Natur in Mindelheim

10.06.2016

Einfach weggeschwemmt

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Die großen Regenmengen der vergangenen Tage führten vielerorts im Landkreis zu Überschwemmungen. Die Hochwasser-Schutzanlagen wie hier das Rückhaltebecken bei Pfaffenhausen verhinderten zum Glück jedoch größere Schäden. Doch wie kommen eigentlich die Fische mit der braunen Brühe zurecht?
Bild: Gutmann

Was bedeuten das lange Hochwasser und die massive Bodenerosion für die heimische Fischwelt?

Langanhaltende Regenfälle, Starkregen, überschwemmte Felder und weggeschwemmte Erde sind nicht nur für die Landwirtschaft und die Anwohner von Bächen in diesen Tagen zum Problem geworden. Auch in der Tierwelt sind die braunen Fluten eine Bedrohung. Oliver Born, Fischereifachberater des Bezirks Schwaben erklärt, dass durch die Einschwemmungen der Erde in die Bäche, oft die Lücken und Zwischenräume der ursprünglich kiesigen Bachbetten völlig ausgefüllt werden. Diese Ablagerungen führen dazu, dass der Boden mit einer aushärtenden Schicht überzogen wird. Kleinstlebewesen, die in diesem Bereich zu Hause sind, wird oft der Lebensraum genommen. Und Fischlaich, der jetzt dort gelegen hatte, wird damit überdeckt und erstickt. Auch die jungen Nachkommen der Bachmuscheln können dadurch verenden, denn wenn sie komplett zugedeckt werden, funktioniert ihre Atmung nicht mehr.

„Durch die Begradigung der meisten Fließgewässer sind die Kurven und flachen Ufer verschwunden, dadurch wurde den Bächen die Möglichkeit zur Ablagerung der mitgeschwemmten Sedimente genommen“, sagt der Experte des Salgener Fischereihofs. Als Beispiel nennt er den beim Fischereihof gelegenen Weißbach, hier haben sich in den letzten Wochen in den Schleifen und an den flachen Stellen 30 bis 40 Zentimeter an feinem Sediment abgesetzt, der sogenannte Auelehm. Denn hier wurde mithilfe des Wasserwirtschaftsamtes Kempten das Gewässer wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Durch die sogenannten Prall- und Gleithänge an den Ufern kann der Bach selbst die mitgetragene Erde und Schwebeteilchen auswerfen. Doch nicht nur diese Ablagerungen werden zur Gefahr für die Tiere im Wasser. Auch wenn die Erwachsenen Fische im Normalfall keine Probleme mit den Wassermassen haben, sind ihre Nachkömmlinge oft gefährdet. Die kleinen Äschen zum Beispiel, die im Moment ungefähr zwölf bis 15 Millimeter lang sind, können noch nicht gut schwimmen und werden bei den hohen Fließgeschwindigkeiten einfach weggeschwemmt. Oliver Born ergänzt: „Wenn für diese kleinen Tiere keine flachen oder langsamen Bereiche am Bach zur Verfügung stehen, in die sie sich zurückziehen können, dann werden sie meist so weit weggeschwemmt, dass sie keine Chance mehr haben.“

Dabei betont der Experte, dass an bestimmten Abschnitten der Mindel beispielsweise schon einige sichtbare Verbesserungen gegriffen hätten. Vor allem der Abschnitt in Richtung Dirlewang sei schon viel besser geworden, trotzdem sieht er in diesem Bereich noch sehr viel Handlungsbedarf. „Denn tendenziell nehmen die Hochwasser zu“, meint der Fischereiexperte. Und im Gegensatz zu den jetzigen Überschwemmungen, sind Überflutungen im Winterhalbjahr auch für die erwachsenen Fische eine sehr große Herausforderung, die sie oftmals mit dem Tod bezahlen. „Dieses Thema wird auch beim Tag der offenen Tür in den vielen Führungen am Bach immer wieder aufgegriffen und genauestens erläutert werden“, sagt Oliver Born.

Information: Der „Tag der offenen Tür“ im Fischereihof Salgen, Mörgener Str. 50, findet am Sonntag, 12. Juni, von 10 bis 17 Uhr statt.

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