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Landwirtschaft

23.05.2016

Es ist zu viel Milch auf dem Markt

Franz Endres aus Bad Grönenbach hält von den Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung nicht viel.
Bild: Franz Kustermann

Allgäuer Bauern halten nicht viel vom angekündigten Hilfspaket der Bundesregierung

Bayerns Landwirtschaftsminister appellierte aber auch an die Eigenverantwortung der Branche. Es sei zu viel Milch auf dem Markt, und das drücke die Preise. So habe seit dem Wegfall der Milchquote vor gut einem Jahr zum Beispiel Irland 30 Prozent mehr Milch produziert, die Niederländer 18 Prozent mehr. „Aber auch Deutschland hat mit einem Plus von acht bis zehn Prozent mehr Milch für den Weltmarkt geliefert,“ sagte Brunner. Mit dem „Wettmelken“ versuche zwar der eine oder andere Hof, für sich über die erhöhte Menge den Milchpreisverfall wieder auszugleichen. Volkswirtschaftlich gesehen sei dies aber unsinnig.

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„Ich muss meine Leute bezahlen“

Und das sagen die Bauern: Landwirt Franz Endres aus Bad Grönenbach hält von den Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung nicht viel: „Als Familienbetrieb mit Fremdarbeitskräften sitze ich im selben Boot wie alle anderen Bauern. Ich muss meine Leute bezahlen, egal ob ich 25 oder 40 Cent Milchgeld bekomme. Mit der derzeitigen Milchpreis-Situation wird flächendeckend bäuerliches Kulturgut aufs Spiel gesetzt, dass sich unsere Vorfahren vor über 300 Jahren mühsam erkämpft haben“, sagt der Landwirt, der einen Hof mit weit über 1000 Milchkühen betreibt. „Mengenbegrenzung würde nur gewisse Effekte haben, wenn man das weltweit umsetzt. Das Freihandelsabkommen TTIP sehe ich für die Bauern als die größte Gefahr. Wenn man alles globalisieren will, müssten die Standards in allen Bereichen, vor allem im Sozial- und Qualitätsbereich, EU- und weltweit harmonisiert werden.“

Es ist zu viel Milch auf dem Markt

„Vor sechs Jahren haben wir unseren Hof erweitert. Vor allem Betriebe, die ihre Kredite tilgen müssen, trifft der niedrige Milchpreis am härtesten“, sagt Josef Wagner, der mit seiner Familie einen Hof in Weinhausen im Ostallgäu betreibt und dort überwiegend Milchvieh hält. „Die Frage ist, wie lange wir Landwirte das noch aushalten und wann die Bundesregierung endlich aufwacht“, fügt der 21-Jährige hinzu. Denn versprochene Hilfen und verbilligte Darlehen seien nur eine kurzfristige Lösung. Auf Dauer müsse der Milchpreis wieder steigen, damit die Bauern kostendeckend arbeiten könnten: „Pro Liter müsste unser Betrieb mindestens 35 bis 40 Cent bekommen.“

Christian Sutter aus Harbatshofen im Westallgäu bewirtschaftet mit seiner Familie einen Hof mit 35 Milchkühen und 35 Stück Jungvieh. Als Heumilchbauer erhält er einen höheren Milchpreis. „Wir kommen noch ohne Liquiditätsprobleme über die Runden“, sagt der 36-jährige Bauer, der zusätzlich zum Milchgeld auch durch landschaftspflegerische Arbeit verdient. Luft für Investitionen habe er allerdings nicht. Die Lage der Landwirtschaft nennt Christian Sutter dramatisch. An der Wirkung von Ausgleichszahlungen zweifelt er. „Eine Überbrückung kann vielleicht kurzfristige Entspannung bringen. Aber wie soll die Situation besser werden, ohne dass sich grundsätzlich etwas ändert? Es ist einfach zu viel Milch auf dem Weltmarkt.“ Nach Meinung Sutters müsste der Bauernverband „ganz anders auf den Tisch hauen und zu uns Bauern stehen“.

„Wir leben von Rücklagen und haben zum Glück zwei Ferienwohnungen, die uns zusätzliche Einnahmen bringen“, sagt Anita Metzeler aus Immenstadt-Ratholz (Oberallgäu), die mit Ehemann Wendelin und Sohn Sebastian einen Hof mit 40 Milchkühen betreibt. Günstige Kredite von der Bundesregierung nutzen wenig, sagt die 50-Jährige. „Irgendwann müssen wir das Geld ja wieder zurückzahlen“. Langfristig helfe ihrem Hof nur ein Milchpreis von rund 50 Cent pro Liter, um wirtschaftlich zu arbeiten. Ans Aufhören denken die Metzelers aber nicht. „Was sollen wir denn beruflich sonst machen?“, fragt Anita Metzeler. „Wir kämpfen uns halt durch und hoffen auf einen höheren Milchpreis.“ Sie glaubt, dass sich der Preis erst dann wieder reguliert, „wenn etliche Großbetriebe aufgeben.“ (mit fk, laj, ins und mpf)

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