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Mindelheim

02.07.2019

Geht Mindelheim das Wasser aus?

Joachim Theys in der Pumpstation Mindelau. Dass aus den Hähnen in Mindelheim kein Wasser mehr kommt, hält Theys für ausgeschlossen.
Bild: Stoll

Plus Was wäre, wenn es mehrere Jahre hintereinander so trocken wäre wie 2018? Eine Spurensuche im städtischen Wasserwerk.

Die starken Regenfälle im Mai haben die Natur aufatmen und die Flüsse anschwellen lassen. Aber schon im Juni herrschte wieder Dauertrockenheit mit Temperaturen weit über den 30 Grad. Den Grundwasserpegel im Raum Mindelheim haben die Wassermengen aus dem Mai und von den Gewittern der jüngsten Tage allerdings nicht spürbar angehoben. Durch das extreme Trockenjahr 2018 war dieser um 2,50 Meter gefallen. Es müsste schon wochenlang regnen, damit die Vorräte an bestem Trinkwasser wieder aufgefüllt sind.

So tief war der Pegel des Grundwassers in Mindelheim noch nie gefallen

So tief war der Pegel noch nie gefallen, sagt der Leiter des städtischen Wasserwerks, Joachim Theys. Nicht einmal Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als es extrem trocken war, war der Grundwasserstock zu abgefallen. Muss man sich also in Zeiten des Klimawandels Sorgen um die Wasserversorgung in Mindelheim machen? Dass kein Wasser mehr aus den Hähnen kommt, das schließt Theys aus. Sollten sich allerdings mehrere Trockenjahre aneinanderreihen, hätte das Folgen. Die Stadt müsste dann tiefer bohren. Derzeit wird an den beiden Pumpstationen in Mindelau das kostbare Trinkwasser aus einer Tiefe von nur 14 Metern gepumpt. Bis auf 20 Meter sind die Anlagen ausgelegt. 900.000 bis eine Million Kubikmeter Wasser werden so jedes Jahr abgepumpt, um Mindelheim und ein paar umliegende Ortschaften wie Apfeltrach zu versorgen.

Kommt das Wasser aus tieferen Schichten, ist es stärker mit Mineralien wie Mangan und Eisen belastet, die dem Wasser wieder entzogen werden müssten. Und das kostet. Derzeit kosten 1000 Liter Trinkwasser 1,32 Euro. Die Aufbereitung würde also dazu führen, dass die Mindelheimer tiefer in die Tasche greifen müssten. Millionen von Euro müsste die Stadt investieren. Das Geld müssten die Bürger wieder über die Wassergebühr bezahlen.

Geht Mindelheim das Wasser aus?

„Wir sind derzeit mit sehr gutem und billigem Wasser verwöhnt“, sagt Theys. Die Qualität sei herausragend. 16 mal im Jahr wird dies durch das Labor muva in Kempten bestätigt. Selbst in der Düngeperiode übersteigt der Nitratwert nicht 25 Milligramm je Liter. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm. „Ich kenne kein Tafelwasser, das bessere Werte als das Mindelheimer Trinkwasser hat“, betont Theys. Das sollten sich die Verbraucher bewusst machen und darauf achten, dieses wertvolle Lebensmittel nicht zu verschwenden.

Selbst nach Wasser bohren ist übrigens verboten

Keine gute Idee ist es übrigens, selbst nach Wasser zu bohren. Handpumpen im Garten sind zwar erlaubt. Aber im eigenen Keller seine eigene Wasserversorgung aufbauen, das sei illegal, betont der 55-jährige Theys. Das Hauptproblem sei, dass es durch solche Brunnen zu Verkeimungen kommen könne, die auf das gesamte Wassernetz ausstrahlen können. Wer dafür verantwortlich gemacht werden kann, auf den kommt eine saftige Rechnung zu.

Fünf Mitarbeiter beschäftigt das Wasserwerk. Sie sorgen rund um die Uhr das ganze Jahr über dafür, dass immer bestes Wasser aus dem Hahn fließt. Am Computer kontrollieren Theys und seine Kolleginnen und Kollegen die Wasserstände in den Zwischenspeichern. In Nassenbeuren oder oben am Mindelberg stehen solche Behälter, die zweimal 250 Kubikmeter beziehungsweise zweimal 1500 Kubikmeter Wasser speichern können. Sobald in den Behältern der Pegel auf 1,80 Meter gefallen ist, setzen die Pumpen ein und füllen wieder auf. Das Rohrleitungsnetz aus Guss ist 100 Kilometer lang. Ein bis drei Prozent davon sollten jedes Jahr ausgetauscht werden, sagt Theys. Denn nur dann lassen sich größere Lecks vermeiden. Nachts, wenn es besonders ruhig ist, kommen Geräuschlogger zum Einsatz. Rund 100 sind im gesamten Wassernetz vergraben.

Damit lässt sich herausfinden, wo eine Leitung nicht mehr dicht ist. Weil die Stadt seit Jahren konsequent ihr Leitungsnetz erneuert, „war das Wasser noch nie ganz weg“, wie Theys berichtet. Einmal allerdings hatte ein Blitzschlag beide Pumpen außer Gefecht gesetzt. Weil das früh genug bemerkt worden war, merkte das keiner der Verbraucher.

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