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05.07.2010

Genmais bedroht auch den Kreis

Unterallgäu Mancher Maisbauer im Unterallgäu muss in diesen Tagen etwas tun, das ihm zutiefst widerstrebt: Er muss seine Ernte zerstören, auf Anordnung der Regierung von Oberbayern. Grund dafür ist gentechnisch verunreinigtes Saatgut aus Niedersachsen der Saatgutfirma Pioneer. Dies haben die betroffenen Bauern bedenkenlos gekauft und auf ihren Feldern angepflanzt. Im Unterallgäu sind derzeit 20 Bauern, die die entsprechende Saat gekauft haben, im Ostallgäu sind es zehn.

Dass sie die Pflanzen nun wieder herausreißen müssen und befürchten, auf ihren Kosten sitzen zu bleiben, liegt zu einem großen Teil auch an den Behörden in Niedersachsen. Diese haben bereits Anfang Februar Saatgutproben an einer Maissorte entnommen. Die Information, dass in zwei Maissorten Spuren von gentechnisch verändertem Mais gefunden wurde, kam aber erst Ende April, also rund zehn Wochen später. Zu diesem Zeitpunkt war das Saatgut bereits im Umlauf und Pioneer, das seinen Sitz in dem Bundesland hat, hatte das Saatgut bereits in sieben Bundesländer verkauft. Gerüchten zufolge wollten die Behörden in Niedersachsen mit dieser langen Wartezeit zwischen Untersuchung und Information auf die personelle Unterbesetzung protestieren. Da das Saatgut mit Chargenummern eindeutig zu identifizieren ist, ließ sich leicht nachvollziehen, welche Bauern den entsprechenden Mais angebaut haben. Und das Ausmaß der Belastung liest sich bedrohlich: Bis zu 900 Hektar Land seien in Bayern mit dem betroffenen Saatgut bepflanzt worden, davon alleine rund 750 Hektar nur in Bayerisch-Schwaben. Obwohl die Verunreinigung nicht immens ist - die für Gentechnik zuständige Regierung von Oberbayern spricht von Werten unter einem Prozent, der BBV geht von 0,003 Promille aus - müssen dennoch alle Pflanzen restlos zerstört werden. Schließlich gilt in Bayern die Null-Toleranz-Regelung in Bezug auf Gentechnik. Um die Entsorgung muss sich jeweils derjenige kümmern, der am wenigsten dafür kann - der betroffene Landwirt. Wie dessen Entschädigung aussieht, ist derzeit noch unklar.

Für den Unterallgäuer BBV-Geschäftsführer Helmut Mader aus Erkheim ein Unding. "Pro Hektar kann man ungefähr mit 1500 Euro Schaden rechnen", sagt er erzürnt. "Es ist ungeheuerlich, dass so etwas passieren konnte. Es ist der Oberhammer, was da in Niedersachsen geschehen ist." Bei den betroffenen Landwirten herrsche "eine Mischung aus Scham und Wut", wie Mader sagt - Wut, die sich gegen Pioneer richtet. Denn die Firma weigert sich bisher, Zusagen bezüglich der Ausgleichzahlungen für die Landwirte zu machen. Ein Ultimatum des BBV an das Unternehmen, eine verbindliche Zusage für eine außergerichtliche Einigung zu geben, lief letzte Woche aus. "Jetzt werden wir mit unseren Juristen die Klagen vorbereiten und die Sache durchprozessieren", sagt Mader. Ein Sachstand, den er auch gerne vermieden hätte, denn der Gang über den Rechtsweg kostet vor allem Zeit. Zeit, die die Bauern, die auf den Kosten für ihr Saatgut sitzen bleiben, eigentlich nicht haben.

Bauernverband wird Rechtsweg gehen

Die Verhandlungstaktik von Pioneer kann Mader schon allein deswegen nicht verstehen, weil der Firma eigentlich daran liegen müsste, einen guten Ruf bei den Bauern zu haben - schließlich ist sie darauf angewiesen, Abnehmer für ihr Saatgut zu haben. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass das Unternehmen aus Norddeutschland wegen Gentechnik in die Schlagzeilen gerät: 2005 gelangte schon einmal gentechnisch kontaminiertes Maissaatgut von Pioneer in mehrere Bundesländer. Bei dem Genkonstrukt handelte es sich um den wegen seiner negativen Auswirkungen auf Insekten umstrittenen Mon 810 des US-Konzerns Monsanto. Die Bauern waren erst nach der Aussaat von der Verunreinigung informiert worden. In Bayern waren damals 150 Hektar Maisäcker betroffen - eine bescheidene Zahl, verglichen mit dem Ausmaß der heutigen Entwicklung.

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