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Unterallgäu

30.05.2019

Ganz besondere Väter im Unterallgäu

Georg von Frundsberg (hier dargestellt von Hannes Weber) kam vor 500 Jahren in Mindelheim an die Macht. Er gilt als Vater der Landsknechte.
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Georg von Frundsberg (hier dargestellt von Hannes Weber) kam vor 500 Jahren in Mindelheim an die Macht. Er gilt als Vater der Landsknechte.
Bild: Johann Stoll

Zum Vatertag haben wir uns auf die Suche gemacht und im Landkreis ganz besondere Vaterfiguren gefunden.

Der Vater der Landsknechte

Als „Vater der Landsknechte“ gilt Mindelheims größter Sohn, Georg von Frundsberg. Und das nicht, weil der Feldherr Kinder unter den Landsknechten gehabt hätte, wie Kulturamtsleiter Christian Schedler anmerkt. Vielmehr genoss Frundsberg bei seinen Söldnern hohes Ansehen, weil sie sicher sein konnten, dass sie unter seinem Kommando nicht sinnlos verheizt wurden. Von Frundsberg ist überliefert, dass er auch mal eine Schlacht als verloren aufgab, nur um seine Leute zu schonen. Das hat Reinhard Baumann in seiner großen Frundsberg-Biographie herausgearbeitet.

Im ausgehenden Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit war ein so rücksichtsvolles Verhalten nicht üblich. In den Bauernkriegen zum Beispiel war es eher die Regel, dass die Aufständischen schonungslos niedergemacht wurden. Unter Frundsbergs Landsknechten waren viele Bauernsöhne. Er hat sie menschlich behandelt, sagt Schedler. Anders übrigens als Jörg von Waldburg im Allgäu, der den Beinamen „Bauernschlächter“ bekam. Georg von Frundsberg war aber nicht nur der Vater der Landsknechte. Er hatte auch elf Kinder. Neun stammten von seiner ersten Frau Katharina von Schrofenstein, drei von seiner zweiten, Anna von Lodron.

Der geistliche Vater

Für Pater Eli steht am Vatertag natürlich der kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt im Vordergrund. Allerdings könnte er durchaus auch den Vatertag mitfeiern. Denn wenn man so will, hat Pater Eli jede Menge Kinder. Die Anrede des Ordenspriesters mit „Pater“ bedeutet übersetzt schließlich nichts anders als Vater – und als solcher ist er für die gesamte Pfarreiengemeinschaft Dirlewang zuständig, zu der die Pfarreien Dirlewang, Köngetried, Unteregg, Oberegg, Warmisried, Stetten und Erisried gehören, also ziemlich viele Gläubige.

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Seine Vaterrolle versteht Pater Eleuterio Carlos Fernandes, wie er mit vollem Namen heißt, als Geschenk und Gnade Gottes. „Ich bin gerne der seelsorgerische und geistliche Vater in der Gemeinde“, sagt Pater Eli, der zuerst als Kaplan tätig war und seit 2005 Pfarrer ist. Er engagiert sich in seiner Pfarreiengemeinschaft, wo er nur kann und ist bei Jung und Alt für sein stets offenes Ohr bekannt und immer eine Anlaufstelle, wenn geistlicher Beistand vonnöten ist – oder ein passionierter Fußballspieler. Er hat auch schon in der Fußballmannschaft des Bistums Augsburg mitgekickt und nicht zuletzt deshalb etliche Fans unter den Jüngeren in seiner „Kinderschar“.

Der Vater der Kneippkur

Der „Vater-Kneipp-Brunnen“ steht gut sichtbar am Rande des Kurparks von Bad Wörishofen. Gewidmet ist er natürlich Pfarrer Sebastian Kneipp, der heuer 198 Jahre alt geworden wäre. Dass man ihn trotzdem noch in Bad Wörishofen antreffen kann, liegt an Peter Pohl aus Stockheim, der bei offiziellen Anlässen regelmäßig in die Rolle dieses Vater Kneipps schlüpft. Seit zehn Jahren macht er das nun schon.

