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08.11.2017

Exhibitionismus: einer oder mehrere Täter?

Die Polizei in Bad Wörishofen verfolgt mehrere Fälle von Exhibitionismus in kurzer Zeit.
Bild: Manuel Wenzel

Was eine Forensikerin zu der Fallhäufung in Bad Wörishofen sagt.

In Bad Wörishofen wurden zuletzt mehrere Frauen von Unbekannten belästigt. Es handelt sich um Fälle von Exhibitionismus, teilweise mitten in der Innenstadt. Weil sich die Personenbeschreibungen teils stark unterscheiden, ist nicht klar, ob hier ein oder sogar mehrere Täter unterwegs sind. Dr. Claudia Bajinski, die Vertreterin des Ärztlichen Direktors der Forensischen Klinik am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, hat beruflich oft mit Exhibitionismus zu tun. Sie sagt, dass es schon sehr ungewöhnlich wäre, wenn es in einer Stadt von der Größe Bad Wörishofens tatsächlich mehrere Täter gleichzeitig geben würde. Ausschließen freilich könne man das nicht.

Frauen, Kinder und Jugendliche seien in der Regel das Ziel von Exhibitionisten. Wer belästigt wird, solle sich möglichst zügig entfernen und dabei gleich die Polizei alarmieren, rät die Ärztin. In der Regel seien Übergriffe durch Exhibitionisten zwar nicht zu befürchten. Allerdings gebe es auch Fälle, in denen Exhibitionismus der Einstieg in weitere Sexualdelikte war, bis hin zur Vergewaltigung.

In der forensischen Psychiatrie Kaufbeuren werden Straftäter behandelt. Bajinski sagt, dass es bei Exhibitionisten ein gewisses Muster gebe. Oft seien es Männer mittleren Alters, gut situiert, verheiratet, die im Alltag aber wenig durchsetzungskräftig seien. Deshalb gehe es beim Exhibitionismus auch meist um Machtausübung. „Sie wollen eine Reaktion erzielen, meist Erschrecken“, sagt Bajinski. Deshalb würden auch nicht Männer belästigt, sondern Frauen und Kinder. Auch Stresssituationen könnten der Auslöser sein. Exhibitionismus ist keine Randerscheinung. Im psychiatrischen Bereich des BKH mache er einen Anteil von etwa 20 Prozent aus, berichtet die Ärztin.

Zuletzt wurde in Bad Wörishofen am Sonntag eine Frau von einem Exhibitionisten belästigt, zuvor am vergangenen Freitag. Die anderen Fälle liegen im Oktober und September. Mitte September verfolgte ein Exhibitionist eine 81-jährige Frau sogar auf der Füssener Straße, bis diese an die Tür eines Wohnhauses klopfte, um Hilfe zu suchen. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, soll sich unter der Telefonnummer 08247/96800 melden. Auch bei der Polizei hält man die Häufung der Fälle für ungewöhnlich. Michael Scheßl, der stellvertretende Inspektionsleiter in Bad Wörishofen, rät Frauen, die von einem Exhibitionisten belästigt werden, sich die Person und auffällige Merkmale möglichst gut einzuprägen, schnell davonzugehen und sofort die Polizei zu alarmieren. Je schneller das erfolge, desto eher könne man den Täter noch aufspüren.

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