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Sontheim

28.08.2020

Große Pläne für den Hochwasserschutz in Sontheim

In der Nähe des Sontheimer Sportplatzes soll der Damm des Hochwasserrückhaltebeckens quer durchs Tal gebaut werden.
Bild: Franz Kustermann

Plus Das Projekt in Sontheim soll in drei bis fünf Jahren realisiert sein. Nun geht es vor allem um Grundstücksverhandlungen. Doch die könnten sich als schwierig erweisen.

Nahe angrenzend an Sportplatz und Fischweiher entsteht südlich von Sontheim ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB). Es soll im Katastrophenfall rund 2,16 Millionen Kubikmeter Wasser von der Östlichen Günz zurückhalten und langsam gedrosselt abfließen lassen. Michael Zeiser vom Wasserwirtschaftsamt Kempten (WWA) stellte den Planungsstand des Projektes mit über 1,2 Kilometer Kronenlänge und acht Metern Höhe im Gemeinderat Sontheim vor. In drei bis fünf Jahren soll das Becken einsatzbereit sein und dann Sontheim, aber auch die weiter unten liegenden Gemeinden vor einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser schützen.

Erste Grundstückskäufe in Sontheim für Hochwasserschutz

Laut Zeiser kann der Damm nur an dieser Stelle gebaut werden, weil er weiter oben wesentlich höher ausgebildet werden müsste, um das notwendige Fassungsvermögen zu erreichen. Dies gehe aber wegen der dort liegenden „Lindenhöfe“ nicht. Am jetzigen Standort muss die Kreisstraße eventuell nur um etwa zehn Zentimeter erhöht werden. Von diesem Niveau aus würde dann der Damm vor dem Fischweiher quer über das gesamte Tal verlaufen. Erste Grundstückskäufe hat das WWA schon getätigt. Nun hofft Zeiser, genügend Tauschgrundstücke zu finden, um alle erforderlichen Ankäufe im Dammbereich tätigen zu können.

Zusätzliche Schwierigkeiten sieht der Koordinator für Neubauten in der Tatsache, dass einige Grundstücke verpachtet seien, was den Zugriff auf die Flächen zusätzlich erschwere. Bei allem versuche er trotzdem, „die Lasten gleichmäßig zu verteilen“. Den notwendigen „naturschutzfachlichen Ausgleich“ beabsichtige man möglichst auch im Einstaubereich unterzubringen. Dennoch werde wohl auch „außerhalb“ ein solcher Ausgleich erfolgen müssen. Da bei einem Einstau die Bepflanzung samt Wurzelteller stark beeinträchtig wäre, werden an dem Damm nur magere und blühende sowie möglichst insektenfreundliche Grasmischungen angesät. Auf der „Luftseite“ des Dammes werde die Schräge so gestaltet, dass er mit normalen landwirtschaftlichen Maschinen bearbeitet werden könne. Auf der „Wasserseite“ müssten wegen der steileren Böschung bei der jährlich notwendigen Pflege jedoch Spezialmaschinen eingesetzt werden.

Mehr Gestaltungsspielraum durch großes Auffangbecken in Engetried

Nachdem das Becken in Eldern jetzt einsatzfähig sei und die Projekte in Engetried und Frechenrieden bereits kurz vor der Planfeststellung stehen, hofft Zeiser nun, dass das HRB auch in Sontheim ohne große Einwände realisiert werden kann: „Auch wenn das vielleicht nicht jeder für gutheißt, hoffe ich doch darauf, dass man das zumindest akzeptiert.“

Weil das Becken in Engetried durch die geschwungene Form um rund 100000 Kubikmeter mehr Wasser aufnehmen kann als anfangs geplant, bringe das für Sontheim „mehr Gestaltungsspielraum“. Die Hälfte des geplanten Stauraumes sei hier bei aktuellen Überflutungen jetzt schon betroffen. Vorrangig will Zeiser jetzt mit den Grundstückseigentümern der Dammaufstandsfläche verhandeln. Einige Grundstücke habe man schon erwerben können. Eigentum müsse getauscht, aber auch Pachtflächen müssten zur Verfügung gestellt werden. Das Problem sei vor allem, dass in Sontheim alle Flächen „aktuell belegt“ seien. Wenn „der zentrale Punkt“, also die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen seien, könnte bereits Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres die Planung vergeben werden.

Wie wird das Hochwasserschutzprojekt finanziert?

Laut Bürgermeister Alfred Gänsdorfer hat Sontheim das Problem, dass die Landwirte durch die vielen Bauten an Bahnübergängen, den Siedlungsbau und die Kiesflächen „eine vergleichbar schwierigere Situation als in anderen Gemeinden“ haben: „Wenn es irgendwie geht, dann hoffen wir, dass alle, die dazu beitragen können, dieses Projekt auch unterstützen.“ Laut Zeiser kann der Damm nicht nach Süden, aber auch nicht nach Norden gerückt werden. „Es gibt aber immer Mittel und Wege zur Realisierung.“

Rat Wolfgang Bersch merkte an, dass bei den aktuell sehr vielen Planungen erstmal alles finanziert werden müsse. Laut Zeiser können die Zahlungen der Kommunen für die HRB „gestaltet“ werden: „Wenn eine Kommune die Summe nicht leisten kann, dann muss man die halt strecken auf ein paar Jahre.“ Zudem hätten die Gemeinden die Möglichkeit, Eigenleistungen mit einzubringen. Wo das benötigte Material für den Sontheimer Damm herkommt, sei derzeit noch nicht bekannt. Wie bei den anderen Becken bemühe man sich jedoch, die Zufahrten möglichst nicht durchs Dorf zu führen.

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