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Unterallgäu

14.07.2018

Einer sagenhaften Gegend auf der Spur

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2 Bilder
Peter Würl kennt sich aus im Allgäu. Besonders angetan haben es ihm die versteckten Orte, zu denen es alte Sagen und Geschichten gibt.
Bild: Baumberger

Peter Würl ist nicht nur Autor, sondern auch Abenteurer. Im Unterallgäu hat er einige spannende Entdeckungen gemacht

Dass das Allgäu sagenhaft ist, wissen seine Bewohner und zahlreiche Besucher natürlich längst. Doch Peter Würl hat es nicht dabei belassen. Der gebürtige Egerländer, der in Geretsried bei München aufgewachsen ist und seit 34 Jahren im Ostallgäu lebt, ist fasziniert von der Geschichte des Allgäus, seinen Sagen und Legenden – und hat sich immer wieder auf ihre Spur gemacht. Auf Drängen seines Verlegers hat der 72-Jährige, der sich eigentlich als Lyriker einen Namen gemacht hat, diese „Geschichten aus der Geschichte“ zu Papier gebracht. Sie füllen inzwischen drei Bücher , ein viertes, in dem auch das Unterallgäu eine wesentliche Rolle spielt, soll demnächst folgen.

Im Mittelpunkt steht der Creszentiapilgerweg, den sich der Autor wider Willen im vergangenen Jahr vorgenommen hat. Rund 90 Kilometer ist er den Rundweg in mehreren Etappen von Kaufbeuren über Irsee, Bad Wörishofen, Mindelheim und Ottobeuren und zurück über Apfeltrach, Dirlewang, Warmisried, Baisweil und Eggenthal gelaufen – und ist manchmal direkt am Weg, manchmal auch ein wenig abseits fündig geworden.

Der „Galgenfelsen“

Direkt am Pilgerweg im Wasserschutzgebiet von Bad Wörishofen ist er beispielsweise auf den Felsen gestoßen, an dem die Verurteilten auf dem Weg zum Galgen ihr letztes Gebet gesprochen haben sollen. Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach dem „Dreiländerstein“ bei Binkenhofen, von dem ihm ein Bekannter erzählt hatte. Am Schwarzenbach sollte der Stein zu finden sein, doch irrtümlich kämpfte sich Peter Würl zunächst durch das Dickicht am Rande der Mindel. Ein Einheimischer brachte ihn schließlich auf die richtige Spur. Inzwischen ist der geschliffene Kalkstein, der seit 1791 an seinem Platz steht, übrigens ausgeschildert und über einen kleinen Kiesweg zugänglich. Er zeigt drei Herrschaftsgrenzen auf: Nach Nordosten die Kurpfalz Bayern und die Reichsherrschaft Mindelheim, nach Südosten das Fürststift Kempten und nach Osten das Reichsstift Irsee.

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Nächste Station war Oberegg. In einer Chronik hatte Peter Würl gelesen, dass es hier im Zweiten Weltkrieg eine Funkstation mit dem Tarnnamen „Maikäfer“ für die Nachtjäger am früheren Militärflughafen Memmingerberg gegeben haben soll, die auch im Atlantikwall-Archiv vermerkt ist. Die Station selbst ist zwar längst Geschichte, Würl ist aber überzeugt, unter einem Feldstadel zumindest den damaligen Bunker entdeckt zu haben – und will dieser Spur weiter nachgehen.

Wie ein Trüffelschwein

„Nachgraben“ nennt er diese Recherche in Chroniken und Archiven. „Ich bin ein altes Trüffelschwein“, sagt er lachend. Und so wird er sicher auch noch herausfinden, was es mit der Professor-Eichel-Brücke zwischen Eheim und Ottobeuren auf sich hat. Vielleicht soll der Steg, benannt nach dem ehemaligen Finanzminister, eine Brücke zur Steuerehrlichkeit sein, mutmaßt Peter Würl augenzwinkernd. Über Hofs, Guggenberg und Stephansried ist er nach Ottobeuren gelaufen und von dort nach Frechenrieden. Auf der Suche nach einem Marterl, das an einen Flugzeugsabsturz von 1941 erinnert, hat er dort den Kochweltmeister Bernhard Munding kennengelernt, der bei den olympischen Winterspielen in Südkorea das Team aus Österreich bekocht hat.

In Mussenhausen spürte Peter Würl der Wallfahrt zur lieben Frau am Berge Karmel nach und in Kammlach dem „masscare de camlac. Dabei trafen 1796 beim französischen Bruderkrieg 42000 Kämpfer aufeinander. Steinernes Zeugnis dieser verheerenden Schlacht ist die denkmalgeschützte Reichsbrücke.

Die Kirche unter der Kirche

In Mindelheim gewährten ihm die Schwestern des Kreuzklosters einen Blick ins Refektorium und in Warmisried besuchte er die „Kirche unter der Kirche“, eine unterirdische Urkirche aus dem Jahr 1000, über die später die neue Kirche gebaut wurde. „Das ist ein verrücktes Ding“, sagt Peter Würl. Zurück ging es schließlich über Baisweil, wo er noch den Pestfriedhof suchen will – was hoffentlich weniger gefährlich ist, als zuvor einmal die Erkundung des dortigen Burgstalls. Damals ist der leidenschaftliche Hobby-Historiker, der viele Jahre in der Ergotherapie des Kaufbeurer Bezirkskrankenhauses gearbeitet hat, gestürzt und hat sich zwei Rippen und das Handgelenk gebrochen. „Aber das sind nur „Kollateralschäden“, sagt er grinsend. „Das ist mir die Geschichte wert.“ Er ist überzeugt: „Man muss nicht sonstwo hinfliegen. Es gibt um die Ecke so viele Abenteuer, es ist abartig.“

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