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Gesunde Ernährung

24.02.2015

Fastenzeit: Es muss nicht gleich der Grünkernbratling sein

Gerade in der Fastenzeit nehmen sich viele vor, gesünder zu leben und sich auch entsprechend zu ernähren. Christine Knaus-Kollert gibt Tipps, wie es nicht nur beim guten Vorsatz bleibt.
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Gerade in der Fastenzeit nehmen sich viele vor, gesünder zu leben und sich auch entsprechend zu ernähren. Christine Knaus-Kollert gibt Tipps, wie es nicht nur beim guten Vorsatz bleibt.
Bild: Fotolia

Keine Süßigkeiten, mehr Gemüse, das nehmen sich viele Menschen für die Fastenzeit vor. Expertin Christine Knaus-Kollert erklärt, wie man sich Schritt für Schritt besser ernährt.

Die einen wollen in der Fastenzeit weniger essen, die anderen zumindest gesünder. Letzteres scheint vielen allerdings fast schwerer zu fallen als der eiserne Verzicht – weil gesund und lecker eben nicht zusammengehen, eine gesunde Ernährung enorm aufwendig ist und mit Kindern sowieso nicht zu machen. Christine Knaus-Kollert aus Holzgünz ist Technikerin für Hauswirtschaft und Ernährung und räumt mit solchen Vorurteilen auf.

Dass Pommes eher vor Fett als vor Vitaminen strotzen, leuchtet ja irgendwie ein. Aber was ist gesund?

Christine Knaus-Kollert: Was gesund ist, wird immer wieder neu definiert. Orientieren kann man sich aber am Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Hauptbestandteil der Nahrung sollten demnach vollwertige Getreideprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sein, gefolgt von Gemüse, Obst, Milchprodukten, Fleisch, Wurst, Fisch und Eiern sowie als kleinstem Segment den Ölen und Fetten.

Wenn ich aber Vollkornbrot partout nicht essen oder auf Kohlenhydrate weitgehend verzichten mag?

Knaus-Kollert: Der Ernährungskreis gibt nur eine Zielrichtung vor, die man individuell anpassen kann. Viele vergessen, dass zu den Getreideprodukten nicht nur Brot gehört, sondern auch Hirse oder Reis. Und wer Kohlenhydrate einsparen will, greift einfach zu mehr Gemüse und Obst.

Wenn ich meine Ernährung umstellen will: Muss es dann gleich der Grünkernbratling sein, oder gibt es auch so etwas wie gesundes Essen für Einsteiger?

Knaus-Kollert: Wenn man vollwertige Kost nicht gewohnt ist, ist vom Grünkernbratling tatsächlich eher abzuraten. Zum einen, weil manch einer so einen abrupten Wechsel gar nicht so ohne Weiteres verträgt und zum anderen, weil eine krasse Ernährungsumstellung die Bereitschaft dazu gleich erheblich schmälern kann. Da ist es besser, den bisherigen Speiseplan Schritt für Schritt zu verändern. Man kann sich zu seiner Tiefkühlpizza zum Beispiel einen frischen Salat dazumachen oder noch ein bisschen Gemüse drauflegen. Das ist nicht das Optimum, aber ein Anfang. Oder man macht die Kässpatzen ein bisschen vollwertiger, indem man etwas Dinkel und Hirse in den Teig mischt. Man muss halt für sich selbst einen Mittelweg finden, denke ich. Wenn ich etwas nur esse, weil es gesund ist und das als „Muss“ empfinde, tut das bestimmt auch nicht gut. Ernährung ist schließlich nur eine Säule einer gesunden Lebensführung.

Fett und Zucker sind ja Geschmacksträger. Muss ich trotzdem eisern darauf verzichten, um mich gesund zu ernähren?

Knaus-Kollert: (lacht) Ja, manchmal hat man den Eindruck, Gesundes darf gar nicht gut sein. Dabei ist Fett sogar ganz wichtig für den Körper. Nur halt nicht die gehärteten Fette, die in Fertiggerichten oft verwendet werden und nachweislich die Gesundheit gefährden. Für den Körper essenzielle, nämlich ungesättigte Fettsäuren kommen vor allem in pflanzlichen Fetten vor und sind vorzuziehen. Außerdem kommt man oft schon mit kleinen Mengen aus. Ich würde jedenfalls nicht auf Fett verzichten wollen, wähle diese Fette aber bewusst aus. Den Zuckerkonsum sollte man sehr wohl reduzieren und auch auf versteckte Zucker zum Beispiel in Getränken achten. Gerade bei Kleinkindern ist das wichtig, weil sie sich schnell an die Süße gewöhnen und es später schwierig ist, wieder auf ein niedrigeres Süße-Niveau zu kommen.

Gesunde Ernährung ist prinzipiell ja schön und recht, in den Augen vieler wegen der Gemüseschnipplerei aber doch auch sehr zeitaufwendig – oder?

Knaus-Kollert: 30 Minuten muss man einfach einkalkulieren, wenn man selber kocht. Und wer nie oder selten am Herd steht, wird länger brauchen als ein erfahrener Koch. Aber ein bisschen Planung macht oft schon vieles leichter. Dann kann man zum Beispiel „Ketten-Kochen“: Am ersten Tag macht man eine größere Menge Pellkartoffeln und aus dem Rest wird am nächsten Tag ein Kartoffelauflauf. Oder man kocht doppelte Mengen und friert die Hälfte ein. So was spart Zeit. Und dann kann man das Kochen natürlich nicht nur als lästige Pflicht abhandeln, sondern es als gemeinsame Zeit auf dem Familienkonto verbuchen, wenn alle gemeinsam schnippeln und ratschen. Das hat außerdem den Vorteil, dass Kinder das, was sie selber gekocht haben, oft viel lieber essen.

Haben Sie noch mehr Tricks, um Kindern gesunde Kost schmackhaft zu machen?

Knaus-Kollert: Natürlich hilft’s, wenn man selber überzeugt und damit Vorbild ist. Und man kann Kindern eine Auswahl anbieten. Sie müssen ja nicht unbedingt Brokkoli essen, wenn sie dafür bei den Karotten zulangen. In manchen Gerichten kann man ungeliebtes Gemüse „verstecken“ oder man mischt die nicht so begehrten Vollkorn- zur Hälfte mit weißen Nudeln. Bei kleinen Kindern lohnt es sich, die Neugier zu wecken – und gesundes Essen gar nicht so zum Thema zu machen. Schließlich soll die tägliche Mahlzeit nicht zum Genörgel ausarten und so Essen negativ besetzt werden.

Muss ich alles selber machen, um mich wirklich gesund zu ernähren?

Knaus-Kollert: Nein, man sollte nur bewusst einkaufen und dabei nach Möglichkeit auch darauf achten, dass die Produkte gerade Saison haben und aus der Region stammen, aber sich nicht selber unter Druck setzen. Denn das ist auch nicht gesund.

Christine Knaus-Kollert verköstigt die Kinder eines Memminger Kindergartens und kocht auch privat sehr gerne. Die 45-Jährige mag Gemüseeintopf, etwa zweimal im Jahr einen Hamburger Royal TS und verabscheut Fenchel. Am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Mindelheim gibt sie im Rahmen der Angebote des Netzwerks „Junge Eltern/Familien“ am Montag, 11. Mai, einen Kurs, in dem Eltern mit Kindern bis zu drei Jahren leckere, vollwertige und preiswerte Familienrezepte kennenlernen können.

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