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Mindelheim

28.02.2020

Gericht: Jugendliche wegen Randale in Mindelheim verurteilt

Vier Jugendliche werden in Memmingen zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Plus Vier Jugendliche hinterlassen in Mindelheim eine Spur der Verwüstung. Nun wurden sie vom Amtsgericht Memmingen verurteilt.

Einen Schlussstrich hat jetzt das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Memmingen unter eine Serie von Einbrüchen und Sachbeschädigungen gezogen, die die Mindelheimer Polizei über zwei Jahre lang in Atem gehalten hat. Vor Gericht standen vier Heranwachsende, die am Ende noch einmal mit einem blauen Auge davonkamen.

Staatsanwältin Elisabeth Kiening brauchte fast eine halbe Stunde, um alle Straftaten vorzutragen. Und der vorsitzende Jugendrichter Dr. Markus Veit machte am Ende der Verhandlung den Angeklagten klar, dass die Bewährungsstrafen die letzte Chance seien, ihrem Leben noch eine positive Wendung zu geben.

Die Jugendlichen demolierten in Mindelheim Autos

Die Gerichtsverhandlung begann mit der akribischen Auflistung der einzelnen Straftaten, darunter mehrere Einbrüche in die Grund- und Mittelschule Mindelheim , bei denen die Beute jeweils relativ gering, der Sachschaden dagegen erheblich war. Eingebrochen wurde auch in ein Café in Mindelheim , wo die Täter jedoch überrascht wurden. In der ganzen Mindelheimer Innenstadt rissen die Jugendlichen zudem reihenweise Außenspiegel von parkenden Autos ab, zwischendrin versuchten sie es auch mit Pkw-Aufbrüchen.

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An der Mindelheimer Nordsee tobten sie sich aus, weitererer Sachschaden entstand durch mehrere Graffiti-Attacken. Zur Sprache kam auch ein Vorfall an einer Mindelheimer Tankstelle : Hier wurde einer der Angeklagten nach einem Diebstahl festgehalten und hat sich mit Gewalt befreit. Die lange Liste wurde durch verschiedene Drogendelikte vervollständigt und auch einige Verstöße im Straßenverkehr wie Fahren ohne Fahrerlaubnis kamen noch hinzu.

Unerlaubter Mitschnitt bei Polizei-Befragung

Die Jugendlichen schnitten heimlich Befragungen bei der Polizei per Handy mit und stellten diese ins Netz. „Verletzung des vertraulichen Wortes“ nennt man diesen Tatbestand. Außerdem diffamierten sie Polizeibeamte mit falschen Behauptungen in sozialen Netzwerken.

Nachdem Staatsanwältin Elisabeth Kiening die Anklage verlesen hatte, war es zunächst ruhig im Saal. Rechtsanwalt Peter Schreiner bat als erster ums Wort und bat auch im Namen seiner Kollegen den Richter um ein Rechtsgespräch. Die Sitzung wurde unterbrochen.

Die Jugendlichen räumten die Vorwürfe ein

Nach der Pause gaben die Rechtsanwälte der Reihe nach bekannt, dass ihre Mandanten alle vorgetragenen Vorwürfe einräumen würden. Somit könne man auf aufwendige Zeugenbefragungen verzichten. Die Taten hatten die Angeklagten zum Teil zusammen oder auch in wechselnden Kleingruppen begangen. Meist sei man nach nächtlichen Gelagen spontan losgezogen, hieß es.

Nach der Befragung nach den persönlichen Verhältnissen – alle haben zumindest einen Schulabschluss oder stehen in einer Berufsausbildung – zeigte Richter Veit den Angeklagten noch einmal ihre Lage auf: „Das ist doch der reine Wahnsinn, was ihr da gemacht habt“, sagte er. Alleine an der Bezahlung der angerichteten Schäden hätten sie noch lange zu knabbern. Wenn sie heute noch einmal davonkämen, dann hätten sie dies nur ihren Geständnissen zu verdanken. „Das nächste krumme Ding und ein Verstoß gegen die Bewährungsauflagen wird euch hinter Gitter bringen.“

Bewährungsstrafe für Diebstahlserie

Einig waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidiger, dass es nochmals eine Bewährung geben könne. Das Jugendschöffengericht verurteilte den Ältesten des Quartetts wegen Diebstahls in elf Fällen und einem räuberischen Diebstahl zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren mit einer Bewährungszeit von drei Jahren sowie vier Wochen Dauerarrest und einem Schmerzensgeld wegen der Gewaltanwendung in der Tankstelle.

Der Zweitälteste bekam ebenfalls zwei Jahre auf Bewährung und vier Wochen Dauerarrest, der Dritte im Bunde kam, da er nicht so oft beteiligt war, mit einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung davon. Er erhielt einen Dauerarrest von zwei Wochen. Der Jüngste, der kaum in Erscheinung getreten ist, wurde als Mitläufer eingestuft. Er erhielt eine Verwarnung und eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro.

Jugendliche müssen Anti-Aggressionskurse machen

Alle Angeklagten müssen außerdem noch Anti-Aggressionskurse absolvieren, zur Drogenberatung gehen und Sozialstunden ableisten. Außerdem kommen noch einige Kosten auf sie zu: Schadenswiedergutmachung und auch die Gerichtskosten dürften nicht gerade niedrig ausfallen. Dennoch nahmen die Angeklagten irgendwie erleichtert die Urteile an.

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