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Müll

26.05.2017

Gibt es künftig eine Gelbe Tonne?

Andere haben sie längst, im Unterallgäu wird nun darüber diskutiert, ob auch der Landkreis Gelbe Tonnen für Wertstoffe einführt.
Bild: Thorsten Jordan

Die Entsorgung im Landkreis Unterallgäu könnte in zwei Jahren noch bequemer werden – wenn die Bürger das wünschen.

Als der Landkreis Unterallgäu vor vier Jahren den Gelben Sack einführte, war das eine Zäsur. Zuvor hatten die Bürger die Verpackungsmaterialien aufwändig in verschiedene Fraktionen getrennt zum Wertstoffhof gebracht oder dort vor Ort sortieren lassen. Den Gelben Sack, in dem fast alle Verpackungen gesammelt werden können, empfanden deshalb viele als deutlich komfortabler – auch wenn sie diesen Sack weiterhin selbst zum Wertstoffhof bringen mussten. Letzteres könnte sich jedoch 2019 ändern und die Entsorgung im Landkreis so noch bequemer werden: Weil Ende 2018 die Verträge mit den Betreibern der Rücknahmesysteme für Verpackungen, den sogenannten Dualen Systemen, auslaufen, überlegt sich der Landkreis, die Gelben Säcke oder auch eine Gelbe Tonne künftig bei den Bürgern abholen zu lassen.

In rund zwei Dritteln der bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte ist das bereits gang und gäbe: Auf einer entsprechenden Karte des Bayerischen Landeamtes für Umwelt sind bereits 62 der 71 Landkreise und 25 kreisfreien Städte mit der Farbe Orange eingefärbt, die das Holsystem kennzeichnet. Lediglich in 34 Gebietskörperschaften müssen die Leichtverpackungen noch zum Wertstoffhof oder zu einem frei zugänglichen Container gebracht werden. Edgar Putz, der Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft am Landratsamt, rechnet aber fest damit, dass diese Karte in zwei Jahren komplett anders aussieht: Voraussichtlich wird sie dann mehr oder weniger komplett orange sein. Denn das Holsystem ist komfortabler und das zahlt sich aus: Studien und die Erfahrungen aus anderen Landkreisen zeigen laut Putz, dass durch die Abholung mehr Wertstoffe erfasst werden als im Bringsystem. Letzteres verleitet eben doch manchen dazu, die Verpackungen aus Bequemlichkeit in die Restmülltonne zu stopfen, statt sie im Gelben Sack zum Wertstoffhof zu bringen.

Der hat zudem – anders als eine entsprechende Tonne zuhause – Öffnungszeiten, die vielleicht nicht jedem zupasskommen. Und gerade viele Ältere sehen sich schlicht nicht in der Lage, die Säcke selbst wegzubringen. Angesichts der demografischen Entwicklung sei dieser Punkt nicht zu vernachlässigen, gibt Putz zu bedenken. „Am Holsystem kann jeder teilnehmen, niemand wird ausgeschlossen“, sagt er, verhehlt aber auch etwaige Nachteile der Tonne nicht: So werfen die Bürger im Bringsystem erwiesenermaßen weniger Müll in den Gelben Sack, der nicht dort hineingehört. Beim Holsystem ist die Zahl der sogenannten „Fehlwürfe“ dagegen höher und dadurch die Sammelqualität vor allem im städtischen Bereich meist schlechter. Das betrifft jedoch in erster Linie die Dualen Systeme, deren Erlöse umso höher sind, je sortenreiner die Wertstoffe erfasst werden. Laut Putz entstehen dem Landkreis durch eine verminderte Qualität keine Nachteile.

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Ihn beschäftigt eher, wie sich die Einführung einer Gelben Tonne auf die 24 Wertstoffhöfe im Landkreis auswirken könnte. Denn bislang bringen die Bürger ja längst nicht nur die Gelben Säcke dorthin, sondern vor allem auch die Wertstoffe, die nicht in den Sack gehören. Von den mehr als 47000 Tonnen Wertstoffen, die im vergangenen Jahr insgesamt erfasst wurden, entfielen gerade einmal 3085 Tonnen auf die Leichtverpackungen im Gelben Sack. Manch einer befürchtet deshalb, dass durch die Gelbe Tonne zwar weniger Verpackungen im Restmüll landen könnten, dafür dann aber beispielsweise der Rasierapparat, der vorher bei der Entsorgung der Gelben Säcke einfach mit zum Wertstoffhof genommen wurde. Fallen solche Synergieeffekte weg, könne das nach Einschätzung von Putz zu Kostensteigerungen führen – zumindest dann, wenn das Netz der Wertstoffhöfe in der jetzigen Form beibehalten werden soll.

Bereits 2015 hatte Putz’ Vorgänger Anton Bauer das Bringsystem mit dem Argument verteidigt, dass der Gebührenzahler davon auch finanziell profitiere: Die Abholung wäre zwar generell kostenlos, weil der Kunde sie bei Produkten, die dem Dualen System angehören und beispielsweise mit dem Grünen Punkt gekennzeichnet sind, bereits im Laden mitbezahlt hat. Werden die Leichtverpackungen abgeholt, entgehen dem Landkreis jedoch die 600000 Euro, die das Duale System ihm bisher dafür bezahlt, dass er die Leichtverpackungen an seinen Wertstoffhöfen sammelt.

Ob die Vor- etwaige Nachteile überwiegen, darüber wird letztlich der Umweltausschuss des Landkreises entscheiden. Doch auch die Bürger sollen zu dieser Frage gehört werden: Noch vor den Sommerferien startet eine Befragung, in der sich die Unterallgäuer nicht nur zum Angebot der Wertstoffhöfe und ihrer Zufriedenheit damit äußern können, sondern auch dazu, was sie von einer Gelben Tonne halten. „Rund 1000 Bürger aus dem Kreisgebiet sollen nach einer repräsentativen Zufallsstichprobe telefonisch befragt werden“, sagt Edgar Putz. Der Umweltausschuss hat dafür in nichtöffentlicher Sitzung nun grünes Licht gegeben.

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