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Bad Wörishofen

27.11.2019

"Frisch gestrichen": Musiker mit großen Herzen

Kinderkonzert zum Jubiläum: Der Nachwuchs der Orchestermitglieder konzertierte für seine Eltern.
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Kinderkonzert zum Jubiläum: Der Nachwuchs der Orchestermitglieder konzertierte für seine Eltern.
Bild: Franz Issing

Das Orchester „Frisch gestrichen“ hat in 25 Jahren mehr als 100.000 Euro für soziale Zwecke erspielt. Für diesen Einsatz gab es nun die Silberdistel.

Ein Feuerwerk der Gefühle brannte das Orchester „Frisch gestrichen“ anlässlich seines 25-jährigen Bestehens im Kursaal von Bad Wörishofen ab. So kennen und so lieben die Fans das Orchester. Das Jubiläumskonzert war schon Wochen vorher ausverkauft. Die musikalischen Botschafter des Unterallgäus bedankten sich bei ihren Fans für deren Vertrauen mit einer Auswahl von Tophits. Dabei kramten sie auch in der Schublade bekannter Evergreens und schrieben ein Stück ihrer gemeinnützigen Vereinsgeschichte.

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Seit der Gründung vor einem Vierteljahrhundert spielte das Orchester mehr als 100.000 Euro für soziale Zwecke ein. Und auch der Erlös aus dem Jubiläumskonzert geht als Spende an den Förderverein der Kreisklinik Mindelheim sowie an den Familienpflegeverband der Diözese. Dass bei den Konzerten von „Frisch gestrichen“ immer die Sorge um das Gemeinwohl mitschwingt, blieb auch der Augsburger Allgemeinen und der Allgäuer Zeitung nicht unbemerkt. Mit der Verleihung der „Silberdistel“ würdigten beide Zeitungen das soziale Engagement des Orchesters und seines Chefs. Der Preis geht auf die Idee von Wilfried Striebel aus Mindelheim zurück, der einst stellvertretender Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen war. Johann Stoll, der Redaktionsleiter der Mindelheimer Zeitung, überreichte die etwas andere Auszeichnung, eine in kunstvollem Silber gehaltene Distelblüte samt Urkunde an Nils Schad. Er ist Leiter, Arrangeur und Dirigent der 60 Instrumentalisten. „Vergelt‘s Gott, für diese große Ehre“, bedankte sich Schad, sichtlich gerührt.

Auch die Rathauschefs aus Bad Wörishofen und Mindelheim gratulierten dem beliebten Orchester und wünschten: „Bleibt so frisch, wie ihr seid.“ Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka hatte ein Geldgeschenk mitgebracht und erließ dem Ensemble die Saalmiete. Sein Kollege Stephan Winter aus Mindelheim überreichte ebenfalls einen Scheck und zitierte den kürzlich verstorbenen Altlandrat Hermann Haisch mit dem Spruch: „Lieber ein Onkel, der Geld bringt, als eine Tante, die Klavier spielt“.

"Frisch gestrichen": Musiker mit großen Herzen

Erinnerungen an den ersten Auftritt in Bad Wörishofen

Und während die Gratulanten ihre Glückwünsche los wurden, scharrten die Musiker hinter der Bühne schon mit den Hufen und warteten ungeduldig auf ihren Auftritt. Dem sah auch Rainer Holl, der frühere evangelische Pfarrer von Bad Wörishofen, mit großem Interesse entgegen. Fand in der Erlöserkirche anno 1994 doch das erste Konzert des jungen, von Haisch aus der Taufe gehobenen, Orchesters statt. Und während zum Entree des bunten Melodienreigens die Gründungsmitglieder von „Frisch gestrichen“ mit dem 50 Jahre alten Beatles-Song „Yesterday“ an die Anfänge des zunächst „kleinen Streichorchesters“ erinnerten, spielte die volle Besetzung danach zum Gedenken an ihren Gründervater Hermann Haisch den „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks spätromatischer Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Danach ging es mal gefühlvoll, mal rockig und auch jazzig zur Sache. Musik mit Hand gemacht und von genialen Komponisten der leichten Muse erdacht, ließ keine Wünsche offen.

Das Publikum erlebte einen Abend voller Überraschungen. Dies ging nicht zuletzt auf das Konto der Kinder der Orchestermitglieder, die mit dem Stück „Duelling strings“ minutenlang den Takt angaben und dabei schon mal in die Fußstapfen ihrer Eltern traten. „Einfach großartig“, war da oft im Publikum zu hören. Entsprechend lautstark fiel der Beifall aus.

Ein kniffliges Ende des Jubiläumsabends für Dirigent Nils Schad

Den gab es auch für die „alten Hasen“, die einmal mehr alle Register ihres Könnens zogen. Die Musiker waren mit James Bond „im Geheimdienst ihrer Majestät“ unterwegs, oder kehrten in einem Westernsaloon als „Glorreiche 60“ ein. „Love is in the air“ – Liebe lag in der Luft, als Titelheld Bastian aus der unendlichen Geschichte, der „Never Ending Story“ zu musikalischen Höhenflug ansetzte. „Ein Song der so recht zu uns passt“, scherzte Nils Schad.

Schließlich entführte das Orchster das Publikum in den „Mac Arthur Park“ nach Los Angeles und gab als weitere musikalische Richtung „Go West“ an, einem Song der auf dem klasssichen Pachelbel-Kanon bassiert. Mit dem Chanson „Maintenant“, der von einer enttäuschten Liebe erzählt, ließ Gilbert Becaud grüßen. Bei diesem Ohrwurm schlüpfte die Geigerin Laura Tiffany Schmid in die Rolle einer Ballerina und begeisterte mit artistischen Verbeugungen.

Und was sich noch alles so auf der Bühne im Kursaal abspielte. Unter einem wandernden Stern – „Wandrin Star“ – ging dort Miss Marple auf Verbrecherjagd. Nicht fehlen im Programm durfte auch die rockige Ballade „Music“. Wie bei allen Titeln überzeugte „Frisch gestrichen“ auch bei Bert Kämpferts „Malta“ mit Homogenität und Klangfülle.

Knifflig wurde es dann am Ende des Benefizkonzertes – für Nils Schad.

Der Orchesterchef musste aus einer witzig vorgetragenen Vereinsgeschichte 61 darin verpackte Titel heraushören. Seine Frau schaffte immerhin 60.

„Diese Leistung kann sich sehen lassen“ fanden die Musiker Max Bauer, Ullrich Epple, Ellen Gebhard und Johannes Högel und bedankten sich namens ihrer Mitstreiter an den einzelnen Registern bei Tausendsassa Nils Schad für 25 Jahre engagiertes Führen mit einem Mosaik aus 8000 kleinen Bildern, das Nils Schad in Aktion zeigt.

Wie nicht anders zu erwarten war, ließen die Besucher „Frisch gestrichen“ nicht ohne Zugaben von der Bühne und feierten die „Musiker mit der sozialen Ader“ mit minutenlangem Beifall und Ovationen.

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