1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Friedenseichen sind historische Naturdenkmäler

05.09.2007

Friedenseichen sind historische Naturdenkmäler

Irgendwie strahlen kräftige Eichbäume etwas Monumentales aus. Sie sind keine Allerweltsbäume, sie haben meist eine stattliche Größe und ein hohes Alter, außerdem gilt die Eiche als typisch deutscher Baum. Wenn ein Mann "wie eine Eiche dasteht", dann ist das ein großes Kompliment.

Eichen können sehr alt werden und sogar über 1000 Jahre erreichen, wenn man sie wachsen lässt. Ihr Holz ist sehr hart und widerstandsfähig. Ihre Früchte, die Eicheln, galten früher als wichtiges Schweinefutter. Wildschweine sind immer noch scharf darauf.

Die in unseren Landen heimische Stieleiche, auch Sommereiche oder Deutsche Eiche genannt, kann bis zu 40 Meter hoch werden. Sie erreicht einen Stammdurchmesser bis zu drei Metern. Dank ihrer kräftigen Wurzeln sind Eichen äußerst sturmfest.

Die Eiche war schon in den antiken Kulturen Griechenlands und Italiens ein heiliger Baum. Im 18. und 19. Jahrhundert galt sie in England und Frankreich als "Nationalbaum".

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die sprichwörtliche "Deutsche Eiche" wurde bereits von den Germanen verehrt. Zu großer Blüte kam sie im 19. Jahrhundert. Anno 1871 wurden in ganz Deutschland sogenannte Friedenseichen als Erinnerung an den siegreichen deutsch-französischen Krieg 1870/71 gepflanzt. Diese Eichen galten im neuen Deutschen Reich als Symbol für Einigkeit, Treue und Recht. Nicht alle, aber viele dieser Bäume haben die Stürme und den Holz- oder Platzbedarf der Zeiten überstanden und stehen mittlerweile in dem für Eichen fast noch jugendlichen Alter von 136 Jahren. Auch im Unterallgäu gibt es noch solche "Friedenseichen".

Als Beispiel diene der Markt Pfaffenhausen, wo am "Eichberg" an der Memminger Straße noch eine stattliche "Friedenseiche" steht. Ihre Pflanzung am 18. Mai 1871 war für den Marktflecken ein großes Ereignis und deshalb einen umfangreichen Eintrag in die Ortschronik wert. Demnach, so schrieb der Chronist wörtlich, "erschienen vor dem hiesigen Rathause die verehrliche Marktgemeinde-Verwaltung, die hochw. Geistlichkeit, die beiden Lehrer mit der gesamten Schuljugend in festlicher Kleidung".

Von hier sei man unter Beteiligung der Bürgerschaft und der Bewohner des Marktes dorthin gezogen, "wo die Friedenseiche resp. Deutsche Eiche gepflanzt werden sollte". An der Unterrieder Straße angekommen, habe laut Chronik "der Hochw. Herr Pfarrer und Kgl. Distriktschulinspektor Renz in einer kurzen, aber schönen und passenden Rede die Bedeutung und Wichtigkeit der deutschen Eiche auseinandergesetzt".

Ein Hoch auf den Kaiser und den König

Danach wurde auf den deutschen Kaiser und "auf unseren allergnädigsten König Ludwig den II. ein mehrmaliges Hoch ausgebracht, worauf die Volkeshymne "Heil unserem König, Heil" mit Blechmusikbegleitung in freudiger Stimmung abgesungen worden ist. Die Schuljugend wurde danach zur Erinnerung an den schönen Tag in "Kronenwirts-Sommerkeller" eingeladen, "in welchem an dieselbe Bier und Brod unentgeltlich auf Kosten des löbl. Marktes zur Verteilung kam", wie der Chronist vermerkte.

Die Pfaffenhausener Eiche wuchs prächtig heran und stand rund 90 Jahre lang ungestört etwas außerhalb des Ortes an der Straße nach Unterrieden. Die Anhöhe heißt in Pfaffenhausen deshalb "Eichberg", weil der benachbarte frühere Gemeindewald einst den Namen "Aichet" trug, was für ein an Eichen reiches Waldgebiet spricht. Als dann etwa ab den 60-er Jahren die Grundstücke "Eichberg" bebaut wurden, war der alleinstehende Baum bald von Häusern umgeben. Glücklicherweise überstand das historische Naturdenkmal jedoch die Bautätigkeit um ihn herum. So steht er heute noch buchstäblich "wie eine Eiche" an der "Memminger Straße" und bildet einen grünen Blickfang. Den Anliegern ist die Bedeutung der Eiche bewusst. Sie haben allerdings im Herbst mit recht viel Laub und ferner mit dem ständig tropfenden "Harz" zu leben - und akzeptieren dies auch, wissend, dass die Eiche zuerst da war...

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%203326%20Lazarettraum.tif
Bad Wörishofen

Die Kneippstadt als Lazarett

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen