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Memmingen/Bad Wörishofen

09.07.2019

Führen Fasern zum Haupttäter von Bad Wörishofen?

Das Memminger Landgericht arbeitet den gewaltsamen Tod eines Mannes in Bad Wörishofen juristisch auf.
Bild: Max Kramer

Plus Drei Männer sollen einen Bekannten zu Tode geprügelt haben. Einer von ihnen ist mehrfach vorbestraft, war psychisch auffällig - und trat in der Tatnacht zu.

Es waren nur wenige Worte, doch erstmals seit Prozessbeginn sprach der jüngste Angeklagte. „Stimmt, aber das ist vergangene Zeit eigentlich“, sagte der Mann auf die Frage von Richter Christian Liebhart, ob die soeben vorgelesenen Vorstrafen so stimmten. Was er auf dem Kerbholz hat, klingt wie ein bunter Streifzug durch das Strafgesetzbuch: Diebstahl, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung, Trunkenheit im Verkehr, Nötigung, falsche Verdächtigung – und insgesamt sieben Körperverletzungen. Mehrfach musste er deshalb bereits ins Gefängnis.

Der Fall, der momentan vor dem Landgericht Memmingen verhandelt wird, könnte den Mann und seine zwei Mitangeklagten aber deutlich länger als bisher hinter Gitter bringen. Sie sollen im September 2018 in einem ehemaligen Kurhotel in Bad Wörishofen einen Bekannten verprügelt haben, bis dieser starb. Am vorletzten Verhandlungstag verdichtete sich das Bild davon, was in der Nacht vom 4. auf den 5. September in dem kleinen Kellerzimmer geschah.

Sportschuh-Fasern liefern Hinweise zum Totschlag von Bad Wörishofen

Ein Sachverständiger berichtete, an den Schuhen der drei Angeklagten seien Fasern von der Kleidung des Toten gefunden worden. Eine aussagekräftige Spurenüberkreuzung, also Spuren des Opfers am möglichen Täter und umgekehrt, gab es jedoch nur beim jüngsten Angeklagten. So fanden die Ermittler vier Fasern seines rötlichen Schuhfutters auf der Innenseite der Trainingshose des Getöteten. „Es muss einen direkten, intensiven Kontakt gegeben haben“, sagte der Sachverständige vor Gericht. Solche Spuren entstünden nicht durch einen „normalen Umgang“ wie etwa beim Vorbeigehen. Dies gelte umso mehr, als die Fasern eigentlich nur schlecht vom Futter des Sportschuhs abgingen. Die Spuren seien deshalb im Zusammenhang mit der Tat zu interpretieren.

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Die Schuhe der anderen beiden Angeklagten, die wegen kleinerer Delikte ebenfalls vorbestraft sind, hätten dagegen auch indirekt in Berührung mit den Fasern des Toten in Berührung kommen können. Der älteste Tatverdächtige hatte etwa als Zimmernachbar täglich Kontakt mit ihm. Wie genau die Fasern an die Schuhe der Tatverdächtigen gelangt seien, könne man letztlich aber nicht endgültig feststellen.

Der jüngste Angeklagte wollte vom Alkohol wegkommen

Einen Einblick in das Wesen des jüngsten Angeklagten gab Dr. David Janele, Oberarzt an der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Regensburg. Dort wurde der Tatverdächtige Ende Mai 2016 aufgenommen, nachdem er rund ein Jahr zuvor zum vorerst letzten Mal verurteilt worden war. „Er wollte vom Alkohol wegkommen, weil er keine Körperverletzungen mehr begehen wollte“, sagte Janele.

Zu Beginn der damaligen Behandlung verhielt sich der Angeklagte nach Angaben des Arztes eher zurückhaltend. Rund eineinhalb Monate später kam dann aber der erste Rückschlag, als er die synthetische Droge Spice zu sich nahm. Mitte August 2016 war ein weiterer Drogentest positiv. Wiederum zwei Wochen danach meldete sich in der Station ein Mann, der sich als Stiefvater des nun Angeklagten ausgab. Er gab für seinen vermeintlichen Stiefsohn Kleidung und ein paar Alltagsgegenstände ab, darunter auch eine Shampoo-Flasche – darin: ein Päckchen Heroin.

„Er nahm das eher mit einem Lächeln hin“, sagte Janele über den Vorfall. Wenn er dagegen nicht bekommen habe, was er wollte, habe man „eine gewisse Kränkbarkeit“ feststellen können. Der Angeklagte habe Anzeichen einer dissozialen Persönlichkeitsstörung gezeigt, die letztlich aber nicht nachzuweisen gewesen sei. Menschen mit dieser Störung missachten oft soziale Normen und haben Probleme im Umgang mit anderen. Denkbar sei auch, so der Arzt, dass der Angeklagte narzisstisch veranlagt sei. Nach Abbruch der Therapie kehrte der Angeklagte Mitte November 2016 ins Gefängnis zurück.

Ein Bild zeigt, wie der Tote misshandelt wird

Dass der Mann knapp drei Jahre später maßgeblich am Tod seines Bekannten in Bad Wörishofen beteiligt gewesen sein soll, dafür sprach auch die Überwachung seines Smartphones, das nach seiner Festnahme am 4. Oktober gefunden wurde. Der zuständige Ermittler erklärte, der Angeklagte habe sich „konspirativ“ verhalten. So erklärte er unmittelbar nach der Tat einer Freundin, er könne nicht offen sprechen, da er möglicherweise von der Polizei abgehört werde. Außerdem sagte er kurz nach einer Polizeivernehmung Ende September zu einem Bekannten, dass er sämtliche Daten von seinem Mobiltelefon gelöscht habe.

Wie der Ermittler berichtete, konnten trotzdem noch einige Dateien auf dem Gerät gefunden werden – darunter auch das Kleinformat eines Bildes, mutmaßlich aus der Tatnacht. Dort war wohl unscharf, aber eindeutig zu sehen, wie der Tote schwer misshandelt und regungslos auf dem Bauch in seinem Bett lag.

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