Prinz Adrian integrieren konnte. Die beiden haben vor ihrem großen Abend noch ein paar Tanzstunden genommen, was dann auch die Perfektion der Performance erklärt. Perfektion scheint sich ohnehin wie ein roter Faden durch Annikas Leben zu ziehen. So sagt sie über sich selbst, dass sie extrem ordnungsliebend ist, keine Deko in ihrer Wohnung duldet und notfalls auch vorm Zubettgehen noch alles aufräumt, was nicht am rechten Platz steht.

Es ist schon fast beruhigend, dass sie dann – entgegen allem Anschein – doch noch einräumt, nicht perfekt zu sein. Eines ihrer größten Laster ist Nutella. Der Schokocreme und auch anderen süßen Kalorienbomben ist sie maßlos verfallen. Einer ihrer Mitschüler an der Meisterschule meinte neulich, er habe noch nie eine Frau gesehen, die so viel essen könne. Im Sommer kann es schon mal vorkommen, dass Annika mit ihrem Golf-Cabrio zur Eisdiele fährt und dort zehn Kugeln Eis verschlingt. Meistens nimmt sie nach der Schlemmerorgie sogar noch zwei Kugeln in der Waffel für die Fahrt mit. Dass Annika trotz ihrer kulinarischen Exzesse gertenschlank ist, dürfte allerdings keinen wundern, der ihr Freizeitprogramm kennt.

So gern Annika zuhause im Unterallgäu ist, so gern verreist sie auch. Ihr großer Traum ist es, einmal nach Bali zu reisen. Sie findet die asiatische Kultur sehr spannend und würde gern mal eine Rucksackreise durch den warmen Teil Asiens machen. Letztes Jahr war sie in „Abu Dhabi, am Gardasee, in Schweden und auf einer Kreuzfahrt“, zählt sie auf und – das hätte sie fast vergessen – „am Wörthersee“, wo sie mit ihrem geliebten Golf I-Cabrio, das mittlerweile ein Oldtimer ist, am berüchtigten VW-Treffen teilnahm. Ihr Herz schlägt für Städtereisen, das ihres Freundes für Strand und Sonne. „Da ist so eine Kreuzfahrt ein ganz guter Kompromiss“, sagt sie.

Einmal im Leben Faschingsprinzessin zu werden, war schon immer ihr Traum. Sie weiß aber, dass man große Momente nicht auf Knopfdruck wiederholen kann. Deshalb ist auch klar, dass sie nach dieser Faschingssaison wieder unter die „normal Sterblichen“ gehen wird und sich wieder den Kopf über ein passendes Kostüm zerbrechen muss. Ein wenig Entzugserscheinungen wird sie schon haben, meint sie, „aber wer weiß, was die Zukunft noch bringt“, sagt sie zuversichtlich. Dass es Annika an Ideen und Visionen auch in der Zukunft nicht mangeln wird, glaubt man ihr sofort.

Bälle Am Freitag, 25. Januar, steigt ab 18 Uhr in der Fundushalle in Eppishausen der Jugendball der Haselonia.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren