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30.06.2009

Euch kann niemand helfen, nur ihr selbst

Kirchheim/Derndorf (kk) - "Landwirtschaft ist kein Fließband, sondern Umgang mit Natur und Lebewesen. Es muss sich nicht immer alles rechnen. Leben ist etwas anderes, ihr müsst es nur begreifen. Ich muss im Kopf überzeugt sein, von dem was ich tue. Zweifel ist der Teufel". Dies war die eindringliche Botschaft von Allgemeinmediziner Dr. Traugott Renner und Öko-Bauer Hubert Krimbacher an die Zuhörer beim Bauernstammtisch in Kirchheim.

Klimawandel, Finanzkrise, schlechte Preise für Milch, Getreide und Fleisch sowie "Grüne Gentechnik" verunsichern immer mehr. Zu diesen Themen referierten Dr. Traugott Renner und Öko-Bauer Hubert Krimbacher, beide aus Ettenbeuren. Veranstalter waren die BBV-Ortsgruppe Derndorf, bekannter als "Bauernstammtisch", der Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter und die Biolandgruppe Mindelheim. Stammtisch-Sprecher Hans Lochbrunner zeigte sich erfreut über die große Resonanz, denn es waren knapp siebzig Zuhörer gekommen.

Brauchen wir die globale Krise? Dr. Renner und Krimbacher sagen eindeutig ja, denn wir müssen vom Prinzip von Ursache und Wirkung lernen. Die Ursache ist, dass Politiker schon lange mehr ausgeben, als sie haben. Die Wirkung ist nun Energie-, Finanz- und Arbeitsmangel. Auf der anderen Seite haben wir eine Überproduktion in der Landwirtschaft als Ursache, was sinkende Preise zur Folge hat. Staatliche Subventionen können die Ursache nicht beseitigen.

Absatzmangel nicht mit Überproduktion begegnen

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Die Autoindustrie hat Absatzmangel und reagiert mit weniger Produktion. Die Landwirtschaft macht genau das Gegenteil und produziert mehr. Der Überschuss entsteht, da immer mehr Energie wie Kunstdünger, Spritz- und Futtermittel sowie Erdöl in der Landwirtschaft verwendet wird. Die Natur, so Krimbacher, würde auch ohne diese Zusatzenergie funktionieren. Weitere Ursache ist die falsche Beratung durch namhafte Leute und industrieabhängige Politiker. Die Landwirtschaft werde in Richtung Spezialisierung manipuliert. Gentechnik habe auch ihre guten Seiten, nur nicht für die Landwirtschaft, stellte Dr. Renner aus der Sicht des Mediziners fest. Saatgut mit dem vorhandenen Resistenz-Gen wird angebaut und kommt in die Lebensmittelkette. Diese Überheblichkeit der Gentechniker führe unweigerlich zum Crash, da die Wissenschaftler nicht die Wahrheit sagen. Dieser Verzicht auf Ehrlichkeit hat eine Ursache, die nicht mehr gelöscht werden kann: Es geht um Geld, Macht und Profitgier!

Das jetzige Wirtschaftssystem sei auf immerwährendes Wachstum ausgerichtet. Immerwährendes Wachstum jedoch sei Krebs und führe zum Tode. "Es hilft nur Erkennen und Nachdenken."

Zu den Problemen in der Landwirtschaft appellierte Hubert Krimbacher: "Hört auf, unnötige Energie hineinzuschieben und die Überproduktion löst sich von selbst. Weniger Kunstdünger und andere Zusatzstoffe sparen viel Geld. Es müssen aber alle tun, sonst hat es keinen Sinn." Jeder müsse einmal anfangen, sonst passiere gar nichts.

Gentechnik macht abhängig von Industrie-Giganten

Wer kann der Landwirtschaft momentan helfen? "Die Politik kann es nicht, und die anderen wollen nicht. Das heutige Wirtschaftssystem sieht vor "Wachsen oder Weichen". Die Gentechnik mache abhängig von Industrie-Giganten.

Den Bauern gaben die beiden Referenten den Rat: Selber handeln, heißt die Devise. Tut nicht was man euch sagt, jeder weiß, was für seinen Betrieb gut ist.

Zum Abschluss sang Hubert Krimbacher noch das Lied "Der Gentechnik-Mann", das für die Zukunft nichts Gutes versprach. Zum Ende sang er von einer Kampfansage der Bauern, damit die Gentechnik nicht zum Zuge kommt.

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