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Blitzmarathon

20.04.2017

Es hat geschneit, aber nicht geblitzt

Franz Bauchinger und Madeleine Siebert ließen sich auch vom Wetter die Laune nicht verderben. Nur das Messgerät streikte bei allzu dichtem Schneetreiben.
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Franz Bauchinger und Madeleine Siebert ließen sich auch vom Wetter die Laune nicht verderben. Nur das Messgerät streikte bei allzu dichtem Schneetreiben.

Bei Dirlewang hielten sich gestern alle Autofahrer ans Tempolimit. Das ist jedoch nicht immer so.

Es gibt wahrlich bessere Wetterlagen für eine Aktion wie diese. Doch was soll’s: Der Blitzmarathon war seit Tagen groß angekündigt, da kann man ihn nicht einfach ausfallen lassen, nur weil der April gerade mal wieder nur das macht, was er will.

An den europaweiten Geschwindigkeitskontrollen hat sich von Mittwoch, 6 Uhr, bis Donnerstag, 6 Uhr, auch die Polizei in der Region beteiligt. Für Franz Bauchinger und seine Kollegin Madeleine Siebert bedeutete das am gestrigen Vormittag: warm anziehen. Denn die Stelle, an der die beiden ihr Lasermessgerät aufgestellt hatten – auf Höhe des Hochwasserdamms zwischen Dirlewang und Unteregg – war alles andere als wind- und wettergeschützt. Immer wieder schneite es dicke Flocken vom Himmel, dazu kamen ungemütliche Windböen. War das der Grund dafür, dass die Autofahrer langsamer als fuhren als sonst? Oder hatten sie alle vom Blitzmarathon gehört? Hatten sie auf Facebook oder aus dem Radio erfahren, wo die Polizisten standen oder erkannten sie die Beamtin am Lasermessgerät schon früh? Gab ihnen der Gegenverkehr womöglich mit der Lichthupe ein Zeichen, mal lieber vom Gas zu steigen?

Ab 115 km/h halten die Polizisten auf

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Vielleicht war es ja auch eine Mischung aus all dem: Auf jeden Fall gab es in den eineinhalb Stunden, in denen die beiden Polizisten an dieser Stelle standen, keinen einzigen, der zu schnell an ihnen vorbeifuhr. Immer wieder drückte Madeleine Siebert auf den Knopf am Lasermessgerät, immer wieder piepste es bei der Messung – und immer wieder zeigte es eine Geschwindigkeit zwischen 80 und 90 km/h an. Ab Tempo 115 hätten die Polizisten einen Fahrer aus dem Verkehr gezogen, doch in den dreistelligen Bereich kamen an diesem Vormittag nur die wenigsten. Auch in seiner ersten Schicht am Morgen bei Westernach seien nur zwei Fahrer etwa 15 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit von 70 gewesen, erklärt Bauchinger.

Das hatte er bei Geschwindigkeitskontrollen auch schon anders erlebt: Zwischen Erkheim und Kammlach habe er mal einen Autofahrer mit mehr als 180 Stundenkilometern aufgehalten. „Das war wie ein Boxenstopp“, sagt Bauchinger. „Nur ohne Reifenwechsel.“ Eine hohe Geldbuße, drei Monate Fahrverbot und Punkte in Flensburg waren damals die Folge für den Fahrer. Einen typischen Raser gibt es laut Franz Bauchinger übrigens nicht. „Das können junge Leute sein, die sich überschätzen, der Geschäftsmann mit dem dicken Firmenwagen oder die gestresste Mutti, die das Auto voller Kinder hat“, ist auch Madeleine Sieberts Erfahrung.

Unfälle sollen verhindert werden

Nahe Markt Rettenbach sind im November vier junge Männer bei einem Unfall tödlich verunglückt. Bei jüngsten Messungen in Markt Rettenbach, nicht weit von der Stelle entfernt, hatte ein Fahrer mehr als 150 km/h auf dem Tacho. Auch zwischen Dirlewang und Unteregg hat die Polizei schon mal ein Auto mit 150 Stundenkilometern gemessen. Zwar habe es an dieser Stelle auf Höhe des Hochwasserdamms noch keinen schweren Unfall gegeben, sagt Bauchinger, doch die gerade Strecke verleite dazu, zu schnell zu fahren. Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen sollen das verhindern – und damit auch Unfälle. Denn, so Bauchinger: „Überhöhte Geschwindigkeit ist die Unfallursache Nummer 1.“

An diesem Vormittag hielten sich alle an das Tempolimit. Statt Verwarnungsgeld kassierten Franz Bauchinger und Madeleine Siebert nur neugierige und teils mitleidige Blicke aus den vorbeifahrenden Autos. Doch auch wenn die beiden Polizisten an diesem Vormittag keinen Raser erwischt haben, so finden sie doch, dass sie ihr Ziel erreicht haben: Kein Verkehrsteilnehmer war zu schnell unterwegs.

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