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Eppishausen

13.05.2020

Für Eppishausens Bürgermeister Josef Kerler endet ein „toller Job“

„Alles zu seiner Zeit. Es gehören irgendwann wieder Junge ran.“Josef Kerler war unheimlich gerne Bürgermeister von Eppishausen. Nach zwölf Jahren in diesem Amt und 18 Jahren als Kreisrat zieht er sich nun aus Altersgründen aus der Kommunalpolitik zurück – und würde sich freuen, wenn er nach der Corona-Krise wieder einmal ein paar Tage in Südtirol verbringen könnte.
Bild: Sandra Baumberger

Plus Zwölf Jahre lang führte Josef Kerler die Gemeinde Eppishausen als Bürgermeister ehrenamtlich. Eine Aufgabe, die viel Freizeit kostete, aber die er gerne gemacht hat.

Hätten ehrenamtliche Bürgermeister Anspruch auf Urlaub, hätte Josef Kerler locker schon im vergangenen Jahr seinen Schreibtisch in der Gemeindekanzlei von Eppishausen räumen können. Denn bis auf das eine oder andere verlängerte Wochenende war der 69-Jährige in den vergangenen zwölf Jahren immer im Dienst – und das auch, wenn er nicht in seinem Büro anzutreffen war. Sein Hof liegt praktischerweise nämlich direkt nebenan und wurde so oft zur „Zweitkanzlei“. „Das war aber absolut erträglich“, versichert Kerler, der sich keineswegs als aufopferungsvoller Märtyrer darstellen will. „Ich hab’ das ja sehr, sehr gerne gemacht“, sagt er.

Die Politik ist eine Leidenschaft von ihm, schon in seiner frühesten Jugend hat er sich dafür interessiert – und sich schließlich auch selbst engagiert. 2002 wurde er auf der Liste der CSU in den Kreistag gewählt und das mit so gutem Ergebnis, dass der Gedanke, auch als Bürgermeister etwas bewirken zu können, nicht fernlag. Zumal er sich auch zuvor schon vielfältig engagiert und mitgestaltet hat: 33 Jahre lang war er im Vorstand des Maschinenrings Unterallgäu und auch im Landes- und Bezirksverband aktiv, er war Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstand der Molkerei und brachte sich in verschiedenen Gremien der Tierzucht mit ein, um nur einige Beispiele zu nennen.

Schon vor der Wahl zum Bürgermeister war Kerler viel unterwegs

Entsprechend sei er schon vor seiner Wahl zum Bürgermeister vier Tage die Woche unterwegs gewesen – „und als Bürgermeister nicht weniger“, sagt Kerler, der im Gespräch mit der MZ mehrmals betont: „Da habe ich meiner Frau viel zu verdanken. Wenn sie und meine ganze Familie nicht so hinter mir gestanden wäre, wäre das gar nicht so gegangen“, ist er überzeugt. Sie hat ihm den Rücken freigehalten, sich um die sechs Kinder gekümmert und auch um die Landwirtschaft, Kerlers zweite große Leidenschaft. „Landwirt war immer mein Traumberuf. Das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann“, sagt er. Den Hof hat er zwar längst an seinen Sohn übergeben, doch er arbeitet immer noch gerne mit. „Ich muss nicht helfen“, sagt er. „Aber ich mach’ das wahnsinnig gern.“

Genau wie das Bürgermeisteramt, das er gerne noch weiter ausgeübt hätte, wenn er denn noch ein paar Jahre jünger wäre und wenn ihm die Bürger noch einmal ihr Vertrauen geschenkt hätten. Doch diesen Monat feiert er seinen 70. Geburtstag und Kerler findet: „Alles zu seiner Zeit. Es gehören irgendwann wieder Junge ran.“

Obwohl er diese Entscheidung schon vor Jahren getroffen und nicht damit gehadert hat, kommt jetzt, wo es so weit ist, doch ein wenig Wehmut auf. „Das war für mich ein toller Job. Ich hab’ das immer gern gemacht und ich hab mich da voll reingehängt.“ Und so schwingt auch ein wenig Stolz mit, wenn er erzählt, dass die Gemeinde für die geplante Erweiterung des Kindergartens gerade noch den höchstmöglichen Zuschuss bekommen hat, weil sie sich – wie auch bei der Förderung für den Radweg nach Mörgen – beherzt darum gekümmert hat. „Das sind Sachen, wo man dranbleiben muss“, sagt Kerler.

Die Gas- und Glasversorgung Eppishausens sei der größte Erfolg

Nach seinem größten Erfolg gefragt, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: „Die Gas- und Glas-Versorgung. Damit haben wir unsere Gemeinde zukunftsfest gemacht. Es gibt Glasfaser in jedes Haus. Was wollen wir mehr?“ Das und ein Erdgasnetz seien in einer Flächengemeinde wie Eppishausen vor zehn Jahren undenkbar gewesen, sagt Kerler und spricht von einem Jahrhundertprojekt.

In den vergangenen Jahren hat er es geschafft, eine Bezirkstagssitzung, zwei Bürgermeistertreffen des Bayerischen Gemeindetags Unterallgäu und ein mittelschwäbisches Bürgermeistertreffen nach Eppishausen zu holen, das immerhin von sich behaupten kann, die geografische Mitte Schwabens zu sein. „Da geht es auch darum, die Gemeinde zu präsentieren“, sagt Kerler, dem durchaus bewusst ist, dass die idyllische Lage seines Heimatortes nicht nur Vorteile mit sich bringt.

„Wir haben zwar eine wunderschöne Landschaft, aber keinen Autobahnanschluss und keinen Bahnhof. Deshalb müssen wir schauen, dass wir die Lebensqualität der Bürger erhalten und erhöhen.“ Dazu soll auch der Flexibus beitragen, der – trotz der einen oder anderen Schwachstelle – für Eppishausen eine „große Errungenschaft“ sei. Um einen Anreiz zu schaffen, das Angebot auch zu nutzen, bekommen Senioren ab dem 75. Geburtstag von der Gemeinde Freifahrscheine geschenkt.

Sein Amt übergibt Kerler an seine frühere Mitarbeiterin

Kerler ist zufrieden mit dem, was er in den vergangenen Jahren geschafft hat. Die Gemeinde steht gut da, finanziell sogar so gut wie nie zuvor. „Ich kann beruhigt gehen“, sagt er. Es sei stets sein Grundsatz gewesen, alle Bürger gleich zu behandeln und alle Ortsteile im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ausgewogen zu berücksichtigen.

Susanne Nieberle

„Was bleibt, ist die Erinnerung an eine bewegte, arbeitsreiche Zeit mit vielen netten Begegnungen und etlichen unschönen Erfahrungen“, schreibt Kerler zum Abschied im Gemeindeblatt, das künftig seine Nachfolgerin Susanne Nieberle unterzeichnen wird (Lesen Sie hier: Eppishausen). Eine Übergabe zwischen ihr und Kerler war im Übrigen überflüssig. Schließlich war sie bis vor wenigen Tagen seine Sekretärin und „in jedem Thema drin“, so Kerler.

Lesen Sie hier:

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