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Festival der Nationen: Mozart statt Metallica? Wetten, dass ...!

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Kommentar Von Alf Geiger
03.10.2019

Plus Warum Kult-Moderator Thomas Gottschalk überhaupt zum Festival nach Bad Wörishofen kam. Und warum er jetzt auf jeden Fall wieder kommen muss.

Es ist wie bei jeder Saalwette – man weiß nie so genau, wie es ausgeht. So ist auch der Job des Lokalreporters. Manchmal verliert man, manchmal gewinnt man. Und manchmal ist es auch Ansichtssache...

Dass „Wetten, dass ...“-Kult-Moderator Thomas Gottschalk leibhaftig nach Bad Wörishofen kommt – das ist ein Gewinn. Zumal für das Festival der Nationen, dem der große Name einer bekannten Show-Größe wohl auch ein gutes Stück von der Provinzialität nimmt, die manche dem Bad Wörishofer Kultur-Highlight immer noch nachsagen.

Entsprechend nervös waren daher auch Winfried und Werner Roch, die fast schon ein Staatsgeheimnis aus der Frage machten, ob er denn nun kommt. Oder doch nicht? Es war durchgesickert, dass Thomas Gottschalk am Samstag – von der Wies’n kommend – in Bad Wörishofen aufschlägt, im Steigenberger Hotel eine Suite bezieht und im Kursaal den Konzerten von Nemanja Radulovic (Samstag) und Diana Damrau (Sonntag) lauschen will. Eingefädelt hatten das die Brüder Roch bei der Verleihung des Klassik-Preises „Opus“ Ende Juni in Berlin, als Moderator Thomas Gottschalk auserkoren war, der Sopranistin und Kammersängerin Diana Damrau ihren Opus (früher Echo) zu überreichen. Hinterher lernte man sich kennen und Gottschalk konnte es gar nicht glauben, dass ein Weltstar wie Damrau ausgerechnet im beschaulichen Bad Wörishofen auf die Bühne tritt. Gottschalk, der lange am Ammersee gewohnt hat, kannte die Kurstadt lediglich vom Schild an der Autobahn – vom Festival der Nationen hatte er noch nie etwas gehört.

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Um es kurz zu machen – er nahm die Einladung der Brüder Roch an – und da war er dann. Leibhaftig. Thomas Gottschalk. Und an seiner Seite auch noch seine neue Liebe Karina Mroß, deren Liaison und die damit verbundene Trennung von Ehefrau Thea die Klatschspalten ganzer Regenbogenpressen wochenlang gefüllt hatte.

Beide. Hier. In. Bad. Wörishofen. Da schlägt doch auch das Herz eines Lokalreporters höher!

Immerhin kenne ich Herrn Gottschalk ja praktisch mein ganzes Leben lang. Seit „Pop nach 8“ erklärt er mir in unterschiedlichen Formaten auf seine einmalige Art, was Rock ’n’ Roll ist. Und als Moderator von „Wetten dass ...“ war er öfter in meinem Wohnzimmer zu Gast als meine Schwiegermutter. Was soll da also schiefgehen? Der Thommy, das ist doch einer von uns ...

Moment mal! Einer von uns? Mit Macbeth statt McCartney? Mozart statt Metallica? Diana Damrau statt Diana Ross? Klassik statt Rock ’n’ Roll? Das muss ja wohl ein Irrtum sein! Muss ich mir jetzt Sorgen machen um mein Weltbild des Rock ’n’ Roll, um meinen Thomas Gottschalk, der mir als Rock-Prediger von Abba bis Zappa alles beigebracht hat?

Offensichtlich ja. Denn da sitzt er, in der fünften Reihe, im super-stylishen Smoking, der auf jeder Wetten, dass ...?-Couch für Donnerhall gesorgt hätte. Sitzt da – und hört offenbar begeistert zu, wie Diana Damrau (zugegebenermaßen wirklich atemberaubend) ihre Opern in den Kursaal schmettert. Aber, bitte: Opern! Thommy, jetzt hör aber mal...

Da sitzt er also, mein alter Kumpel, der Thommy...

Ja, er hört – aber nicht auf mich und mein Rockerherz, sondern auf die gebürtige Günzburgerin, die bei ihrem „Heimspiel“ im Bad Wörishofer Kursaal so ziemlich alles in den Schatten singt, was das verwöhnte Konzert-Publikum bisher so auf die Ohren bekommen hat. Das ist schon sensationell – nicht nur, aber auch für Thomas Gottschalk. Er klatscht und klatscht, als hätte gerade Phil Collins wieder zu den Drumsticks gegriffen und auch die neue Frau an seiner Seite ist offenbar begeistert. Der arme Kaugummi, den sie während des gesamten Konzerts durchgekaut hat, kann einem da fast schon leid tun. Und auch Gottschalk-Bruder Christoph mit Frau genoss das Konzert sichtlich.

