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Mindelheim

28.06.2018

Frundsbergfest: Des Kaisers neue Kleider

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11 Bilder
Am Anfang war der Stoff – viel Stoff! – und der Mut, ihn zu zerschneiden. Allein 170Stunden Handarbeit stecken in den Gewändern.
Bild: Lippl

Mit dem neuen Mindelheimer Kaiserpaar Julia und Markus Lutzenberger werden auch prächtige Gewänder vorgestellt. Wir haben deren Entstehung begleitet.

Viele Frauen in Mindelheim und Umgebung sind in den vergangenen Monaten emsig an der Nähmaschine gesessen – mal brauchte es einen neuen Rock für die um einige Zentimeter gewachsene Tochter, mal musste die eigene Kopfbedeckung aufgepeppt oder das Hemd des Mannes geflickt werden. Und so sehr die Näherei – und vor allem ihre Ergebnisse – auch Freude bereiten, so sehr ist sicher auch geflucht worden in Mindelheim: über Stiche, die nicht perfekt saßen, über Schnitte, die nicht passten, und über Nähte, die wieder mühsam aufgetrennt werden mussten.

Ob und wie oft in letzter Zeit in der Nähstube des Frundsberg Festrings geflucht wurde, ist nicht überliefert. Wohl aber ein paar Fakten zum Gewand des neuen Kaisers Maximilian I. und seiner Frau Maria Bianca Sforza, dargestellt von Markus und Julia Lutzenberger. 13 Meter Samt, 14 Meter Brokat, 150 Meter Borten und Bänder, 1000 Perlen allein für die Kaiserin, 170 Stunden Handarbeit. Diese Zahlen lassen auch Nähprofis den Atem stocken. Und selbst bei den versierten Frauen der Nähstube kam es manches Mal zu blutigen Fingern, zum Beispiel beim Verzieren des aufwändigen Ledergürtels mit Metallornamenten, die sich auf dem Kleid und dem Ärmel des Kaisers wiederholen.

Seit Anfang des Jahres wird an den beiden Kostümen gearbeitet. Erst wurde das künftige Kaiserpaar vermessen, dann wurde der Stoff in einem Textilhandel in Friedberg bei Augsburg gekauft, von dem auch professionelle Theater ihr Material beziehen. Farblich trägt die Kaiserin das Gegenstück zum Gewand ihres Mannes. Großes Mitspracherecht haben die beiden Darsteller nicht – schließlich geht es weniger um ihren persönlichen Geschmack als um eine historisch korrekte Darstellung.

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Entwickelt wurden beide Kostüme nach historischen Vorlagen – Bronzestatuen aus Innsbruck, Bilder von Albrecht Dürer und Bernhard Strigel. Das Gewand der Kaiserin entstand vor allem im Atelier von Schneiderin Patricia Honold in Schlingen. Um einzelne Handarbeiten sowie die Bekleidung von Kaiser Maximilian kümmerte sich die Nähstube des Festrings. Fast ein Dutzend Frauen ist hier tätig; um das Kaiserkostüm kümmerten sich überwiegend neben Leiterin Uli Spies auch Helga Remmele und Centa Bosch – die trotz ihres großen Engagements am liebsten im Hintergrund bleiben wollen. Die fleißigen Frauen haben vieles mit der Hand genäht und saßen wegen der üppigen, schweren Stoffe auch nicht selten zu zweit an der Nähmaschine.

Immer wieder hat die Mindelheimer Zeitung die Arbeitsschritte begleitet. Wie Kaiser und Kaiserin im Kostüm aussehen, wird aber erst am Donnerstagabend verraten. Dann nämlich werden die beiden beim Festakt vorgestellt. Auch hier wird die Arbeit der Näherinnen sicher entsprechend gewürdigt werden. Und spätestens, wenn das Kaiserpaar mit seinen prächtigen Gewändern durch die Altstadt spaziert und bewundernde Blicke erntet, dürften auch bei den Frauen in der Nähstube und bei Patricia Honold alle Arbeit und Mühe vergessen sein und die Freude über die prächtigen Kostüme überwiegen.

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