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Serie "Kunstpause"

23.06.2020

Gedichte und Geschichten vom „Gemeinen Feldhamster“

Ein Feldhamster krabbelt auf einer Ackerfläche aus seinem Bau. Er hat Sabine Smolik-Pfeifer zu einer Geschichte über "Anton Knusperzahn" inspiriert.
Bild: Uwe Anspach/Illustration (dpa)

Plus Sabine Smolik-Pfeifer regt mit ihren Texten zum Schmunzeln und Nachdenken an – auch über Corona. Wir stellen die Künstlerin in unserer Serie "Kunstpause" vor.

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen. Heute: Sabine Smolik-Pfeifer.

Es ist eigentlich ein wenig gemein, über dieses so niedliche Tierchen die ganze Zeit Scherze zu machen. Die Corona-Krise hat ihn allerdings wieder aufs Tapet gebracht: den Feldhamster. Er sammelt und hamstert und gab den Menschen ein unrühmliches Gesicht, umrahmt von Bergen an Toilettenpapier. Dabei ist der Feldhamster ein Wildtier, das vom Aussterben bedroht ist. Die Autorin Sabine Smolik-Pfeifer hat ihm 2017 ein Buch gewidmet. Ihre Geschichte „Anton Knusperzahn, der Feldhamster“ ist eine gelungene Mischung aus Gedichten, Erzählungen und Fakten, dazu wunderschöne Naturfotografien.

Hörproben der Unterallgäuer Autorin gibt es kostenlos im Internet

Ein Jahr im Leben von Anton Knusperzahn ist ein Buch für alle Altersklassen, humorvoll, dabei mit fundierten Kenntnissen, spielerisches Lernen. Jetzt ist es als Hörbuch bei der Bookstream-GmbH in Wien erschienen. Wer reinhören will, kann dies dank einiger kostenloser Hörproben unter Storytel.

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Schon der Vater von Smolik-Pfeifer war Autor, über 50 Bücher hat er geschrieben, zur Wissenserweiterung und Herzensbildung, über Natur und Pflanzen und Tiere und auch Gedichte. Viel zu jung hat Sabine Smolik-Pfeifer ihn verloren und doch führt sie die Tradition fort. Derzeit nutzt sie die Krise für verschiedene Schreibprojekte. Sie hat zwei Manuskripte zu Ende geschrieben, und zwar „Meine lieben Biber“ und „Schniefnase und Triefmäulchen, eine Igelgeschichte“. Außerdem überarbeitet sie Bücher ihres Vaters, etwa das Buch über das Blutkörperchen „Näpfli“.

Dafür engagiert sich Sabine Smolik-Pfeifer

Seit Jahren engagiert sie sich im Bund Naturschutz, ist im Kunstverein Mindelheim Mitglied und im Schreibkurs. Alles Veranstaltungen, die den Alltag strukturieren, die Freundschaften hervorgebracht haben, die im regen Austausch auch Inspiration bedeuten. „Am meisten fehlen mir natürlich diese persönlichen Kontakte und Begegnungen, die gegenseitigen Besuche, allgemein die menschliche Nähe und die gemeinsamen Gespräche.“ Da geht es ihr wie den meisten, gleichwohl hat Sabine Smolik-Pfeifer immer Ideen im Kopf. „Ich setzte mich oft bewusst hin und überlege mir, wie ich in einem Gedicht von einem Thema erzählen würde. So war das auch jetzt mit der Krise.“ Und dann dauert es nicht lange und Smolik-Pfeifer hat ein Gedicht vor sich – das Corona-Gedicht. „Ich habe versucht, ein humorvolles Corona-Gedicht zu schreiben, mit dem ich einerseits einige wissenschaftliche Fakten vermitteln möchte, aber auch einige Hoffnungsfunken aussenden wollte.“

Sabine Smolik-Pfeifer

Wie viel Herzblut in ihrer Arbeit steckt, spürt man auch bei den Lesungen, ob es nun jene mit „Anton Knusperzahn“ vor Schulklassen sind, bei denen ein Stoffhamster sowie Körnersammlungen und Fotomaterial dabei sind, oder jene mit ihren witzig-skurrilen, bisweilen auch bitter-bösen Gedichten, für die sie durch einige Lesungen hier in der Region bekannt ist. Wer ein wenig in ihren Werken stöbern möchte, kann dies unter www.smolik-hw.de oder in der Deutschen Gedichtebibliothek unter www.gedichte.xbib.de. Dort findet man 84 Gedichte von ihr.

Corona

Überall schwurbeln die Viren herum, drum bindet euch lieber den Mundschutz um! Und haltet Abstand, kommt euch nicht zu nah! Sonst ruft das Corona-Virus „Hurra“!

Denn wenn man niest und wenn man hustet, wird es zwei Meter weit durch die Luft geprustet. Diese feuchte virale Sprühexplosion nennt der Doktor Tröpfcheninfektion.

Corona ist tückisch und sehr gemein, obwohl es bloß mikroskopisch klein. Wenn man 6000 Viren aneinanderreiht, sind sie zusammen nur ein Millimeter breit.

Trotzdem ist Corona ein ärmlicher Wicht, denn auf sich gestellt, da überlebt es nicht. Eigentlich trägt es nur sein Erbgut spazieren, zählt nicht zu den Pflanzen und nicht zu den Tieren.

Wie alle Viren ist es sehr unvollkommen, kann selbstständig keine Kinder bekommen. Es muss eine Wirtszelle finden und sie programmieren, und lässt so den Nachwuchs vom Wirt produzieren.

Deshalb stürzt sich Corona mit großer Gier auf den Menschen als super Nachwuchsquartier. Findet dann die Vermehrung erfolgreich statt, macht Corona zum Dank seinen Wirt auch noch platt.

Es lähmt die Flimmerzellen der Atemwege und blockiert deren kräftige Wellenschläge. Schleim und Schmutz bleibt so in den Lungen kleben. Die Atmung stockt. Das bedroht unser Leben.

Es folgen Erstickungsanfälle und Atemnot, eine Entzündung der Lunge und manchmal der Tod. Auch Fieber und Husten tritt häufig auf, doch nur zu 20 Prozent ein schwerer Verlauf.

Nein, Corona wird uns nicht unterkriegen! Der Mensch wird das blöde Virus besiegen! Wir bekämpften erfolgreich schon viele Viren. Auch diesmal werden wir nicht verlieren!

Zum Trost ein Spruch von Hölderlin zum Hausgebrauch:„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Weitere Folgen der Serie Kunstpause gibt es hier:

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