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Naturschutz im Unterallgäu

12.08.2016

Fisch-Monitoring: So viele Arten gibt es in der Iller

Bei einem bayernweit einzigartigen Forschungsprojekt werden die nach Süden wandernden Fische an Zählbecken die nächsten drei Jahre täglich registriert und verschiedenfarbig markiert. Unser Bild zeigt Tobias Epple von der Universität Augsburg (links) und Fischereifachberater Oliver Born.
Bild: Franz Kustermann

Startschuss für Forschungsprojekt an der Iller bei Legau. Erhebung soll drei Jahre lang dauern

Nach einem Druck auf den kleinen Knopf brummt es in dem zwei mal sechs Meter großen Wasserbecken. Es bildet den Übergang der Fischwanderhilfe zum Staubecken vor dem Kraftwerk Legau-Sack. Langsam wird der schräge Gitterboden angehoben. Große Fische purzeln in die wassergefüllte Wanne in der Mitte. Ein Prachtexemplar nimmt Reißaus und schwingt sich mit einem galanten Schlenzer über das Geländer hinweg zurück in das Fließgewässer. Die anderen können nun mit dem Kescher entnommen, gezählt, an der rechten Bauchflosse blau markiert und ins Oberwasser entlassen werden.

Sinn und Zweck der Maßnahme ist ein groß angelegtes Fisch-Monitoring, das im Rahmen eines drei Jahre dauernden Forschungsprojektes das Wanderverhalten von Fischen an der Iller genauestens untersuchen wird. An dem bundesweit einmaligen Projekt beteiligen sich die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW), die Fischereiwirtschaft mit den beiden Fischereivereinen Memmingen und Neugablonz sowie die Universität Augsburg. Der aus Lachen stammende Tobias Epple will nach der Erhebung in seiner Doktorarbeit die Wanderbewegungen und die Fischbestandsentwicklung in der Oberen Iller genau analysieren.

Naturschutz an Iller: Insgesamt wurden acht Millionen Euro investiert

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Insgesamt acht Millionen Euro investierten die Bayerischen Elektrizitätswerke in sogenannte Fischtreppen, Umgehungshilfen an den Stauanlagen der Kraftwerke in Lautrach, Maria Steinbach, Legau, Fluhmühle und Altusried. An allen Kraftwerken wurden identische Zählbecken installiert, die zusammen mit den Fischereiverbänden entwickelt wurden. Drei Jahre lange werden nun die Becken jeweils von zwei ausgebildeten Mitgliedern der beiden Vereine täglich kontrolliert.

Wie Oliver Born von der Fischereifachberatung Schwaben bei der Inbetriebnahme erläutert, seien die Aufstiegshilfen so gestaltet worden, dass die Fische nicht nur ins Oberwasser wandern, sondern im hier befindlichen Kies auch ablaichen können. Mit alten Baumstümpfen seien relativ ruhige Zonen, sogenannte Jungfischhabitate, geschaffen worden, die den frisch geschlüpften Jungtieren das Überleben ermöglichen. Ziel sei es, die Vielfalt der illertypischen Fischarten möglichst bis zum Ursprung des Gewässers zu fördern.

Fisch-Monitoring: Diese Arten sollen in der Iller siedeln

Die typischen Fischarten der Iller, wie Nase, Barbe, Huchen, Äsche und Rutte sollen sich möglichst wieder bis in Oberstdorf ansiedeln können. Auch für Bachforelle, Aitel und Schmerle soll dies trotz der bestehenden Kraftwerke möglich werden. Wenn nach drei Jahren die Ergebnisse vorliegen, will sich Doktorand Epple ein Jahr lang Zeit nehmen, um die ermittelten Daten genauestens auszuwerten. Das Pilotprojekt an der Iller könnte dann sogar auch ein Vorbild für die Donau und andere Gewässer bundesweit werden.

Wenn sich der Prototyp der fünf Zählbecken bewährt, könnten diese Erkenntnisse auch zur Umrüstung der 35 anderen BEW-Stauwerke dienen, sagt Ralf Klocke, Leiter Wasserbau bei der BEW. Obwohl derzeit nicht die typische Wanderzeit der Fische sei, würden täglich bis zu 20 Fische in dem Legauer Zählbecken ankommen und wollen in den Oberlauf gelangen. Da die Fische auch im Winter gezählt und markiert werden, will Klocke über die Zählbecken nun auch noch ein kleines Dach montieren lassen.

Wie stark die Umgehungsgewässer frequentiert sind, verdeutlicht Born mit einer Erhebung an der Fischtreppe Maria Steinbach: Auch wenn hier so gut wie keine Fische sichtbar gewesen seien, konnten in diesem Bereich bis zu 10.000 lebende Fische mittels Elektrofischen ermittelt werden.

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