Apropos kauen und genießen: Wer so viel anstrengenden Kunst-Genuss über sich ergehen lassen muss und will – der braucht auch eine entsprechende, standesgemäße Stärkung. Die gab’s dann im Anschluss noch im mondänen Nebenraum des Top-Restaurants „Calla“ im Sonnenhof. Und jetzt (!), mein Auftritt – zwischen Vorspeise und Hauptgang, sozusagen.

Da sitzt er also, mein alter Kumpel, der Thommy. Neben ihm sitzen prominente Menschen, die ebenso auf ihr spätes Mahl warten wie der blond gelockte Star, der (Respekt!) Klasse aussieht, mit seinen 69 Jahren, die er ja auch schon auf dem Buckel hat. Ob die Frau an seiner Seite, die 57-jährige Karina Mroß, ihn so beneidenswert jugendlich erscheinen lässt?

Jetzt gilt‘s: Überraschungsbesuch im Luxushotel

Nee, nee, denn das ist doch der Thommy – und der wird niemals alt! Ich widerstehe dem Drang, ihm auf die Schulter klopfen und mit einem „Na, Thommy, alte Wurschthaut, wie geht’s denn so ...“ zu begrüßen. Das geht natürlich nicht – die prominenten Menschen im Raum schauen eh schon ziemlich bedröppelt, als ich mich als Lokalreporter oute.

Und genau jetzt reagiert Thomas Gottschalk genau so, wie ich mir es nicht besser hätte ausdenken können: „Mindelheimer Zeitung?“, sagt er schmunzelnd. Und dann bringt er mit seiner typischen Thommy-Gottschalk-Art alle zum lachen: „Dass ich das nochmal schaffe, in die Mindelheimer Zeitung zu kommen, das hätte ich auch nicht gedacht ...“ Bingo! Geschafft, Herr Gottschalk, kontere ich und er lacht ein bisserl über seinen gelungenen Gag.

Natürlich bin ich nicht mit leeren Händen gekommen, ich will ja erreichen, dass er wieder in die Kneippstadt kommt. Also schenke ich ihm den wunderschönen Bildband der Mindelheimer Zeitung über Bad Wörishofen und als der Thommy grade eine neue Zote darüber reißen will, fällt ihm seine Freundin ins Wort: „Es ist wirklich wunderschön hier in Bad Wörishofen...“ Da schweigt dann selbst die ehemalige „Supernase“.

War’s das? Nein, natürlich nicht! Denn nach der Jodelmaschine für Star-Geiger Nigel Kennedy im Vorjahr habe ich selbstverständlich auch diesmal ein Trash-Geschenk dabei. Nur, was schenkt man denn einem wie dem Thommy, meinem alten Kumpel? Versteht er einen Spaß? (Auf diese Frage musste er einen Tag später noch eine Antwort geben – aber das ist eine andere Geschichte... ) Mir fällt zufällig ein Wanderführer in die Hände: Wanderungen im Allgäu für Senioren. Für Senioren? Naja, er ist 69.

Aber ich will ja nett sein, und daher überklebe ich das „Senioren“ mit dem Wort „Rock ’n’ Roller“ – und da ist selbst der Thommy, der schon mit Micheal Jackson und Bill Clinton auf der Coach saß und smalltalkte, dann etwas überrascht: „Echt, sowas macht ihr hier?“, fragt er, ganz ohne Scherz.

Natürlich nicht, Thommy – zumindest noch nicht. Haben wir extra für Dich gebastelt, wir wollen doch noch lange keinen Senior aus Dir machen. Dann schon lieber einen Rock ’n’ Roller mit Wanderschuhen. Aber vielleicht wäre das mal eine Geschäftsidee? Denn jetzt, wo Thomas Gottschalk hier in Bad Wörishofen war und sich wohlgefühlt hat, vielleicht kommen auch noch ganz andere Show-Größen, vielleicht sogar „echte“ Rocker?

Aber wie war das jetzt, mit der Klassik und dem Thommy – wie soll das denn zusammenpassen? „Diana Damrau heute Abend, das war doch Rock ’n’ Roll“, sagt er, der Thommy. Und er muss es ja wissen. Schließlich sei er ja schon immer „ein heimlicher Klassik-Fan“ gewesen, behauptet er dreist und daher ist für ihn klar: „Verdi, das ist auch nichts anderes als Kiss: I was made for loving you, Baby“. Sagt er, der Thommy und jetzt darf er endlich essen und ist den Lokalreporter auch schon wieder los.

Tschüss und weg. Servus, mach’s gut. Aber wir bleiben Freunde, Thommy. Zumindest bleibst Du meiner...

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