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Mindelheim

25.06.2018

Erst Schock, dann Schuss

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2 Bilder
Der wichtigste Punkt beim Armbrustschießen: Die Finger der linken Hand müssen anliegen, sonst kann es passieren, dass die gespannte Sehne beim Auslösen den Finger verletzt.
Bild: Jürgen Greisel

Was muss man beim Armbrustschießen beachten? Ein Frundsbergfest-Neuling macht den Selbstversuch.

Der Kopf muss leer sein. Der Einkaufszettel, der morgige Zahnarzttermin, all das muss raus aus dem Kopf. „Wenn man beim Zielen daran denkt, was man heute noch erledigen muss, wird der Schuss sicher nichts“, das betont Jürgen Greisel, erst dann erklärt er, wie ich die Armbrust halten soll. Der Mindelheimer weiß, wovon er spricht: Der 51-Jährige ist Gildemeister beim Fähnlein Rechberg und war 2013 Deutscher Meister im Armbrustschießen.

Ich hingegen bin Frundsbergfest-Neuling, habe noch nie in meinem Leben eine Armbrust von Nahem gesehen und erst recht nicht damit geschossen. Da ich dieses Jahr aber nicht nur Besucher des Frundsbergfests bin, sondern auch die Vorbereitungen miterlebe, war klar: Das ist die Gelegenheit, einmal das Armbrustschießen auszuprobieren.

Damit ich nicht bis zum Frundsbergfest warten muss, treffe ich Jürgen Greisel bei den Ritterspielen in Türkheim. Nach einer kurzen theoretischen Einführung gehen wir zum Schießstand.

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Die Theorie klingt einfach, doch die Praxis ist etwas ganz anderes

Der Kopf ist also leer. Jetzt nur noch einatmen, ausatmen, Ziel anvisieren, Luft anhalten und schießen. Klingt einfach. Dass das in der Praxis doch etwas anders aussieht, weiß jeder, der es selbst einmal ausprobiert hat. Die Möglichkeit dazu gibt es unter anderem beim Frundsbergfest, das jeden Tag näher rückt.

Bei den Ritterspielen in Türkheim sind Netze um den Schießstand gespannt. Zur Sicherheit, wie Jürgen Greisel erklärt: „Sollte ein Schuss in die falsche Richtung gehen, bleibt er im Netz stecken.“ Das eigentliche Ziel ist nicht das Netz, sondern eine Scheibe, auf der ein Adler zu sehen ist.

Bevor ich überhaupt einen Schuss abgebe, muss die Haltung stimmen: „In etwa schulterbreit parallel zum Schießstand stehen“, sagt Jürgen Greisel. Dann die Armbrust in die Achselgrube klemmen und mit dem Ellenbogen des linken Arms auf der Hüfte abstützen. Das kenne ich so ähnlich schon vom Schützenverein. Auch ein Luftgewehr hält man so – mit einer Ausnahme: „Die Finger unten halten und nicht den Lauf umfassen.“ Der wichtigste Tipp von Jürgen Greisel, denn: „Sonst sind ganz schnell die Fingernägel ab, wenn die gespannte Armbrust auslöst“, warnt der erfahrene Schütze. Befolgt man diesen Rat nicht, wird die linke Hand durch das Zurückschnellen der Sehne verletzt.

Wer zu lange wartet, trifft nicht gut

Also lege ich meine Hand sehr, sehr vorsichtig an den Auslöser. „Nach und nach immer mehr Druck machen“, rät der 51-Jährige. Abrupt auszulösen, sei keine gute Idee, wenn man das Ziel treffen möchte. Schließlich steigt mit jeder Sekunde, in der der Druck auf den Auslöser stärker wird, auch die Spannung. Als sich der Schuss löst, zucke ich deutlich zusammen: „Wenn man einen kleinen Schreck kriegt, sind das meist die besten Schüsse“, sagt Jürgen Greisel und lacht ein bisschen. Hinter einer Armbrust ist doch mehr Zug als hinter einem Luftgewehr.

Auch beim nächsten Schuss ist der kurze Schockmoment da. Begleitet von der Erkenntnis: Wer zu lange mit dem Auslösen wartet, trifft nicht gut. „Je länger man angespannt steht, umso eher fängt man dann auch mal an, unruhig zu werden“, erklärt der 51-Jährige. Das liege vor allem daran, dass man zu lange die Luft anhält und dann zittert.

Besucher können ihr Glück versuchen

Jürgen Greisel kennt diese Probleme, er hat jahrelange Erfahrung. Für ihn sind Feste wie die Ritterspiele sozusagen Freizeit, richtig trainiert wird mit einer modernen Armbrust dann für Meisterschaften. Die altmodische Version der Waffe trägt der Gildemeister der Rechberger nur bei Festen wie dem Frundsbergfest.

Auch Besucher können dort im Lager der Rechberger beim Armbrustschießen ihr Glück versuchen. Dieses Jahr wird das Fähnlein Rechberg hinten an der Teckstraße zu finden sein – im neuen Lager: „Das Problem war, dass es früher einfach zu wenig Sitzplätze gab“, sagt Jürgen Greisel. Außerdem gäbe es so für die Mitglieder des Fähnleins auch mehr Rückzugsmöglichkeiten. Einer der Hauptgründe für die Vergrößerung ist aber laut dem 51-Jährigen die Sicherheit: „Früher war unser Lager s-förmig und wir mussten die Leute irgendwie rein- und rausschleusen – da gab es dann auch immer wieder Stolperfallen.“ Das Problem soll es beim diesjährigen Frundsbergfest nicht mehr geben – schließlich sollen die Besucher ohne Stress ihre Rechbergpfanne genießen können. Die gibt es dieses Jahr sogar als veganes Gericht. Und wem das nicht mittelalterlich genug ist, der kann das ja mit einem Schuss mit der Armbrust kompensieren.

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