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Artenschutz

10.04.2019

Grüne und Bauern als „natürliche Verbündete“

Bayerns Grünen–Frontfrau Katharina Schulze nannte Österreich als Vorbild, wenn es um funktionierenden ökologischen Landbau geht.
Bild: Regine Pätz

Katharina Schulze und Maximilian Deisenhofer werben bei Diskussionsrunde in Bad Wörishofen um gegenseitiges Verständnis

Mit reichlich Verspätung und entwaffnender Ehrlichkeit traf Bayerns grüne Frontfrau Katharina Schulze in Bad Wörishofen ein. Ein Stau auf der A96 habe sie bei Buchloe festgehalten, erklärte sie ihren Gastgebern und den anwesenden Gästen und konstatierte: „Wir Grüne sollten besser Zug fahren!“ In Bad Wörishofen, im Gasthof Rössle, traf die Vorsitzende der Landtagsfraktion auf ein gut vorbereitetes und gesprächsbereites Publikum. Das Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ war das große Thema, das hatten zuvor auch die Moderatoren Daniel Pflügl und Ortssprecherin Doris Hofer festgestellt. Michael Scharpf, neben Hofer der zweite Ortssprecher, bezeichnete das Für zum Artenschutz vieler Bürger als „scheinheilig“, wenn gleichzeitig eigene Gärten aussähen wie Mondlandschaften und Insekten kaum eine Chance ließen. Gerade in der Kurstadt gäbe es viele bauliche Beispiele, wie man es nicht machen sollte, so Scharpf. Da könne man den Unmut der Landwirte über das Ergebnis schon verstehen. Das bestätigte auch Robert Sturm (CSU), Bürgermeister von Ettringen und Unterallgäuer Kreisrat, der unter den Gästen weilte. „Die Bauern sind angefressen“, konstatierte Sturm, derzeit werde man auf kommunaler Ebene von Anträgen überflutet. Er wolle daran erinnern, dass auch die Landwirtschaft „Träger unserer Kultur“ sei.

Zunächst einmal hochzufrieden mit dem Ergebnis des Artenschutz-Bürgerbegehrens zeigten sich Katharina Schulze als auch ihr Landtagsfraktionskollege Maximilian Deisenhofer. Dennoch zeigten beide auf, dass man an der Änderung landwirtschaftlicher Strukturen nicht vorbei komme, wolle man die anvisierte Wende zugunsten einer ökologischen Landwirtschaft erfolgreich umsetzen. Ziel der Grünen ist demnach die Agrarwende in der Landwirtschaft zum Einen, zum anderen die Umgestaltung von Subventionen – weniger für konventionell erwirtschaftende Großbetriebe, mehr für den ökologischen Weg. Dass Landwirten durch das Artenschutzbegehren die Lebensgrundlage genommen werde, das wollten beide so nicht stehen lassen. „Das Begehren sagt klar: 30 Prozent bis 2030“, sagte Schulze und verwies zeitgleich auf den Nachbarn Österreich, wo der Anteil an ökologischer Landwirtschaft schon heute bei 27 Prozent liege. Man wolle deshalb mit allen Beteiligten zusammen an einen Tisch, sagte Schulze. Förderberatungen sollen den Landwirten die Möglichkeiten aufzeigen, mit finanzieller Unterstützung die Umgestaltung des landwirtschaftlichen Betriebes in Angriff nehmen zu können. „Wir wollen den Bauern unter die Arme greifen, sie sollen von ihrer Arbeit leben können!“, sagte Schulze.

Ein „Bauernbashing“ sei ebenso wenig zielführend wie ein „Grünenbashing“, sagte Deisenhofer, denn wenn es ums Ökologische gehe, seien Landwirte und die Grünen „natürliche Verbündete“. (pae)

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