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Mindelheim

31.01.2019

Es darf weiter geböllert werden

In der Marktgemeinde Türkheim organisiert die Kommune ein Feuerwerk und hofft, dass damit die private Böllerei zurückgeht.
Bild: Sabine Schaa-Schilbach

Die Grünen können im Stadtrat nur einen Minimalerfolg verbuchen. Die Mehrheit hält wenig von Verboten und setzt vielmehr auf Appelle und Vernunft.

Lärm, Dreck, giftiger Feinstaub – die Grünen im Mindelheimer Stadtrat haben nun die Sinnhaftigkeit des Silvesterfeuerwerks hinterfragt. Sie forderten, Feuerwerke im Stadtgebiet ganz zu verbieten. René Lang und Josef Doll konnten allerdings nur einen kleinen Teilerfolg verbuchen.

Doll schilderte, dass am 31. Dezember die ganze Innenstadt vernebelt gewesen sei. Die Menschen seien durch eine beißende Wolke gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt gewesen. Bundesweit seien 4500 Tonnen an Feinstaub allein durch das Silvesterfeuerwerk „in die Nacht geblasen“ worden. Für Mindelheim errechnete Doll 845 Kilogramm.

Für die Tiere ist die Knallerei an Silvester der reinste Horror

Haustiere ebenso wie Wildtiere würden aufgeschreckt. Erhebliche Abfallmengen fielen an. Hinzu kommt die Unfallgefahr. In Mindelheim war ein Mann beim Zünden einer Rakete an der Hand verletzt worden. In Memmingen waren fünf Autos in Vollbrand geraten.

Die Stadt soll mit gutem Beispiel vorangehen und auf ihre Feuerwerke anlässlich des Mondlicht Open Airs und der Altstadtnacht verzichten, forderte Doll. Unterbunden werden sollten auch Demonstrationsfeuerwerke wie jene vom 28. Dezember, als ein Baumarkt in Mindelheim durch einen professionellen Feuerwerker das Sortiment vorführte.

Angesicht der Klimaschutzbemühungen Mindelheims, die im Herbst mit dem European Energy Award belohnt wurden, forderte der Stadtrat der Grünen ein Verbot von Feuerwerken in der Innenstadt.

Ordnungsamtsleiter Ralf Müller sagte, am 31. Dezember und 1. Januar jeden Jahres dürften Böller und Feuerwerke gezündet werden. Zu allen anderen Zeiten ist das vom Bundesgesetzgeber nicht erlaubt. Demo-Feuerwerke könne die Stadt nicht verhindern. Seit vier Jahren wechselten sich der V-Markt Baumarkt und das Allgäu Center ab. Eine Meldung beim Gewerbeaufsichtsamt in Augsburg genüge.

Der Slogan „Brot statt Böller“, sagt der Bäckermeister, hat nicht gewirkt

In der Altstadt wäre ein Verbot wegen der Gefahr von Bränden möglich. „Das wäre aber mit erheblichem Personalaufwand verbunden, um das zu kontrollieren“, sagte Müller. Die von den Grünen als Alternative vorgeschlagene Laser-Show sei verhältnismäßig teuer. Auch müsse ausgeschlossen sein, dass Piloten geblendet werden könnten.

Manfred Salger (CSU) sieht eine Brandgefahr eher in den Ortsteilen mit ihren landwirtschaftlichen Anwesen. Und er fragte, ob die Menschen in der Innenstadt schützenswerter seien als die draußen? Der Slogan „Brot statt Böller“ habe nichts bewirkt. Damit erntete der Bäckermeister Salger einen Lacher unter seinen Kollegen.

CSU-Fraktionschef Christoph Walter hält persönlich zwar nicht viel von der Silvesterknallerei. Er sei aber ein freiheitsliebender Mensch. Es sei hierzulande Tradition, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu begrüßen. Der Großteil der Mindelheimer verhalte sich auch sehr vernünftig, findet Walter. Zustimmung kam vom dritten Bürgermeister Roland Ahne (SPD). Nicht alles sollte reglementiert werden. Beim Mondlicht Open Air sei das Feuerwerk ein grandioser Abschluss.

Claudia Steber (CSU) dagegen meinte, die Jugend achte vermehrt auf die Umwelt. Sie sprach sich deshalb für ein Verbot von Feuerwerken in der Altstadt aus. Walter dagegen würde auf die beiden Feuerwerke, die die Stadt veranstaltet, ungern verzichten. Beim Mondlicht Open Air sei das das glanzvolle Ende eines wundervollen Abends. Auch Walter sieht das Problem fehlender Kontrollen. „Ich will keine Polizei, die auf jede Lunte achtet.“ Ständige Verbote und die Menschen zu belehren seien der falsche Weg.

Uli Manlig (SPD) dagegen sagte, ihm wäre ein generelles Verbot am liebsten. Die unnötige Knallerei, die die Tiere besonders belaste, sollte reduziert werden. Auch Christel Lidel (BG) hätte gerne ein Verbot der Knallerei. Stefan Drexel (Freie) sagte, die Stadt könne mit einem Verzicht bei der Altstadtnacht ein Zeichen setzen. Mehr will er den Menschen nicht abverlangen.

Peter Miller (ÖDP) verwies dagegen auf hochchemische Verbindungen hin, die freigesetzt würden. Verbote seien nie etwas Schönes. Appelle nutzten oft aber wenig, wie das Beispiel Rauchen in Gaststätten gezeigt habe. In einer Lasershow sieht Miller keine Alternative zu einem Feuerwerk. Manfred Schuster (BG) sagte, dann müsse man auch die Schießerei beim Frundsbergfest verbieten, etwa die Schlacht von Peutelstein.

Bürgermeister Stephan Winter (CSU) sagte, wegen der gesundheitlichen Folgen von Feuerwerken müsse man an den Bund appellieren zu handeln. Das sei nicht Aufgabe der Kommunen.

Am Ende beschloss der Stadtrat:

Bei der Altstadtnacht wird es kein Feuerwerk mehr geben.

Ein generelles Verbot von Feuerwerken für die Altstadt wurde mit 12 gegen neun Stimmen abgelehnt.

Die Stadtverwaltung wird gebeten, beim Gewerbeaufsichtsamt in Augsburg darauf zu dringen, dass Demonstrationsfeuerwerke nicht mehr genehmigt werden (19 gegen 2 Stimmen).

Die Verwaltung appelliert jedes Jahr kurz vor Silvester über die Medien an die Bürger, kein Feuerwerk abzubrennen.

Hier lesen Sie den Kommentar von Johann Stoll zu diesem Thema:

Weniger Böller in Mindelheim? Der Anfang ist gemacht

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Die Diskussion ist geschlossen.

03.02.2019

Es ist löblich für die Grünen, sich um den "Böllerfeinstaub" zu kümmern. Noch löblicher wäre es, konkrete Alternativen für die dringlichsten Problem der Menschen anzubieten z.B. Bezahlbare und angebotene Mieträume; Minderung der Mietnebenkosten; Förderung des Arbeitsplatzangebotes; Auskömmliche Renten im Alter etc. - ach ja, ich vergaß das sollen ja die anderen machen.......

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