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22.11.2017

Einst Becker-Mania – und heute?

Zeit für Helden: Das deutsche Daviscupteam ließ sich 1985 nach seinem 3:2-Sieg feiern. Neben Teamchef Niki Pilic (von links) zu sehen ist Hansjörg Schwaier, der von Bad Wörishofen aus eine große Karriere begann, mit Boris Becker und Andreas Maurer.
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Zeit für Helden: Das deutsche Daviscupteam ließ sich 1985 nach seinem 3:2-Sieg feiern. Neben Teamchef Niki Pilic (von links) zu sehen ist Hansjörg Schwaier, der von Bad Wörishofen aus eine große Karriere begann, mit Boris Becker und Andreas Maurer.
Bild: Werek/Imago

Der Mann, der heute 50 Jahre alt wird, löste einst einen Boom aus, auch in Bad Wörishofen. Dass ein Kneippstädter damals ebenfalls Spitze war, tat sein Übriges. Warum Tennis im Heilbad nun erneut brummt.

Nur Insider konnten Anfang des Jahres 1985 mit dem 17-jährigen Tennisspieler Boris Becker etwas anfangen. In Bad Wörishofen zum Beispiel. Da hatte man Becker schon aus einem besonderen Grund im Auge. Das Finale des Masters-Turniers für Junioren gewann Becker damals gegen den ein Jahr älteren Stefan Edberg aus Schweden. Die Art und Weise, wie er auftrat und bis zum Finale keinen Satz abgab, verblüffte alle außer Becker selbst. Der Junge aus Leimen bei Heidelberg hatte sich große Ziele gesetzt und wollte laut Aussage seines Trainers und Beraters Günther Bosch die Nummer eins der Welt werden. Ein halbes Jahr später gehörte der blonde Junge zum deutschen Aufgebot für das 99. Rasen-Turnier in Wimbledon. Mit dabei war auch Hansjörg Schwaier, ein Eigengewächs des TTC Bad Wörishofen. Hochtalentiert, spielte Schwaier damals aber schon für das Bundesligateam von Iphitos München. Aufmerksamkeit aus der Kneippstadt war dem Turnier so auf jeden Fall garantiert. Von den sechs Deutschen überstanden neben Becker, Andreas Maurer und Schwaier die erste Runde. In der zweiten Runde trafen Maurer und Schwaier aufeinander, Maurer gewann in drei Sätzen. Im Finale am 7. Juli 1985 standen sich Boris Becker und Kevin Curren (USA) gegenüber, und was niemand für möglich gehalten hatte, war Wirklichkeit geworden; denn Becker gewann mit 6:3, 6:7, 7:6, 6:4 und siegte als erster Deutscher. Ein Siebzehnjähriger hatte eine eherne Wimbledon-Regel auf legalem Weg außer Kraft gesetzt, indem er als erster ungesetzter Spieler dieses Turnier der Turniere gewann. Auf der ewigen Ehrentafel wird er bis heute auch als der jüngste Sieger in diesem Einzelwettbewerb geführt. Dass Boris Becker, der heute 50 Jahre alt wird, nach 1985 auch 1986 und 1989 das berühmteste Rasenturnier der Welt gewann, löste damals einen Tennis-Boom in Deutschland aus.

Georg Eichler hat alle Spiele Beckers angeschaut, mitgefiebert, Daumen gedrückt. Der Jugendwart des TTC Bad Wörishofen sagt, er habe sich in all den Jahren über das tolle Angriffstennis Beckers gefreut und ihm alle Siege von Herzen gegönnt. Und natürlich hat auch der Wörishofer Club von dem Ansturm auf die Tennisanlagen profitiert, den die Siege von Boris Becker und Steffi Graf damals als Folge mit sich brachten.

Ist ein neuer Boom in Sicht? Die Frage stellt sich, seit der 20- jährige Alexander Zverev aus Hamburg auftrumpft. Als Nummer drei der Weltrangliste hat er heuer fünf Turniere gewonnen und war bei den ATP-Finals der besten acht Spieler im Jahr 2017 in London am Start. Kann er für einen neuen Tennis-Boom in Deutschland sorgen? Georg Eichler und Silvia Sperber-Seiderer, die zweite Jugendwartin der Wörishofer, sind da noch skeptisch. Sperber-Seiderer ist heute eine begeisterte Tennisspielerin. Damals, als Becker seine großen Siege feierte, glänzte sie allerdings in einer ganz anderen Sportart. Sie holte 1988 bei den olympischen Sommerspielen in Seoul/Südkorea die Goldmedaille in der Disziplin Luftgewehr.

Da hatte sie Becker etwas voraus. Der Tennis-Profi krönte seine Karriere erst 1992 gemeinsam mit Michael Stich mit einer olympischen Goldmedaille.

Eichler und Sperber-Seiderer sind sich einig, dass Alexander Zverev tolles Tennis spielt, aber noch am Anfang seiner Karriere steht. Ob er so erfolgreich wie Boris Becker sein könnte und ob er einen Boom auslösen kann, bleibt abzuwarten. Darauf sollten sich die Vereine aber nicht verlassen. Wichtiger sei, weiterhin in eine solide Jugendarbeit zu investieren und das Vereinsleben zu fördern.

Bad Wörishofen hat die letzten Jahre zehn Jugendmannschaften für die Punktspiele melden können und auch Titel gewonnen. Aktuell gehören dem Klub 75 Jugendliche an und werden von Trainer Benjamin Schmid betreut. Seit dem vergangenen Jahr besteht auch eine Zusammenarbeit zwischen der Grundschule und dem TTC Bad Wörishofen und wird von den Schülern gut angenommen. Trainiert werden die Kinder von Andreas Raith und Bettina Knoll.

Einen derartigen Zulauf haben zur Zeit nur wenige Tennisclubs. Hier sei der TTC momentan in der Tat eine glückliche Ausnahme, sagen die Verantwortlichen. Das liege auch sicherlich im angebotenen Konzept, aber auch im Engagement der Eltern.

Dass in Bad Wörishofen auf einer wunderschönen Tennisanlage im Kurpark trainiert wird, dürfte ebenfalls ein Grund sein. Beklagt wird, dass Tennis im frei empfangbaren Fernsehen längst nicht mehr so präsent sei wie damals zu Beckers Glanzzeiten. Aber das könnte sich schnell wieder ändern, wenn es wieder einen gibt, der die Menschen so mitreißt, wie das Boris Becker getan hat.

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