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Hochzeit mit Spanier

06.11.2013

Fürstin Fugger: Trauung gilt vor dem Gesetz nicht als Ehe

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Bereits zwei Mal gastierte der spanische Gitarrist José d’Aragon im Kirchheimer Zedernsaal. Unser Archivbild stammt von seinem ersten Auftritt im Juli und zeigt ihn zusammen mit Angela Fürstin Fugger von Glött.
Bild: Stegen

Fürstin Angela Fugger von Glött hat einen 30 Jahre jüngeren spanischen Musiker geheiratet. Ihre rein kirchliche Ehe gilt aber vor dem Gesetz wenig.

Einzelne Leser haben sich gestern verwundert gezeigt: Wie ist das möglich, dass Angela Fürstin Fugger von Glött nur kirchlich ohne Standesamt heiratet? Der deutsche Gesetzgeber erlaubt dieses Verfahren seit exakt 1. Januar 2009. Groß mitbekommen haben diese Rechtsänderung aber nur wenige.

Damit besteht nun die Möglichkeit, kirchlich zu heiraten, ohne eine Ehe im Sinne der staatlichen Gesetze zu schließen. Vor 2009 galt es als Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 67 des Personenstandsgesetzes, wenn jemand „eine kirchliche Trauung vornimmt, ohne dass zuvor die Verlobten vor dem Standesamt erklärt haben, die Ehe miteinander eingehen zu wollen“.

Im Regierungsentwurf wurde bereits 2006 festgestellt, dass nur die standesamtliche Eheschließung eine Ehe im Rechtssinne begründen könne und damit Vorrang vor einer kirchlichen Trauung oder sonstigen religiösen Feierlichkeiten habe.

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Relikt aus dem Bismarckreich

Das Verbot der religiösen Voraustrauung war ein Relikt aus dem Bismarckreich, durch das die verpflichtende Zivilehe geschützt werden sollte. Eine kirchliche Trauung durfte also erst dann erfolgen, wenn die Ehe zuvor auf dem Standesamt für gültig erklärt worden war.

Pfarrer, die sich die Bescheinigung über eine standesamtliche Trauung nicht haben zeigen lassen, waren mit Ordnungsgeld bedroht. Das ist jetzt seit 2009 vom Tisch.

Eine kirchliche Trauung gilt vor dem Gesetz nicht als Ehe. Gesetzliche Regelungen, die für Ehegatten mit standesamtlicher Trauung gelten, sind bei nur kirchlich geschlossenen Partnerschaften nicht gültig. Das wäre zum Beispiel beim Unterhalt, Vermögensausgleich, Erbrecht, Steuerrecht, Recht der Totensorge oder Zeugnisverweigerungsrecht der Fall.

Fürstin Fugger ist im staatlichen Sinne weiterhin verwitwet

Bei einer standesamtlichen Heirat würde im Falle einer Scheidung das Scheidungsfolgenrecht in Kraft treten. Bei einer kirchlichen Trauung gibt es Vergleichbares nicht. Da die kirchliche Trauung allein keine zivilrechtlichen Wirkungen entfaltet, gelten die Partner im staatlichen Recht weiterhin als nicht miteinander verheiratet.

Ein vor der kirchlichen Trauung bestehender Familienstand wie „verwitwet“ oder „geschieden“ ändert sich durch die kirchliche Ehe nicht. Fürstin Angela Fugger von Glött ist im staatlichen Sinne also weiterhin verwitwet, obwohl sie sich kirchlich hat trauen lassen.

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