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Wald

08.04.2015

Finger weg von der Motorsäge

Mit großen Erntemaschinen, sogenannten Harvestern, rücken Waldbesitzer den umgestürzten Bäumen zu Leibe. Das Holz muss rasch aufgearbeitet werden, weil sonst ein Käferbefall droht.
Bild: Thorsten Jordan

Verdrehte Bäume nach dem Orkan Niklas sind eine große Gefahr für Arbeiter. Erntemaschinen bieten Sicherheit

Nach dem Orkan Niklas haben die Aufräumarbeiten in den Wäldern des Unterallgäu begonnen. Doch Vorsicht: So mancher Baum steht unter extremer Spannung und sollte keinesfalls mit der Motorsäge bearbeitet werden, warnt die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Mindelheim. Geschäftsführer Roland Lembach sagt, selbst erfahrene Waldarbeiter könnten nicht ohne Weiteres erkennen, ob ein Baum unter Spannung steht und somit eine Gefahr für den Arbeiter darstellt.

Vor einem Vierteljahrhundert, als Wiebke über Deutschlands Süden tobte und ganze Wälder dem Erdboden gleichmachte, waren in Baden-Württemberg und Bayern mehrere Arbeiter in den Wochen nach dem Sturm ums Leben gekommen. Damals war Waldarbeit überwiegend Handarbeit. So mancher Baum war so verdreht, dass er beim Ansägen hochschnellte und für die Menschen zur tödlichen Falle wurde.

Inzwischen hat die Technik verstärkt Einzug gehalten. Große Erntemaschinen, sogenannte Harvester, sind in den Wäldern im Einsatz. Damit können einzelne Bäume leichter entnommen werden. Die Gefahren, im Wald bei der Arbeit verletzt zu werden, sind deutlich geringer geworden. „0,1 Prozent der Unfälle passieren mit solchen Erntemaschinen“, sagt Lembach. Der große Rest geht auf das Konto von Handarbeit.

Finger weg von der Motorsäge

Harvester sind derzeit gesucht. Bei der FBG allerdings hatten die Verantwortlichen den richtigen Riecher und noch am Montag unmittelbar vor dem Sturm eine solche Maschine angefordert. Diese war bereits an der Umgehungsstraße von Türkheim im Einsatz, wo der Sturm besonders heftig gewütet hatte. Am heutigen Mittwoch kommt eine zweite Holzerntemaschine hinzu. Nächste Woche werden es sogar vier sein, freut sich Lembach. Damit ist er guter Dinge, dass der Windwurf aus den Privatwäldern in den kommenden Wochen beseitigt werden kann. Das ist auch notwendig, wie Forstamtsleiter Rainer Nützel erklärt. Die Bäume sollten möglichst innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen aufbereitet werden, weil sonst Käferbefall droht. Zum Sturmschaden käme so ein noch größerer Folgeschaden.

Die vier Erntemaschinen werden viel zu tun bekommen. Bei der FBG mochte gestern das Telefon nicht stillstehen. Der Orkan hatte in nahezu allen Wäldern im Unterallgäu zugeschlagen. Mal sind es zwei, drei, vier Bäume, die umgeblasen oder auf halber Höhe umgeknickt wurden, mal ein paar mehr. 200 Anrufer allein hatte die FBG kurz vor und unmittelbar nach Ostern. 2400 private Waldbesitzer gehören der Mindelheimer Serviceorganisation an. Die Waldbesitzer haben alle dasselbe Anliegen: Sie suchen Rat und vor allem Hilfe. Viele besitzen nur eine kleinere Fläche und sind auf die Unterstützung der FBG angewiesen. Einige sind für die anstrengende Waldarbeit auch zu betagt, sagt der Geschäftsführer. Roland Lembach schätzt den Windwurf auf vier bis fünf Festmeter je Hektar Wald. Das Forstamt hatte in einer ersten Einschätzung etwas weniger angenommen. Schaden ist vor allem dort entstanden, wo die Bäume wie Streichhölzer umgeknickt sind. An feuchten Stellen wurden die Bäume meist samt Wurzelwerk umgeblasen. Hier ist das Holz ohne Einbußen vermarktbar.

Hilfe für Waldbesitzer bietet das Finanzamt. Wer normalerweise Holz verkauft, muss den Erlös voll versteuern. Bei einem Sturm geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Eigentümer gar nicht verkaufen wollte, aber erhöhte Aufwendungen bei der Aufarbeitung des Holzes hat. Deshalb gewährt er einen Steuernachlass. Dieser muss aber beantragt werden, noch bevor das Holz vermarktet wird, sagt Lembach. Mitglieder der FBG können den „Kalamitätsantrag“ auf der Internetseite herunterladen. Ansonsten ist er im Finanzamt erhältlich.

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