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Passivhaustage

14.10.2013

„Eine Sanierung rechnet sich“

Je besser ein Haus gedämmt ist, desto weniger Wärme gibt es nach außen ab. Das spart Energie und damit auch Heizkosten. Außerdem soll die Dämmung dazu beitragen, den Wert des Gebäudes zu erhalten.
Bild: mz

eza!-Geschäftsführer Martin Sambale wirbt für die energetische Ertüchtigung von Gebäuden.

Bei den sechsten Allgäuer Passivhaustagen am Samstag und Sonntag, 19. und 20. Oktober, im Mindelheimer Forum spielt das Thema Altbausanierung eine wichtige Rolle. MZ-Redakteur Johann Stoll fragte bei Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza!) nach, ob sich das nachträgliche Dämmen eines Hauses tatsächlich lohnt.

Herr Sambale, die Tageszeitung Die Welt titelte in diesem Frühjahr „Die große Lüge von der Wärmedämmung“ und auch viele andere Tageszeitungen berichteten über eine Studie, wonach sich die energetische Gebäudesanierung angeblich nicht rechnen würde. Lohnt sich das Sanieren von Gebäuden also gar nicht?

Sambale: Diese Berichte beriefen sich auf eine Studie der Prognos AG, die im Auftrag der bundeseigenen KfW-Förderbank erstellt worden war. Leider hatten die Autoren der meisten Zeitungen diese Studie gar nicht gelesen, sondern lediglich die Zahlen falsch interpretiert. Die Studie weist nämlich nach, dass die energetische Gebäudesanierung sehr wohl wirtschaftlich ist. Wenn man die Investitionen für Sanierungen betrachtet, dann ist ein Teil als Instandhaltung zu bewerten – für die Erneuerung bröckelnder Putzfassaden, altersschwacher Heizungen oder den Austausch undichter Fenster. Der andere Teil geht über die Instandhaltung hinaus und verbessert den Energiestandard der Gebäude. Diese Mehrausgaben zur Steigerung der Energieeffizienz schlagen bis 2050 mit 237 Milliarden Euro zu Buche - und sie lösen Energieeinsparungen im Wert von 361 Milliarden Euro aus. Damit bestätigt die Studie, dass die energetischen Gebäudesanierungen wirtschaftlich sind.

„Eine Sanierung rechnet sich“

Welche Schlussfolgerung kann man als Hausbesitzer daraus ziehen?

Sambale: Dass es im Durchschnitt wirtschaftlich ist, sein Haus energetisch zu sanieren – aber das muss nicht für jedes Haus zutreffen. Da jedes Gebäude anders ist und auch jeder Hauseigentümer seine eigene spezifische Situation hat, muss jeder Fall individuell betrachtet werden. Auch bei den Passivhaustagen kann sich jeder Hausbesitzer dazu von unseren eza!-Energieberatern erste Infos holen.

Neben der Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung wird in der Öffentlichkeit immer wieder bezweifelt, ob die Wärmedämmung überhaupt etwas bringt.

Sambale: Dann gehen Sie doch einfach mal im Winter bei Minusgraden im T-Shirt auf die Straße. Sie werden in kürzester Zeit merken, wie schnell Sie ohne die Wärmedämmung eines dicken Mantels, Handschuhe und Mütze auskühlen. Genauso geht es unseren Häusern. Wir müssen ständig heizen, um diese Wärmeverluste auszugleichen. Neben der Energie- und damit auch Kosteneinsparung, die übrigens durch viele Messergebnisse an neu gebauten und sanierten Häusern vielfach nachgewiesen wurden, bringt uns eine gute Wärmedämmung auch einen deutlich verbesserten Wohnkomfort. Und der Wert des Gebäudes wird langfristig erhalten.

Werterhalt? Es gibt Leute, die behaupten, Wärmedämmverbundsysteme aus Styropor könnten Schimmel in den Wohnräumen verursachen.

Sambale: Im Gegenteil, die Wärmedämmung hilft, Schimmel zu vermeiden. Diese Gerüchte kommen von Sanierungen, bei denen neue Fenster eingebaut wurden und gleichzeitig eine Wärmedämmung angebracht wurde, aber keine Rücksicht auf das Thema Lüftung genommen wurde. Dazu muss man wissen, dass die Luftfeuchtigkeit, die in den Räumen durch Menschen, Kochen und Pflanzen entsteht, zu mehr als 95 Prozent über Lüftung abgeführt werden muss.

Durch Wände, auch ohne Wärmedämmung, kann davon nur ein vernachlässigbar kleiner Anteil diffundieren. Bei den Fällen, wo in frisch sanierten Gebäuden Schimmel auftrat, führten dies die Bewohner oft irrtümlich auf die neu angebrachte Wärmedämmung zurück, die Ursache waren aber immer die dichteren Fenster.

Welche Abhilfe empfehlen Sie?

Sambale: Man muss das Thema Lüftung beachten, wenn neue Fenster eingebaut werden. Wir empfehlen eine Komfortlüftung, die automatisch für frische Luft sorgt. Auch ein bewusstes Lüftungsverhalten mit regelmäßigem Stoßlüften kann für Abhilfe sorgen, hat allerdings seine Grenzen.

Je dicker und besser die Wärmedämmung ist, umso geringer ist auch die Schimmelgefahr, da durch eine dicke Wärmedämmung die Temperatur auf der Innenseite der Außenwände höher ist und die Gefahr einer Unterschreitung des Taupunktes somit geringer wird.

Wie ist der Stand der Gebäudesanierung im Unterallgäu?

Sambale: Es ist schon einiges geschehen – aber wir haben noch viel Arbeit vor uns. In den vergangenen Jahren haben schon viele Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen ihre Gebäude vorbildlich saniert. Ich will hier nur die Realschule in Buchloe als Beispiel nennen, die bis auf Passivhausstandard saniert wurde.

Das Potenzial zur Energieeinsparung durch weitere energetische Gebäudesanierungen ist immer noch sehr groß und viel zu häufig werden auch noch „Pinselstrichsanierungen“ gemacht, bei denen die Optik verbessert wird, aber die Chance für sinnvolle Wärmedämmmaßnahmen verstreicht. Wir versuchen, das zu ändern mit unseren Energieberatungsstellen im Allgäu, mit Kampagnen und Veranstaltungen wie den Allgäuer Altbautagen und den Allgäuer Passivhaustagen in Mindelheim.

Info: Das Programm der Passivhaustage finden Sie im Internet unter www.passivhaustage.info. Dauer: 19. und 20. Oktober, 9.30 bis 17 Uhr, Ort: Forum Mindelheim. Der Eintritt ist frei.

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