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Unterallgäu

07.07.2020

Großprojekt für Hochwasserschutz im Unterallgäu

Das jetzt fertiggestellte Rückhaltebecken in Eldern bei Ottobeuren (Unterallgäu) gehört zu einem 60 Millionen Euro teuren Hochwasser-Schutzprojekt an der Günz.
Bild: Matthias Becker

Plus 280 Millionen Euro wurden seit 1999 in der Region für Dämme und Rückhaltebecken ausgegeben. Nun kommen weitere riesige Rückhaltebecken dazu.

Vor mehr als 20 Jahren, an Pfingsten 1999, brach die Sintflut über das Allgäu herein. Kaum für möglich gehaltene Regenmengen gingen über der Region nieder. Die Böden waren nach einem feuchten, extrem schneereichen Winter und ergiebigen Niederschlägen im Frühjahr ohnehin bereits gesättigt. Das Pfingsthochwasser nahm seinen Lauf – mit verheerenden Folgen. Am schlimmsten erwischte es die Obere Iller zwischen Sonthofen und Kempten, doch auch fast alle anderen Bäche und Flüsse führten Hochwasser. Viele Anwohner verloren ihr Hab und Gut. Im Unterallgäu läuft nun ein Großprojekt zum Hochwasserschutz.

Nach dem Pfingsthochwasser 1999 verbesserte das Wasserwirtschaftsamt den Schutz vor Fluten an vielen Brennpunkten ganz erheblich. Etwa 280 Millionen Euro wurden seitdem investiert, sagt David Kempter, stellvertretender Leiter des Kemptener Wasserwirtschaftsamtes. Der Löwenanteil (etwa 100 Millionen Euro) wurde an der Iller verbaut.

Das jüngste Großprojekt in Sachen Hochwasserschutz liegt im Unterallgäu. An der Günz sollen es künftig fünf riesige Rückhaltebecken ermöglichen, bei Hochwasser die Spitzen der steigenden Fluten zu kappen. Insgesamt 60 Millionen Euro sind für den Schutz vor Fluten an Bayerns längstem Bachsystem (Westliche und Östliche Günz samt Zuläufen) vorgesehen.

Großprojekt für Hochwasserschutz im Unterallgäu

Es geht um Bayerns längstes Bachsystem - und um 60 Millionen Euro

So gut wie fertig ist das erste der fünf Wasser-Rückhaltebecken: 1,6 Millionen Kubikmeter können in einer Hochwasser-Situation bei Eldern, einem Ortsteil von Ottobeuren, demnächst zurückgehalten werden. Für zwei weitere, ähnliche Rückhaltebecken in Engetried und Frechenrieden hat das Planfeststellungsverfahren begonnen. Zudem sind Speicherbecken bei Westerheim und Sontheim geplant.

Erklärtes Ziel ist es, die Anlieger von Westlicher und Östlicher Günz und Schwelk zu schützen. Dazu gehören unter anderem die Unterallgäuer Gemeinden Ottobeuren, Markt Rettenbach, Babenhausen und das zum Landkreis Günzburg gehörende Deisenhausen. In Engetried steht dort, wo ein zehn Meter hoher Damm entstehen soll, die Kreuzkapelle. Sie soll angehoben und oben wieder aufgestellt werden. Nach Ansicht von Fachleuten sei das möglich, sagt der Vize-Chef des Wasserwirtschaftsamtes, Kempter.

1999, 2002, 2005: Große Hochwasser und kleinräumige, aber oft umso heftigere Überschwemmungen machen immer wieder neue Flutschutz-Programme erforderlich. So wurden an der Trettach bei Oberstdorf sieben Millionen Euro investiert, an der Konstanzer Ache bei Immenstadt 4,6 Millionen. In Fischen (Oberallgäu) mussten im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz drei Brücken neu gebaut werden.

Was bringt die Zukunft in Sachen Hochwasser - und wie schützt man sich davor?

Und doch wird es einen 100-prozentigen Schutz vor Fluten nie geben. Beispiel 14. Juni 2015: Da tobte am Nachmittag über dem Rubihorn bei Oberstdorf ein kleinräumiges, aber ungewöhnlich heftiges Gewitter mit nahezu unvorstellbaren Regenmengen: In weniger als einer Stunde prasselten über 100 Liter Regen pro Quadratmeter herunter. Murenabgänge und Überflutungen mit schweren Schäden in Teilen Oberstdorfs waren die Folgen. Mit einem Millionenaufwand wurde auch dort der Hochwasserschutz verbessert. Ob in Oberstdorf oder im Unterallgäu: Klimaforscher gehen davon aus, dass mit der globalen Erwärmung in Zukunft Extremereignisse, wie starke Regenfälle in kürzester Zeit, zunehmen werden. Entsprechend werden auch weiterhin im Freistaat alle Hochwasser-Verbauungen mit einem 15-prozentigen Klimazuschlag berechnet. Will heißen: 15 Prozent mehr auf den bisherigen hundertjährlichen Abfluss – also auf ein Hochwasser, das laut Statistik in dieser Größenordnung nur alle 100 Jahre vorkommt. Somit wird um 15 Prozent höher gebaut. Das klingt zunächst beruhigend. Doch es stellt sich die Frage: Was ist, wenn es demnächst zunehmend aufgrund der Klimaerwärmung zwei-, drei- oder fünfhundertjährliche Hochwasser gibt?

Hochwasserschutz: Ein Thema, das die Menschen im Landkreis Unterallgäu seit Jahren beschäftigt:

Unterallgäu macht den nächsten Schritt beim Hochwasserschutz


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