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Mindelheim

08.01.2019

Fast wie ein medizinisches Wunder

Im Kreisklinikum Mindelheim wurde Helene F. geholfen.
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Im Kreisklinikum Mindelheim wurde Helene F. geholfen.
Bild: Kirsten Boos

Helene F. erhielt eine schockierende Nachricht. Warum sie mit großer Zuversicht ins neue Jahr gegangen ist und was das mit dem Klinikum in Mindelheim zu tun hat.

Sie trifft sich regelmäßig mit Freunden beim Kegeln. Sie turnt und bewegt sich viel an der frischen Luft. Und einmal die Woche geht sie mit Freunden in die Sauna. Helene F. (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) ist fit, schon gar für ihr Alter. Mit ihren 71 Jahren fühlt sie sich rundum gesund. Schmerzen verspürt sie nicht. Dabei hätte nicht viel gefehlt, und die sportliche Rentnerin wäre einer unentdeckt gebliebenen Tumorerkrankung zum Opfer gefallen.

Die Frau hatte noch nie Probleme mit der Verdauung oder mit dem Essen

Helene F. ist jemand, der eher selten in Wartezimmern anzutreffen ist. Warum auch? Die schlanke Dame ist gesund und lebensfroh. Vor wenigen Wochen Mitte Oktober war sie aber doch mal bei ihrer Gynäkologin zum Durchchecken. Bei diesem Termin war auch das Wort von der Darmspiegelung gefallen, zu der die Ärztin riet. Weil sie noch nie irgendwelche Probleme mit dem Essen und der Verdauung hatte, schien Helene F. das völlig übertrieben. Am Ende ließ sie sich aber zumindest zu einem Stuhlbriefchentest überreden.

Ein paar Tage später rief die Ärztin bei ihr an. Das Ergebnis des Tests lag vor. Es waren geringe Mengen Blut in der Probe gefunden worden. Das muss nichts Schlimmes bedeuten. Aber der Sache muss nachgegangen werden. Am 12. November bekam ist einen Termin beim Mindelheimer Facharzt Dr. Matthias Neff, wo die Darmspiegelung erfolgte. Das Ergebnis war ein Schock für die 71-Jährige: Die Aufnahmen zeigten im Dickdarmbereich einen rund zweieinhalb Zentimeter großen Tumor.

Facharzt aus Mindelheim riet sofort zur Operation - Ausgang ungewiss

Der Rat war eindeutig: Möglichst schnell operieren und den Übeltäter entfernen. Sicherheitshalber wurde auch eine Magenspiegelung vorgenommen. Da war gottlob alles in Ordnung. Wo aber sollte der schwere Eingriff vorgenommen werden? Aus dem Bekanntenkreis hieß es, lass die OP doch in München in einer der Top-Krankenhäuser machen.

Helene F. war ein persönliches Umfeld wichtig. Und deshalb entschied sie sich für das Mindelheimer Kreisklinikum. Ein befreundeter Arzt hatte ihr zugeraten. „Ich hatte Vertrauen zu Mindelheim“, sagt sie.

Das sollte nicht enttäuscht werden. Schon bei den Vorgesprächen mit Dr. Markus Tietze, dem Chefarzt für Viszeral- und Gefäßchirurgie und Oberarzt Harald Wolf fühlte sie sich einfühlsam beraten. Dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, war klar. „Aber die Ärzte haben immer die Chancen betont“, sagt Helene F. Auf einer Skala von 1 bis 100 sei alles möglich: ein künstlicher Ausgang und großem Bauchschnitt mit anschließender Chemotherapie. Aber eben auch rasche Heilung ohne Bestrahlung, sollte der Tumor nicht ausstrahlen. Wenige Tage vor dem Eingriff rieten ihr die Mediziner noch zu kräftigem Essen mit Steaks und Eis mit Sahne. Das werde sie gut brauchen können.

90 Minuten dauerte der schwere Eingriff im OP-Saal

Auf den 3. Dezember war der Operationstermin angesetzt. Eineinhalb Stunden lang dauerte der Eingriff. Alles verlief problemlos. Das OP-Personal sei sehr nett gewesen. Eine Schwester hatte ihr noch gesagt: „Wir passen auf Sie auf“. Danach schlief sie ein.

Aber es stand immer noch die Sorge im Raum, die Lymphknoten könnten befallen sein. Am 9. Dezember schaute dann der Oberarzt vorbei und strahlte übers ganze Gesicht. Er habe eine gute Nachricht. Eine Chemo sei nicht notwendig. Chefarzt Tietze sagte, es sei alles gut verlaufen. Ein 35 Zentimeter langes Stück des Darms habe entfernt werden müssen. Ihre Zukunftsprognose nannte er „exzellent“.

Geholfen haben ihr aber nicht nur die Ärzte. Ihre Enkelin sei ihr immer zur Seite gestanden. Sie durfte auch bei den Gesprächen mit den Medizinern als Vertrauensperson dabei sein, was der 71-Jährigen gut getan hat. „Ich bin total begeistert, wie wir menschlich einbezogen wurden.“ Aber auch ihr Pfarrer hat ihr viel Kraft gegeben. Vor Monaten hatte er bei einer zufälligen Begegnung versprochen, er werde sich mal bei ihr melden. Das tat er auch. Ausrechnet an dem Tag, als sie von ihrer Krebserkrankung erfahren hatte. Er kam vorbei und spendete eine Krankensalbung. „Ich fühlte mich dadurch sehr gestärkt“, erzählt die gläubige Katholikin.

Aber sie weiß natürlich auch: Hätte ihr ihre Ärztin nicht eindringlich die Vorsorge an Herz gelegt, „wäre das mein Todesurteil gewesen“. Deshalb rät sie allen – Frauen wie Männern – ab einem gewissen Alter, das Thema ernst zu nehmen. Für sie war ihre wiedererlangte Gesundheit ihr schönstes Weihnachtsgeschenk. Es grenze fast an ein Wunder, dass sie schon kurz vor Weihnachten wieder zuhause sein und ohne Einschränkungen ihren Alltag meistern kann. „Wir freuen uns in der Familie, dass wir uns haben und dass wir gemeinsam etwas unternehmen können“, sagt sie. Sie habe in den vergangenen Wochen ganz viel Positives erlebt.

Vom Guten im Leben will sie sich auch im neuen Jahr leiten lassen. Und ihr fällt dazu auch ein Spruch ein: „Auf jedem Misthaufen wächst ein Blümchen“.

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