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Kultur

26.10.2018

Halbgötter des Kabaretts

Sie rissen sich im Ramminger Braustadel „Drei Haxn“ für ihr begeistertes Publikum aus (von links): Anni Preuß, Claudia Pichler und Michael Well.
Bild: Maria Schmid

Michael Well von den Biermösl Blosn begeistert mit den „Drei Haxn“ im Braustadel Rammingen

Goldener Oktobersonnenschein, ein echt bayerisches Frühstück mit Salzstängele und Weißwürscht, dazu „Drei Haxn“, die für beste Stimmung sorgten, was begehrte das Herz noch mehr. Veranstalter Tscharlie Hemmer, der „Kultur-Impresario“ vom Braustadel in Rammingen und das gesamte Team um Wirt Martin Ledermann machten es möglich.

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Zur besten Frühschoppenzeit präsentierten sich Michael Well, ein Ex der Biermösl Blosn, gemeinsam mit Claudia Pichler und Anni Preuß und deren herrlich deftigem bayerischen Humor. Dieses „anarchische Trio der Kleinkunst-Bühnen in Bayern“ brachten den Lachtempel zum Beben. Für „Die drei Haxn“ sind diese Auftritte Herzenssache.

Ihre Motivation ist enorm, aber auch die Risikobereitschaft, sich eventuell den „Mund zu verbrennen“. Alles im besten Sinne des musikalischen Kabaretts, mit vielseitigsten Instrumenten und Gesang.

Halbgötter des Kabaretts

Für Tscharlie Hemmer sind die Wellgeschwister Halbgötter und Gerhard Polt der Gott des Kabaretts. Da geht sein Herz auf. Diesen großen Meister der satirischen Worte hat Claudia Pichler als Thema für ihre Doktorarbeit ausgewählt.

Klar, dass das von ihr verfasste Buch „Der große Polt - Ein Konversationslexikon“ auch zum Verkauf stand. Schon die eigene Vorstellung war für das Publikum mehr als amüsant, als Claudia sagte: „Wir holen eine Menge Instrumente raus, aber die Haxn reißen wir uns nicht aus.“

Und warum drei Haxn und nicht vier? „Uns wollt zum Verrecken kein viertes wachsen.“ Im Wettstreit um die besten eigenen Auftritts-Argumente sagte Claudia: „Hab’ den Doktor und spreche fünf Sprachen“. Anni konterte: „...und die Männer hab’ ich!“ Claudia: „Ich trinke einen großen Smoothie.“ Anni: „Und ich tu gern schmusen.“ Michael Well und sein Lieblingsinstrument, die Drehleier.

Da wurden seine Kindheitserinnerungen wach wie der Besuch beim Bader, der ja Friseur und auch Arzt war. Mei, das sei schon sehr unangenehm gewesen, als der Bader ihm die Milchzähne mit der Beißzange herausgerissen habe.

Und beim Metzger hieß es: „Jeder isst, so viel er kann, nur nicht seinen Nebenmann.“ Und sein Lied „Ich will mehr Fleisch“ endete mit der Forderung an seine Frau: „Geh’ Frau, komm mal her, dein Mann, der braucht mehr Fleisch!“ Es folgten riskante, experimentelle und provozierende Lieder, bei dem vor allem das von Anni Preuß gesungene Lied zu Lachsalven verführte.

Sie sang und schimpfte in besten bayerischen Schimpftiraden, die die Gäste sich nur vorstellen konnten. Und das in einer Geschwindigkeit und Lautstärke, wie ein Bierkutscher zu seinen besten Zeiten. Das alles mit einer sehr hörenswerten Stimme auch unter dem Tenor: „Unter der kleinsten Steppdecke kann ein großer Depp stecken.“ Hier waren keine Deppen am Werk. Hier gab es Schlag auf Schlag herrlich skurrile Lieder zu hören, ab und zu unterbrochen von Stubenmusik mit Tuba, Ziehharmonika, Horn oder Triangel.

Ganz Kavalier hob Michael Well die schwere Tuba hoch und setzte sie auf den Schoß von Claudia Pichler. Anni Preuß ist Lehrerin an einem Gymnasium. Sie nahm ihre Gitarre und die schönste Musik erklang, natürlich hin und wieder auch mit der Drehleier von Michael Well. Ach ja, erwähnenswert sind alle Beiträge.

Doch die Liebesgeschichte von Alois Brummer, der Fleischfliege, der sich in Jessica, eine Fruchtfliege, verliebte, war einfach köstlich. Ende vom Lied und nicht alles gut: Beide flogen in das „Blaue Licht“, knisterten noch kurz, verbrannten schließlich und die Überreste wurden am Montag von Erika beim Edeka entsorgt. Beim Schluss-Gstanzl ging es um Rammingen, Politiker und vieles mehr. Diese Matinee im Braustadel wird gewiss lange in Erinnerung bleiben und hoffentlich wiederholt.

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