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Geschichte

24.08.2016

Ging ihr Großvater hier mit dem Erzherzog spazieren?

Renate Gennburg ist 1943 geboren, kennt den Kurort aber auch aus vielen Erzählungen ihrer Mutter. Sie selbst leitete eine Drogerie in der Sonnenstraße. F

In zwei alten Wörishofer Büchlein suchte Renate Gennburg Spuren ihrer Familie und erfuhr so viel Wissenswertes über Wörishofen

Einmal die Jahre zurückdrehen – zurück in die Zeit um 1905/1906. Wie war das damals im Kurort Wörishofen? Und eine Frage interessierte Renate Gennburg ganz besonders. Ist es wirklich wahr, was ihre Mutter erzählte? Ist ihr Großvater tatsächlich mit Erzherzog Joseph von Österreich-Ungarn auf der Kurpromenade spazieren gegangen? In zwei Büchlein, einer Broschüre über das Kreuzerhotel und einem kostenlosen Wegweiser für Wörishofen, die sie jüngst im Keller gefunden hat, konnte sie viel über den Kurort Wörishofen, seine Hotels und das Leben im Ort erfahren und die Erzählungen ihrer Mutter verifizieren.

Schon in der Wirkungszeit von Pfarrer Sebastian Kneipp ist das Dorf zu einem sehr angesehenen Kurort (Beginn der Kurbetriebe um 1889) mit vielen renommierten Häusern angewachsen. Das Sebastianeum und das Kneippianum wurden als Kneipp’sche Stiftungen 1891 und 1896 gebaut. In dieser Zeit entstanden weiter über 120 neue Gebäude, vor allem Hotels und Pensionen (erst am 6. März 1920 erhielt Wörishofen das Prädikat „Bad“). Als exklusiv galt das Hotel und Bad „Kreuzer“ an der Kur-Promenade. Diese unterbrach den weiteren Straßenverlauf der Bachstraße und der Unteren Bachstraße – der heutigen Kneippstraße. Das ist auf einem damaligen Ortsplan zu sehen. Das Kreuzerhotel brachte zu dieser Zeit eine eigene ausführliche Broschüre heraus, in der über Sebastian Kneipp und den Ort vieles zu erfahren war. Reichlich bebildert schilderten die Herausgeber alles vom Haus selbst, seiner Dependance, dem neuen Kasino gegenüber und den wunderbaren Promenaden- und Waldwegen.

Damals waren auch Renate Gennburgs Großeltern, Katharina und Albert De Busseny, ständig zur Kur in Wörishofen. Sie besaßen einen Gutshof mit Gestüt in Körbelitz und sind viel gereist. Renate Gennburg hoffte nun in den Büchlein einen Beweis für die Aussagen ihrer Mutter zu finden.

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Der Erzherzog, das ist belegt, war in den Jahren von 1893 bis 1897 (Todesjahr von Sebastian Kneipp) immer wieder zur Kur in Wörishofen. Er war es auch, der sich bei Papst Leo XIII. für die Anliegen von Sebastian Kneipp einsetzte. Dieser ernannte ihn schließlich zum Monsignore. Sebastian Kneipp hatte den Erzherzog auf einer seiner Vortragsreisen in Ungarn kennengelernt. Nach ihm benannten die Wörishofer auch den ersten Kurpark „Erzherzog-Joseph-Anlagen“. Erweitert wurde der Park in den Jahren 1902/1903 vom Wörishofer Verschönerungsverein.

Leider fand sich kein Beweis, dass die Aussagen ihrer Mutter, dass der Großvater von Renate Gennburg mit diesem Erzherzog hier spazieren gegangen sei, stimmten. Doch nach allem, was sie inzwischen aus den zwei Büchlein entnommen hat, kann sie es sich nun durchaus besser vorstellen.

Im Wegweiser integriert waren ein Plan des Kurortes, Eisenbahnkärtchen und zahlreiche Abbildungen. Weiter stand „Topographisches“, „Meteorologisches“, „Hygienisches“ ebenso wie „Aerztliche Sprechstunden“, Vorträge, Laboratorium, Kurmittel, Kuranstalten mit Preisen der Anwendungen, Freiplätze und Armenpflege und vieles andere mehr darin. So betrug die Kurtaxe für Erwachsene für eine Woche in der I. Klasse 1,20 Mark, II. Klasse 0,80 Mark und in der III. Klasse 0,40 Mark. Vergessen wurden die Mietordnung nicht, sowie die „Tarifbestimmungen für Dienstmänner“, in Pfennigbeträgen. Alles, was für den Kurgast wissenswert war, wie „Das Kneipp’sche Heilverfahren“, stand ausführlich beschrieben.

Diese beiden Kleinode der Bad Wörishofer Geschichte möchte Renate Gennburg nun dem Sebastian-Kneipp-Museum als Geschenk übergeben. Sie ist sich sicher, dass sie hier am richtigen Platz sind und viele Interessenten finden werden, denen Wörishofen genauso am Herzen liegt, wie ihr.

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