1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Erlebnisse in der (ehemaligen) DDR

3. Oktober

03.10.2012

Erlebnisse in der (ehemaligen) DDR

Die „Mauer in den Köpfen“ ist ein Ausdruck, der im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit häufig auftaucht. Wie man diese Mauer am besten aus den Köpfen herausbekommt? Unser Karikaturist Horst Wendland hat sich darüber Gedanken gemacht.
Bild: Horst Wendland

Bürgermeister aus dem Unterallgäu erzählen, was sie mit der Deutschen Einheit verbinden

Junge Leute um die 20 kennen nichts anderes mehr. Eine Fahrt nach Dresden, Leipzig oder Berlin ist so selbstverständlich wie ein Aufenthalt in Hamburg, Frankfurt oder Köln. Die deutsche Teilung ist Vergangenheit und für viele einfach vergessen. Am Tag der Deutschen Einheit erinnert sich die Nation. Wie aber ist es um die Bindungen heimischer Politiker in die neuen Länder bestellt? Wir haben uns bei einigen Bürgermeistern umgehört.

Tussenhausens Rathauschef Johannes Ruf war häufiger im Osten – beruflich als Betriebsprüfer, aber auch privat. Er ist jedes Mal begeistert zurückgekommen. Dresden mit der Semperoper fand er so großartig, dass er dort einen Urlaub verbracht hat. 

Gleich nach der Wende hat sich Pfaffenhausens heutiger Bürgermeister Roland Krieger mit einem Freund und zwei Motorrädern aufgemacht in das neue Deutschland. Drei Wochen lang waren sie unterwegs. Einmal stand vor dem Zelt der beiden Männer ein riesiger Keiler samt einer Rotte Wildschweine. Wie sich später herausstellte, hatten Krieger und sein Freund mitten im Hauptjagdgebiet Erich Honeckers gezeltet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Kammlachs Bürgermeister Josef Steidele war noch nicht oft in den neuen Ländern, an einen Besuch kann er sich aber noch gut erinnern. 2003, ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser, reiste er auf eine Tagung nach Dresden. Dort sah er mit eigenen Augen, was das Wasser mit der sächsischen Landeshauptstadt angerichtet hatte. In den nächsten Jahren würde er gern auch die Landschaft weiter nördlich in Richtung Ostsee noch besser kennenlernen.

Die europäische Teilung hat Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter immer als sehr bedrückend empfunden. Ein Teil seiner Familie lebte lange hinter dem Eisernen Vorhang in der CSSR. Als die Mauer fiel, „war das für mich ein sehr emotionaler Moment“, sagt Winter. Schon kurz nach der Wende arbeitete er in einem Bund-Länder-Ausschuss im Bereich Abfallwirtschaft mit. Cottbus, Schwerin, Berlin hat er so kennengelernt.

Ganz nah war Ettringens Bürgermeister Robert Sturm der DDR damals, als er im bayerischen Hof die Beamtenfachhochschule besuchte. Gut erinnert er sich auch an einen Ausflug nach Mödlareuth, „Klein-Berlin“, durch das die innerdeutsche Grenze verlief. Auf einer verfallenen Betonmauer saß er gemeinsam mit ein paar anderen Studenten. Ohne es zu wissen, hatten sie DDR-Gebiet betreten – obwohl die Grenzanlage noch scheinbar weit entfernt lag. Die Rettung kam durch einen Kombi vom Bundesgrenzschutz. „Schaut’s, dass ihr einsteigt“, sagten die westdeutschen Beamten zu den jungen Leuten.

1971 war Josef Kerler zum ersten Mal in der DDR. „Das war Kalter Krieg“, erinnert sich der Bürgermeister aus Eppishausen. Akribische Kontrollen durch finstere Grenzposten, Mauer, Stacheldraht – diese Eindrücke vergisst Kerler nie wieder. 1980 war er noch einmal in der DDR, 1990/91 war er Teil einer Busgesellschaft, die über Rudolstadt nach Thüringen fuhr. Schwerpunkt war die Entwicklung der Landwirtschaft in den neuen Ländern. Riesenbetriebe hat Kerler kennengelernt, aber auch die Ängste der Menschen vor einer ungewissen Zukunft.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an digital@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Sanraum_Kurhaus_(3).tif
Kultur

Festival der Nationen bis 2023 gesichert

ad__web+mobil@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Zugang zu allen Inhalten, mtl. kündbar, 4 Jahre Abopreis-Garantie.
So attraktiv waren Heimatnachrichten noch nie!

Zum Web & Mobil Starterpaket