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Vereinsleben

15.11.2019

Einmal Kamerad, immer Kamerad

Mehr Zeit für die Familie: Acht Jahre lang hat Thomas Stammel (im Foto mit seinen Kindern Matthias und Theresa) als Vorsitzender die Reservistenkameradschaft Ettringen geführt, jetzt übergibt er einen gut aufgestellten Verein.
Foto: Privat

Nach acht Jahren gibt Thomas Stammel den Vorsitz bei den Ettringer Reservisten ab. Warum er auf das Geleistete stolz sein darf und was ein DIN-A-4-Blatt damit zu tun hat

Einmal noch wird sich Thomas Stammel auf die Generalversammlung vorbereiten, wird einen Bericht dafür verfassen und damit ein weiteres Vereinsjahr der Ettringer Reservistenkameradschaft Revue passieren lassen. Im Zuge der letzten von ihm moderierten Versammlung wird er den Stab weitergeben und seinen Posten als Erster Vorsitzender räumen. Acht Jahre aktive Vereinsarbeit mit ihm an der Spitze liegen dann hinter Thomas Stammel, damit verbunden die immerwährende Aufgabe, den Verein nach vorne zu bringen und wachsen zu lassen.

Im Falle der Reservistenkameradschaften (RK) kein leichtes Unterfangen. Der Wegfall der Wehrpflicht hinterlässt deutliche Spuren, nicht wenige unter ihnen beklagen Mitgliederschwund und fehlenden Nachwuchs. Tatsächlich gehört die Ettringer Kameradschaft zur einzigen Gruppierung innerhalb des Allgäuer Verbandes, die sich noch über Zulauf freuen kann. Die Auswirkungen der fehlenden Wehrpflicht zeigen sich dennoch, etwa bei der Altersstruktur. „Kameraden unter 30 Jahren rücken kaum noch nach“, sagt Thomas Stammel. Dagegen steht die Treue der Altgedienten; viele der knapp 120 Mitglieder innerhalb der RK Ettringen sind schon lange mit dabei - aber auch in fortgeschrittenem Alter.

Viele Jahre vor der Führung durch Thomas Stammel hatte die Partnerschaft mit der Penzinger Flugabwehrraketenstaffel, 2./22 FlaRak, für sehr gute Rahmenbedingungen gesorgt. Die gemeinsam durchgeführten Orientierungsmärsche seien vielen Kameraden noch sehr gut in Erinnerung, sagt Stammel, „auch dank des besseren Equipments“.

Mit der Auflösung des Penzinger Militärstandortes kam eine weitere Herausforderung auf die Ettringer Reservistenkameradschaft zu. Das hohe Niveau der Orientierungsmärsche konnte so kaum gehalten werden, „wir haben deutliche Abstriche machen müssen“, sagt Thomas Stammel. Vielleicht sollte sich aber gerade daraus ein Umstand formen, der es Stammel ermöglichte, neue Wege für die RK zu bestreiten. Rückendeckung bekam der Vorsitzende dazu vom Verein selbst, „da war viel Vertrauen zu spüren“, erinnert er sich.

Stammel öffnete die Kameradschaft, die qua Definition eigentlich Reservisten, also gedienten Soldaten, vorbehalten bleibt. Ein breites Veranstaltungsangebot machte dies möglich. Dazu lud die RK die Ettringer Vereinswelt ein, der Reservistenmarsch in seiner heutigen Form ist ein Produkt dieser Idee. Statt eines klassischen Wettkampfes unter militärischen Gesichtspunkten wird darin nun spielerisch an die einzelnen Disziplinen herangegangen. Weil so alles in puncto Fitness abgebildet werden könne, öffne sich der Reservistenmarsch automatisch für alle, die sich gerne im Team beweisen wollen. „Alle mitnehmen“, nennt Thomas Stammel das.

Eine Art Quintessenz aus mehreren Vereinen entstünde in diesem Rahmen, sagt er. Denn, „wo hast du denn noch die Möglichkeit, dich mit anderen zu messen?“ Im direkten Gegenüber können sich so beispielsweise die Ettringer Schützen messen, immer wieder mit dabei sind Mitglieder der Ettrinarria, des TSV Ettringen oder aus den Reihen der Blasmusik. Freundschaften über die eigene Vereinswelt hinaus seien so entstanden, freut sich Thomas Stammel, auch ein Stammtisch aus Mitgliedern aller Vereine habe sich so entwickelt. Die Frage nach einem eigenen Vereinsheim hat sich für die RK deshalb eigentlich nie gestellt. „Wir wollen uns nicht abkapseln, sondern die bestehenden Vereinsheime mitbeleben“, sagt Stammel. So findet das traditionelle Kesselfleischessen der RK im TSV-Heim statt, die Stammtische immer in wechselnden Lokalitäten.

Dass dennoch Reservisten im Mittelpunkt der RK stehen, ist unumstritten - und stellt mit die schönste Aufgabe sowohl für Thomas Stammel als auch für seine Mitstreiter dar. Die Mitglieder der Ettringer RK haben in den unterschiedlichsten Kasernen Deutschlands gedient, als Reservisten sind sie in der Kameradschaft wieder vereint. Erlebt hätten ja alle das Gleiche, das eint natürlich. „Egal an welchem Standort“, resümiert Thomas Stammel, „überall in den Kasernen Deutschlands müssen die Hemden im Format DIN-A-4 gefaltet werden“. Die Härten eines Soldatenlebens wurden abends in den Stuben gemeinsam im Kollektiv verarbeitet. Erlebt und erfahren hätten sie so Gemeinschaftsgefühl, Kameradschaft, und die Stärke, sich aufeinander verlassen zu können.

Diese Einblicke gibt Stammel auch an Interessierte weiter, die sich eine berufliche Laufbahn innerhalb der Bundeswehr vorstellen können. Auch das sei eine der wichtigen Aufgaben einer RK, sagt er.

Seinem Nachfolger wünscht Thomas Stammel auf jeden Fall ein glückliches Händchen und das gleiche kameradschaftliche Umfeld, auf das er acht Jahre hat vertrauen können. Gut aufgestellt ist die RK, und im Dorfleben fest verankert. Tatsächlich kann Thomas Stammel zum Ende seiner Vorstandschaft die Früchte seiner Arbeit direkt messen: Mit über 55 Teilnehmern geht der jüngste Ettringer Reservistenmarsch als der bisher erfolgreichste in die Vereinsgeschichte ein.

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