„Ich will den Leuten die Kneippkur nahe bringen“, sagt Pohl. „Es geht darum, die Menschen dabei an die Hand zu nehmen, ihnen etwa das Schneetreten zu zeigen; das hat schon etwas Väterliches“, findet Pohl. Der 69-Jährige ist selbst überzeugter Kneippianer, hat 25 Jahre lang im einstigen Kneippianum gearbeitet, einer der drei Stiftungen Kneipps. „Ich mache jeden Tag meinen Kneipp-Guss, gehe im Winter zum Schneetreten und wenn ich ein gesundheitliches Problem habe, behandele ich mich mit Kneipp“, sagt Pohl. Der Pfarrer hat ihn noch mehr inspiriert, seit er ihn selbst darstellt. „Ich versuche tatsächlich, eben diesen väterlichen Kneipp rüberzubringen“, verrät Pohl. Dazu braucht es auch nicht immer die große Geste, hat er festgestellt: „Es sind oft die kleinen Dinge, um die es geht“.

Der Herbergsvater

Martin Ruf leitet zusammen mit seiner Frau das Maria-Ward-Internat in Mindelheim – und kann der Bezeichnung „Herbergsvater“ herzlich wenig abgewinnen. „Mich stört vor allem der Begriff ,Herberge‘“, sagt er. „Wir sind ja kein Hotel, wo es nur Kost und Logis gibt, sondern bemühen uns, so etwas wie eine zweite Familie für die Mädchen zu sein.“ Aber auch mit der Vaterrolle ist das so eine Sache: Der 42-Jährige sieht sich eher als Ratgeber. „Ich glaube, die Kinder erzählen uns Sachen, die sie zuhause nicht erzählen würden. Eben weil wir nicht Mama und Papa sind.“ Die Mädchen siezen ihn und natürlich agiere er mit ihnen anders als mit seinem siebenjährigen Sohn. „Der ist mir schon am wichtigsten.“ Am Vatertag wird er allerdings wie in all den Jahren zuvor auf seinen Papa verzichten müssen. Da steht im Internat nämlich traditionell der Jahresausflug an. „Die Mädels wissen zu schätzen, dass ich den Tag mit ihnen verbringe“, sagt Martin Ruf. Er selbst nimmt den Vatertag nicht so wichtig. „Das ist für mich ein christlicher Feiertag, auf den der Vatertag draufgesetzt ist.“ Und auch, dass er nicht mit seinem Sohn feiern kann, sei nicht weiter schlimm: „Lieber bin ich 364 Tage im Jahr für meinen Sohn da als nur an diesem Vatertag.“

Der Turnvater

„Turnvater“, dieser Beiname trifft es bei Erwin Strodel schon beinahe nicht mehr. Vielmehr wäre „Turngroßvater“ passender. Denn der 83-jährige Strodel ist die prägende Gestalt der Turnabteilung des TSV Markt Wald. Noch heute ist er als Trainer im Einsatz, „weil es meistens zu wenige Trainer sind“, wie er sagt. Als 18-Jähriger hat er den Posten des Jugendwarts im Verein übernommen – und bis heute ist der dreifache Vater dabei, wenn die Markt Walder Turner für Aufsehen sorgen. Sein Sohn Markus ist mittlerweile Vorsitzender des Gesamtvereins in Markt Wald.

An turnbegeisterten Kindern mangelt es indes nicht in Markt Wald. An Talenten ebensowenig. So stellt der TSV Markt Wald seit Jahren einen Großteil der Zweitliga-Mannschaft TG Allgäu. Erwin Strodel hatte daran seinen Anteil. Auch heute noch steht er mit seinen 83 Jahren in der TSV-Turnhalle und zeigt dem Nachwuchs, was es heißt, zu turnen. Denn das war für Strodel stets mehr, als nur ein bisschen Bewegungstherapie. „Entweder ich mache es gescheit oder gar nicht“, lautet seit jeher sein Mantra. Er sei auch streng, „sonst geht ja nix“. Nur seine Enkel, die gibt er im Training lieber ab: „Bei anderen haben sie mehr Respekt“, sagt er.

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