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Infrastruktur

19.11.2019

„Es ist Zeit geworden“

„Der Zustand der Tussenhausener Straße ist katastrophal und gefährlich“Die Kreisstraße MN 2 zwischen dem Kreisverkehr bei Oberrammingen und dem Kreisverkehr im Westen von Türkheim wird im kommenden Jahr für rund 2,3 Millionen teilweise ausgebaut. An der Abzweigung Richtung Unterrammingen soll außerdem eine Abbiegespur nach links entstehen.
Bild: Alf Geiger

Kreisstraße von Rammingen nach Türkheim wird im kommenden Jahr erneuert. Der Ausbau wird rund 2,3 Millionen Euro kosten. Bei den Anliegern der Ramminger Straße schrillen dagegen die Alarmglocken

Sie wird von mehreren tausend Fahrzeugen täglich benutzt, ist rund zweieinhalb Kilometer lang – und seit Jahren in einem desolaten Zustand: Für viele Autofahrer ist die Kreisstraße zwischen Rammingen und Türkheim ein tägliches Ärgernis. Jetzt haben Kreis- und Bauausschuss beschlossen, die Straße auf einer Länge von 2,4 Kilometern zu erneuern und auszubauen.

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„Lange standen andere Projekte im Vordergrund“, sagte Tiefbauamtsleiter Walter Pleiner in der Sitzung. „Jetzt ist es Zeit geworden.“ Ein erster Beschluss, die sogenannte Kreisstraße MN 2 auszubauen, stammt aus dem Jahr 2008. Seitdem wurde die Straße zwischen dem Kreisverkehr bei Oberrammingen und dem Kreisverkehr im Westen von Türkheim immer wieder an einzelnen Stellen ausgebessert.

Wie Pleiner erklärte, hätten sich durch den vielen Verkehr inzwischen Spurrinnen und Risse gebildet, die mehrere Zentimeter groß seien. „Die könnte man zwar wieder abdecken“, sagte Pleiner. „Langfristig ist das aber keine vernünftige Lösung.“ Zudem sei das Bankett beschädigt und das Oberflächenwasser könne nicht vollständig abfließen – Probleme, die der Ausbau ab dem kommenden Jahr beheben soll.

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Im Zuge der Arbeiten, die im kommenden Jahr stattfinden, wird die Fahrbahn von aktuell 5,70 Meter auf 6,50 Meter ausgeweitet. An der Abzweigung Richtung Unterrammingen soll außerdem eine Abbiegespur nach links entstehen.

Bis die voraussichtlich rund 2,3 Millionen Euro teuren Bauarbeiten beginnen können, muss der Landkreis nach Auskunft von Landrat Hans-Joachim Weirather (FW) noch an mehreren Stellen Grund erwerben. Man sei diesbezüglich aber durchaus optimistisch.

Bei den Anliegern in der Ramminger Straße stößt diese Nachricht auf wenig Begeisterung. Nach dem Ausbau der Ortsverbindungsstraße von Türkheim nach Rammingen wird sich noch mehr Verkehr, vor allem Schwerlastverkehr, von der Tussenhausener auf die Ramminger Straße verlagern, so ihre Befürchtung.

Schon jetzt klagen die Hausbesitzer über Lärm, Dreck und – vor allem – Gefahren, die der auf Türkheim aus Richtung Rammingen und umgekehrt rollende Verkehr für sie bedeute.

Seit Jahren ist das Thema „Raser“ in der Ramminger Straße ein Dauerbrenner in Türkheim und genauso lang sucht der Gemeinderat nach einer Lösung – mit wenig greifbaren Ergebnissen bislang.

Zwar hatten die Mitte 2017 eingeführten Veränderungen Verbesserungen gebracht - so wurde etwa das Ortsschild versetzt, um den Verkehr damit früher auf Tempo 50 drosseln zu können - mehr aber auch nicht. Messungen im August ergaben allein in der Ramminger Straße rund 22 Prozent Tempoüberschreitungen ergeben. Zwar deutlich niedriger, als vor der Einführung digitaler Tempoanzeiger, aber zufrieden könne man mit diesem Wert immer noch nicht sein, fasste Kähler damals zusammen.

Das Problem ist in Türkheim - wie in vielen anderen Gemeinden - weit verbreitet: Nicht nur in der Ramminger Straße wird zu schnell gefahren, auch in der Tussenhausener Straße klagen Anwohner über den Verkehr.

Auch das war Thema in der Sitzung des Kreis- und Bauausschusses. Die Türkheimer Kreisrätin Roswitha Siegert (CSU) wies auf den „katastrophalen und gefährlichen“ Zustand der Staatsstraße von Türkheim in Richtung Tussenhausen hin. Man müsse sich um das Problem zeitnah kümmern. Landrat Weirather betonte: „Wir lassen keine Gelegenheit aus, beim staatlichen Bauamt auf die Zustände hinzuweisen.“ Trotzdem werde das Projekt „auf absehbare Zeit nicht drankommen.“

Auch in der Uferstraße, der Augsburger Straße, der Hochstraße und viel befahrenen anderen Straßen häufen sich Beschwerden. Die vorübergehend aufgestellten „Raser-Bremsen“ – sogenannte „Mobile Fahrbahnverengungen“, die mit entsprechendem Abstand von jeweils 50 Metern links und rechts auf der Straße aufgestellt wurden – sollten die Verkehrsteilnehmer dazu bringen, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Um den Erfolg dieser Maßnahmen abschätzen zu können, wurden in dieser Zeit Verkehrszählungen und Radarkontrollen durchgeführt, auch um ein mögliches Ausweichen der Autofahrer auf die nicht weniger belastete Tussenhausener Straße erkennen zu können.

Der Knackpunkt: In der Tussenhausener Straße kann die Gemeinde selber gar nichts machen, um Raser zu bremsen, denn die Straße ist eine Kreisstraße und daher hat hier der Landkreis das letzte Wort.

Auch bei einer bereits mehrfach angedachten, flächendeckenden „Tempo-30-Regelung“ im Gemeindebereich Türkheims wären der Gemeinde Türkheim hier die Hände gebunden.

Die Kreisstraße von Rammingen nach Türkheim wird mit dem Ortsschild aber zu einer Gemeindestraße und daher kann hier die Gemeinde Türkheim selber agieren. Dass der jetzt im Kreistag beschlossene Ausbau der Verbindungsstraße von Rammingen bis Türkheim die Sorgen und den Ärger der Anlieger in der anschließenden Ramminger Straße noch vergrößern könnte, lässt Bürgermeister Christian Kähler aber nicht gelten: „Die Sanierungsmaßnahme der Kreisstraße von Rammingen nach Türkheim hat überhaupt nichts mit der gemeindlichen Ramminger Straße zu tun“, so Kähler auf die Anfrage der MZ.

Was die mobilen „Raser-Fallen“ gebracht haben, konnte Kähler auch noch nicht sagen: „Die Ergebnisse der Verkehrszählungen liegen uns noch nicht alle vor“. (mit alf)

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