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16.06.2009

"Für dieses Großfeuer kann man nicht die Gemeinde an die Wand nageln"

Erisried Ein wahres Horrorwochenende liegt hinter den Feuerwehrkameraden. Bis Sonntag, 23 Uhr, waren die Helfer rund um die Uhr in Erisried im Einsatz, um zu retten, was oft nicht mehr zu retten war. Selbst ältere Bewohner in und um Erisried können sich nicht entsinnen, schon einmal eine Katastrophe dieses Ausmaßes in Erisried erlebt zu haben.

Am Samstag war mitten in dem 300-Seelen-Ort nachmittags in einem aufgelassenen Heustadel Feuer ausgebrochen. Die Folgen waren dramatisch: Die Flammen griffen auf Nachbargebäude über und zerstörten zwei landwirtschaftliche Anwesen und eine Maschinenhalle der Schuster GmbH Landmaschinen-Agrardienste vollständig. Der Sachschaden geht in die Millionen (wir berichteten). Die Kripo Memmingen ist dabei, die Brandursache zu ermitteln. Neuere Erkenntnisse lagen gestern aber noch nicht vor.

Will man dem Großbrand überhaupt etwas Positives abgewinnen, dann die Tatsache, dass er ohne ernstliche Verletzungen abgegangen ist. Feuerwehren aus dem ganzen Umkreis waren im Einsatz. Herbeigeeilt waren die Kameraden aus Apfeltrach, Dirlewang, Mussenhausen, Saulengrain, Stetten, Markt Rettenbach und der Stadt Mindelheim. Unterstützt wurden sie vom Technischen Hilfswerk, den Rettungsdiensten und der Polizei.

Einer, der wie viele andere auch bis an den Rand der Erschöpfung rund um die Uhr gearbeitet hat, war Erisrieds Kommandant Hubert Ritzel. Er sprach gegenüber der MZ an, mit was die Feuerwehrmänner besonders zu kämpfen hatten: es fehlte an Wasser.

"Für dieses Großfeuer kann man nicht die Gemeinde an die Wand nageln"

Über die Leitung kommt zu wenig Nass

Wie ist das möglich? Ritzel sagte, es gebe einen Hochbehälter, der 400 Kubikmeter Löschwasser fasst. Dieser ist fünf, sechs Jahre alt. Seit zwei Jahren sei bekannt, dass über die Leitung zu wenig Wasser im Dorf ankomme. Es sei zwar vonseiten der Gemeinde und der Wassergenossenschaft nach der Ursache geforscht worden.

Das bestätigte Thomas Sturm, der Vorsitzende der Wassergenossenschaft, die im Vorjahr gegründet worden war. Die Leitung sei aufgegraben worden und auf schadhafte Stellen hin abgefilmt worden. Die Ursache, warum zu wenig Wasser in Erisried ankommt, obwohl der Druck normal sei, ist laut Sturm bis jetzt nicht geklärt.

Sturm stellte grundsätzlich klar, dass für den Brandschutz die Gemeinde zuständig ist, nicht die Genossenschaft. Dass das Großfeuer jetzt solche Schäden verursacht hat, "dafür kann man nicht die Gemeinde an die Wand nageln".

Erisrieds Kommandant Ritzel hat allerdings bereits seit Jahren wiederholt die Gemeinde aufgefordert, die Wasserversorgung zu verbessern, auch wenn er anerkennt, dass schon einiges geschehen sei. Er sagt aber auch angesichts des Ausmaßes der Brandkatastrophe, dass selbst bei deutlich mehr Wasser "nicht zu verhindern gewesen wäre, dass die Gebäude niederbrennen".

So argumentiert auch Stettens Bürgermeister Peter Schropp. 700 Liter Wasser je Minute seien bereit gestanden. 920 Liter wären Vorschrift, räumt er ein. Bei 250 Feuerwehrleuten, die gleichzeitig Wasser benötigten, wäre aber selbst ein Vielfaches zu wenig gewesen, meint Schropp.

Die Gemeinde will sich nun mit dem Kreisfeuerwehrverband und dem Landratsamt zusammensetzen um zu beraten, ob und wie der Brandschutz verbessert werden könne. Dies auch vor dem Hintergrund, dass es in Erisried größere Firmen gibt sowie stattliche landwirtschaftliche Anwesen.

Aufgelassene Scheune war voll mit Heu

Aus Sicht des Bürgermeisters war das Hauptproblem am Samstag, dass in der Frühphase des Brandes wegen eines Alarmierungsfehlers zu wenige Tanklöschfahrzeuge vor Ort gewesen seien. Hinzu kommt, so Schropp weiter, dass das Feuer in einem mit Heu beladenen Stadel ausgebrochen war, der nur vier Meter von der Werkstatt entfernt stand.

"Wenn der Stadel leer gewesen wäre, hätte es nicht diesen großen Feuerball gegeben". Peter Schropp nimmt den Fall nun zum Anlass, alle ehemaligen Landwirte zu bitten, ihre aufgelassene Bauernhöfe von leicht brennbaren Materialien zu befreien.

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