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Kleinkunst

22.03.2019

Gehen im Braustadel die Lichter aus?

Tscharlie Hemmer machte den Ramminger Braustadel in den vergangenen zwölf Jahren zu einem Fixpunkt für bayerische Kleinkunst und Kabarett. Im April soll nun der Vorhang fallen, wenn sich bis dahin kein geeigneter Nachfolger findet.
Bild: Maria Schmid

Plus Nach zwölf Jahren macht Tscharlie Hemmer im April Schluss. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Das Dutzend ist voll. Zwölf Jahre sind es nun, die Tscharlie Hemmer den Braustadel in Rammingen zu einem der beliebtesten Kabarettbühnen, zum idealen Lachtempel im Unterallgäu machte. Nun sollen sich die Türen schließen, die Klapp-Gartenstühle und Tische aufgeräumt werden, die Bühne nicht mehr für die Größen der Bayerischen und Schwäbischen Kabarett-Künstler zur Verfügung stehen?

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Das wird nicht nur die jeweils 150 Gäste sehr traurig stimmen. 60 Stammgäste konnten in jedem Jahr kaum das neue Programm erwarten, bis die Saison startete. Tscharlie Hemmer schaffte es, immer wieder auf der Homepage schreiben zu müssen „Ausverkauft“. Künstler, die große Häuser und Bühnen gewohnt sind, gaben sich die Klinken in die Hand.

Tscharlie fragte an und sie kamen sehr gerne, genossen den nahen Kontakt mit dem begeisterten Publikum. Toni Lauerer sagte schon bei seinem zweiten Auftritt im Braustadel: „Tscharlie, ich komme heim.“ Aus dem Programmgestalter Tscharlie Hemmer und dem Künstler entwickelte sich eine Freundschaft.

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Ist Toni Lauerer auf der Durchreise zu einem Auftritt, so übernachtet er bei seinen Freunden Tscharlie und Gerda Hemmer. Wie hat Tscharlie Hemmer es geschafft, Größen wie Gerhard Polt und viele andere nach Rammingen zu holen? Er sagt: „Ich hatte Glück, ein tolles Team und habe alles mit Herzblut gemacht.“ Ja, auf sein Team konnte er sich immer verlassen.

Auf sein tolles Team konnte sich Hemmer immer verlassen

Dazu gehören nicht nur seine Frau Gerda und seine Schwester Inge Hemmer-Hagg. Da zählt er vor allem auch den Wirt Martin Ledermann, die Service-Kräfte Fanny, Resi, Manu, Nadine und Andrea. Übrigens, Martin Ledermann sei ein Lebenskünstler.

Einmal fuhr er von Mindelheim mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Peking und war mal eben ein halbes Jahr weg. Immer kompetent und freundlich seien alle Team-Mitglieder, auch beim DVD-Drehen oder dem Aufhalten der Türe für die Gäste. Ganz besonders hebt Tscharlie Hemmer Heinz Bollmann hervor.

Er kommt aus München und kümmerte sich um die perfekte Tontechnik. Und das in all den Jahren ohne jemals einen falschen Ton zuzulassen. Er sagte nicht „Ich brauche das“. Er sagte: „Wir brauchen das.“ Heinz Bollmann sei von Anfang an mit im Boot gewesen, damals, als die Couplet AG mit Jürgen Kirner, die erste überregional bekannte Gruppe im Braustadel auftrat.

Apropos Anfang: Der erste auf der damals mehr als einfachen kleinen Paletten-Bühne war der „Broadway Joe“. Josef Haberstock aus den heimatlichen schwäbischen Gefilden, der Allgäuer Mundart-Kabarettist, gehörte immer wieder zum Programm im Braustadel. Ja, und der Zither-Manä, der im nächsten Jahr auf 40 Jahre zurückblicken kann. Außerdem gehörten immer wieder Marc & Simon dazu, die zu echten Freunden wurden.

Ja, Tscharlie Hemmer denkt auch an die Weihnachtsveranstaltungen, wozu besonders die Gruppe Anima Canta gehört hat oder wie im vergangenen Advent Monika Baumgartner mit den Wellküren, den Schwestern Burgi, Bärbi, Moni und ihrem Bruder Stofferl Well. Da ist vor allem auch Michael Well zu erwähnen. Er vermittelte Gerhard Polt, so dass der Meister des Kabaretts gleich zweimal nach Rammingen in den Braustadel kam. Und ist Tscharlie Hemmer einmal bei dem Künstler im Backstage, dann wird er persönlich von seinem „Kabarett-Gott“ begrüßt.

Warum die Harmonie mit den Künstlern stimmt

Dass die Harmonie zwischen Tscharlie und den Künstlern einfach stimmt, zeigt die Widmung von Gerhard Polt in seinem Buch „Gerhard Polt und auch sonst“: „Lieber Tscharlie, mit Begeisterung und fast Enthusiasmus, grüßt Dich nach dem Spektakel Dein Polt Gerhard.“ Für Tscharlie Hemmer die schönste Erinnerung, so auch die Bücher mit Widmungen von Toni Lauerer und Helmut Binser. Tscharlie Hemmers Wunsch ist es, einen Nachfolger für sich zu finden und eine neue Kassendame, die dann den Job seiner Frau Gerda macht.

Er ist bereit, die Verbindungen zu den Agenturen und Künstlern weiter aufrecht zu erhalten und seine Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Die Vorbereitungen für den Abschied begannen bereits 2017. Er sagt, er sei nun 69 Jahre alt und möchte die Verantwortung für den Braustadel in andere Hände geben und betont: „Im äußersten Notfall bin ich auch bereit einzuspringen.“

Die eigentlichen Abschieds-Vorstellungen finden an diesem Wochenende statt. Da kommt Toni Bartl von der Kaiserschmarrn-Alm mit „Knedl & Kraut“ gleich zweimal mit einer „Bayerische Weltreise“, am Samstagabend um 20.00 Uhr und die Zusatzvorstellung am Sonntagabend um 18 Uhr (beide Veranstaltungen sind ausverkauft).

Die letzte Vorstellung unter der Regie von Tscharlie Hemmer ist am Samstag, 13. April, um 20 Uhr, mit dem Programm von Wulli Wullschläger und Sonja Tonn. Sie singen über ihr „Herzensland“, Lieblingslieder für Lieblingsmenschen, und das mit Witz, Charme und Energie.

Eindrücke aus dem Braustadel gibt es hier:

Zum Lachen – wenn’s denn nicht so ernst wäre

Ruhige Töne im Lachtempel

Das Absurde und Komische in einem Atemzug

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