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Verkehr

15.02.2018

Gibt es bald eine Umfahrung für Kammlach?

In Kammlach könnte in den nächsten Jahren eine Umgehungsstraße gebaut werden.
Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl glaubt, dass die Straße schon in wenigen Jahren gebaut sein könnte. Warum Bürgermeister Josef Steidele weniger optimistisch ist.

Lärmgeplagte Anwohner der Hauptstraße in Kammlach wünschen sich schon lange eine Umgehungsstraße. Jetzt kündigt der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) in einer Pressemitteilung an: „Umfahrung Kammlachs rückt näher!“ Er habe sich an die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium gewandt und für eine Umgehungsstraße in kommunaler Sonderbaulast geworben. „Dabei finanziert der Freistaat in der Regel zwischen 70 und 80 Prozent der Maßnahme, den Rest müssen die betroffenen Gemeinden beisteuern“, so Pohl. „Ich freue mich sehr darüber, dass ich für das Vorhaben positive Signale aus der Obersten Baubehörde bekommen habe.“ Damit sei zwar noch keine Förderzusage verbunden, er werte die Aussagen jedoch als ein klares Zeichen dafür, dass die Gemeinde gute Förderchancen habe. Laut dem Abgeordneten liege der Ball nun bei den beteiligten Gemeinden. „Sie müssen in den nächsten Monaten beraten, ob die Umgehung komplett oder abschnittsweise gebaut wird.“

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Die Pläne gibt es schon seit Jahren

Während Pohl damit rechnet, dass die Straße in vier bis fünf Jahren bereits gebaut sein könnte, ist Bürgermeister Josef Steidele weniger optimistisch. Die Pläne für eine Umgehungsstraße gibt es nämlich bereits seit Jahren: Die Trasse, die östlich an Ober- und Unterkammlach und möglicherweise sogar Oberrieden vorbeiführen würde, wurde bereits im Jahr 2000 in den Flächennutzungsplan eingezeichnet. Was fehlt, ist ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss, die Straße auch auf eigene Kosten zu bauen. Dass der Staat das übernehmen könnte, gilt als extrem unwahrscheinlich: Das Verkehrsaufkommen in Kammlach ist zwar vielen Bürger entschieden zu hoch, offiziell aber nicht hoch genug, um eine Umgehungsstraße zu rechtfertigen.

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Würde die Gemeinde die Straße selbst bauen, müsste sie jedoch nicht nur die Kosten schultern, sondern auch das komplette Planfeststellungsverfahren inklusive der Grundstücksverhandlungen und der Suche nach Ausgleichsflächen. „Das ist eine Sisyphus-Aufgabe“, sagt Steidele, der befürchtet, dass die Gemeinde damit überfordert wäre. „Ich will das nicht liegen- oder fallenlassen“, betont der Rathauschef. „Aber das ist eine große Nummer.“

Die Umgehung würde nicht alle Bürger entlasten

Es zeichne sich ab, dass nach der umstrittenen Ansiedlung der Bettenwelt, für die viel Land verbraucht wurde, einige Landwirte nicht bereit seien, noch mehr Flächen zu opfern. Zumal für eine Umgehungsstraße, die die Gemeinde zwar in Nord-Süd-Richtung, also zwischen Ober- und Unterkammlach, entlastet, nicht aber die Anwohner der ehemaligen B18 in Oberkammlach. „Wir werden keine 80- oder 90-Prozent-Lösung herkriegen. Und dafür dann einen Millionenbetrag ausgeben ...?“

Auf Nachfrage der MZ räumt Bernhard Pohl ein, seine Pressemitteilung „vielleicht ein bisschen zu forsch formuliert“ zu haben. Er habe nicht bedacht, dass es sich um eine kleine Gemeinde handle. Es sei wohl realistischer, dass die Umgehungsstraße nicht in den nächsten Monaten, sondern „im Laufe dieses Jahres“ auf den Weg gebracht werde. In diesem Fall könnte sie in fünf bis sechs Jahren fertig sein.

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